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Wie weit ist die Inklusion in Deutschland? - ISBA-Konferenz findet vom 9.-11. September in Wolfenbüttel statt

Die inklusive Tanzgruppe tanzbar_bremen tritt am 10. September im Lessingtheater (WF) auf.
 
Organisator Thomas SToch freut sich auf die ISBA-Konferenz 2014.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sich vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen. Um Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen dabei zu unterstützen, gibt es Angebote die beraten und praktische Hilfen anbieten.

Um genau diese Angebote geht es bei der 9. Internationalen Short Break Konferenz in Wolfenbüttel unter dem Motto „Inklusion weltweit‟. In Workshops und bei Vorträgen wird informiert, diskutiert und debattiert. Referenten und Gäste aus rund 20 Ländern stellen Projekte vor, sprechen über ihre Erfahrungen mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtkonvention und über aktuelle gesetzliche Veränderungen in ihren Ländern. So werden auch politische Themen zur Sprache kommen, zum Beispiel haben wir in Deutschland ein teures und weit entwickeltes Hilfesystem für Menschen mit Behinderungen. Aber greift es überhaupt? Ermöglichen unsere stationären Einrichtungen überhaupt eine individuelle Hilfe? Wie sind unsere rechtlichen Rahmenbedingungen im weltweiten Vergleich – und wie nah sind wir dem Ziel „Inklusion“ in unserem Land?

Neben internationalen Experten nehmen an dieser Konferenz auch Wolfenbütteler Bürger und interessierte Gäste aus ganz Deutschland teil, von Wohlfahrtsverbänden, Universitäten, Stadtverwaltungen und aus der Politik. Bereits zugesagt haben rund 200 Teilnehmer, um über Unterstützungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen zu diskutieren und innovative und kreative Ideen vorzustellen.

„Dabei gibt es Angebote, an die wir noch nicht gedacht haben“, erklärt Thomas Stoch, Bereichsleiter beim DRK Wolfenbüttel und Präsident der ISBA. Es gehe um individuelle Wege, um die echte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen am gesellschaftlichen Leben. So mancher internationale Gast mache sich in den nächsten Tagen auf den Weg nach Wolfenbüttel. Dabei gebe es einige Kuriositäten. Stoch meint hier nicht nur den drohenden Vulkanausbruch auf Island: „Eine Kollegin aus den USA schrieb in einer Mail, dass die Reise mit dem Zug von Hannover nach Braunschweig neun Stunden dauert und wollte sich kaum vom Gegenteil überzeugen lassen.‟

SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel stellt in seinem Grußwort die Einzigartigkeit dieser Veranstaltung für Wolfenbüttel in den Vordergrund, spielt auf die Konferenzorte der Vorjahre an: „Es kommt nicht allzu oft vor, dass die Stadt Wolfenbüttel in einem Atemzug mit Metropolen wie Sydney, Paris, Kopenhagen oder Toronto genannt wird. Umso mehr freue ich mich, dass die diesjährige Konferenz der International Short Break Association hier in unserer schönen und traditionsreichen, aber eben kleinen Stadt im Herzen Deutschlands stattfindet.‟

Im kulturellen Rahmenprogramm während der drei Konferenz-Tage wird der Film "Berg-Fidel – Eine Schule für Alle“ am 9. September gezeigt, genauso wie der erfolgreiche Kinofilm "Vergiss mein nicht" von David Sieveking. Der Regisseur und Autor ist an diesem Tag auch vor Ort. Auch der inklusive Tanztheater-Abend mit der Tanzbar_Bremen im Lessingtheater am Mittwoch den 10. September ist für die Öffentlichkeit geöffnet.

Weitere Informationen zur ISBA-Konferenz und das aktuelle Programm findet sich unter www.isba.me.

Die International Short Break Association (ISBA) ist ein weltweiter Verbund von Einrichtungen, die Familien mit behinderten Angehörigen unterstützen. ´Short break´ bedeutet sinngemäß so viel wie ´kleine Pause´ (vom Pflegealltag). In Deutschland sind diese Angebote unter dem Begriff „Familienentlastender Dienst“ (FED) bekannt. In England heißen sie „Short Breaks“, im amerikanischen Sprachraum sagt man „Respite Care“. Diese Angebote haben eines gemeinsam: Sie schaffen eine wertvolle Entlastung für Familien, in denen ein Angehöriger mit Behinderung lebt.

Prominente Redner

Verena Bentele ist mehrfache Olympiasiegerin und seit Jahresbeginn die neue Behindertenbeauftragte der Bunderegierung. Sie möchte in Deutschland den Dialog zwischen Regierung und Betroffenen verbessern und zur Umsetzung der Inklusion beitragen. Bentele wird am letzten Tag der 3-tägigen Konferenz eine kurze Rede über ihre persönlichen Erfahrungen und über ihre Beiträge zur Entwicklung inklusiver Angebote in Deutschland halten. Sie wird das Fazit zur 9. ISBA Konferenz in Wolfenbüttel hören und die Ergebnisse, Forderungen und Wünsche der Teilnehmer an die Politik und Gesetzgebung weiter geben. Bentele ist seit Geburt blind.

David Sieveking ist Autor und Filmemacher von "Vergiß mein nicht", einem bewegenden Film und gleichnamigen Buch über seine Erfahrungen mit der Alzheimer-Demenz seiner Mutter. Beim 65. Festival del Film 2012 in Locarno gewann der Film den Kritikerpreis, fand im Kino ein großes Publikum und das Buch wurde zum Bestseller. Sievekings Arbeit zeigt sehr einfühlsam die Auseinandersetzung einer Familie mit der Diagnose Demenz und die Veränderung durch die Erkrankung. In einem kurzen Vortrag spricht Sieveking über seine Erfahrungen mit der dementiellen Erkrankung seiner Mutter.

Marian Harkin ist Mitglied im Europaparlament und als Vize-Koordinatorin des Arbeits- und Sozialausschusses in die europäische Gesetzgebung eingebunden. Harkin ist Präsidentin und Gründungsmitglied der Interessengruppen Freiwilligenarbeit und Pflegende Angehörige im europäischen Parlament. In ihrem Leitvortrag spricht sie über die Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderungen und wie diese immer mehr in den Fokus der europäischen Politik rücken. Marian gibt einen Einblick in ihre Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen auf gesamteuropäischer Ebene, um die UN-Behindertenrechtskonvention in allen europäischen Mitgliedsländern umzusetzen.
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