Anzeige

Abschied von Jürgen Dölz nach 40 Jahren Kommunalpolitik

Jürgen Dölz ist ein politisches Urgestein. Seit 1968 ist er politisch aktiv und war von 1977 bis 1996 Mitglied im Rat der Stadt Braunschweig. Seit 1981 ist er Mitglied im Stadtbezirksrat Westliches Ringgebiet, seit Mai 2010 amtiert er als Bezirksbürgermeister. Bei der Kommunalwahl am 11.09.2016 tritt er nicht mehr an und scheidet aus dem Amt aus. Die SPD hat Annette Johannes als Bezirksbürgermeisterkandidatin nominiert. Über Jürgen Dölz Rückblick und Annette Johannes Ziele als Bezirksbürgermeisterin lesen Sie hier:

Wir am Ringgleis: Herr Dölz, wie sieht eigentlich der Alltag als Bezirksbürgermeister des Westlichen Ringgebietes aus?

Das Westliche Ringgebiet mit ca. 34.000 Einwohnern ist seit vielen Jahren in einem ständigen Entwicklungsprozess im baulichen Bereich. Darüber hinaus ergeben sich durch Mitwirkung der Bürger in den unterschiedlichsten sozialen und kulturellen Bereichen Veränderungen im Zusammenleben in den jeweiligen Quartieren Wilhelmitor, Hohetor und im Petritor.
Dies führt natürlich zu politisch-en Forderungen, und mich erreichen täglich ständig steigende Eingaben und Vorschläge sowie Bürgeranfragen.
Die Anforderungen an den Bezirksbürgermeister umsichtig und helfend zu vermitteln, erfordert einen stark vermehrten Zeitaufwand dieses Ehrenamtes, das zeitweise einer Halbtagsbeschäftigung gleicht.
Dabei sind die vielen Gespräche, Ortsbesichtigungen mit und ohne Verwaltung, die Jubilar-Ehrungen und Geburtstagsehrungen und natürlich Bezirksratssitzungen und die Vorbereitungen dazu, die natürlichsten Aufgaben dieses Amtes.

Wir am Ringgleis: Seit der Gründung der Braunschweiger Stadtbezirksräte 1981 sind Sie Mitglied des Stadtbezirksrates Westliches Ringgebiet. Wie hat sich die Arbeit des Bezirksrates seitdem verändert?
Als ich 1981 in den Bezirksrat gewählt worden bin, war ich bereits Mitglied des Rates, dem ich seit 1977 angehörte. Es entstand eine völlig neue Aufgabenstellung für diesen großen Stadtbezirk, die in den Folgejahren erst Gestalt annahm. Von einfachen Beschlüssen von Grünflächenausweisung bis zur Bankaufstellung entwickelten sich die Zuständigkeiten langsam und beharrlich. Eine vor Jahren stattfindende neue Gesetzgebung befähigte den Bezirksrat nun auch zu einem Entscheidungsgremium mit einem finanziellen Budget. Mit den Haushaltsansätzen des Budgets entwickelte sich eine direkte finanzielle Umsetzung von Maßnahmen in den Quartieren des Westlichen Ringgebietes. Und mit den Zuwendungen und Zuschüssen an die Institutionen und Vereine, wurden die Aufgaben des Bezirksrates deutlicher gestärkt. Die Bürger erkannten die politische Möglichkeit, hier Einfluss zu nehmen. Die Bürgersprechstunde wurde immer mehr von Bürgerinitiativen und Einzelinteressen der Bürger geprägt. In dieser Gemengelage ist der unmittelbare Einfluss von mehr Bürgerbeteiligung zu spüren.

Wir am Ringgleis: Es hat sich auch viel in den letzten Jahren getan. Im Jahr 2001 wurde der Süden des Westlichen Ringgebietes (ab dem Madamenweg) Sanierungsgebiet. Was ist Ihnen besonders positiv in Erinnerung?

In den letzten 15 Jahren hat sich in Teilen des Westlichen Ringgebietes ein gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Strukturwandel vollzogen. Von leer stehenden Fabrikbrachen hin zu sanierten Gewerbebereichen, von Sanierungen von Mietwohnungen in Altgebäuden bis hin zu Neubaugebieten. Über Straßenerneuerungen und Ausbau von Grünbereichen, der Neugestaltung des Westbahnhofes, Sanierungen und Neubauten von Spielplätzen (15 neue bis heute) prägte die Arbeit des Bezirksrates. Das Ringgleis war eines der herausragendsten Projekte meiner Amtszeit. Ich bin immer noch beeindruckt von dem Engagement der Menschen im Bezirk, die in guter Nachbarschaftshilfe, in Netzwerken mit der Stadtteilkonferenz und dem Sanierungsrat Ideen und Anregungen zur Gestaltung des Quartiers einbringen. Die Errichtung des Einkaufszentrums Weißes Roß sowie die Neubebauung des Buchler-Geländes an der Frankfurter Straße und die Sanierung der Roggenmühle sind aus meiner Sicht Höhepunkte des Städtebaues. Das alles macht mich sehr zufrieden.

Wir am Ringgleis: Dennoch ist viel zu tun. Was wünschen Sie sich für das Westliche Ringgebiet in Zukunft?

Die Zukunft im Westlichen Ringgebiet stelle ich mir so vor: Die kulturelle Vielfalt im „Kiezgebiet“ Soziale Stadt ist zu erhalten, zumal das Wohnen und die Mieten dort derzeit erschwinglich sind. Es muss ein Weg gefunden werden, der das bezahlbare Wohnen im ganzen Westlichen Ringgebiet ermöglicht. Die derzeit beabsichtigten Baugebiete sollen so konzipiert werden, dass Alt und Jung in einem positiven Miteinander dort wohnen können. Eine gute Infrastruktur ist zu beachten. Die Neugestaltung des Krankenhausgeländes Holwedestraße und der Bereich Neuordnung Gefängnis Rennelberg, ergeben die Chance alternatives Wohnen, gemeinschaftliches Wohnen, auch im Alter zu verwirklichen. Mein Wunsch ist mehr Grün zwischen den Wohnblöcken zu erhalten und keine Hinterhof-Verdichtung mehr zuzulassen.
Die Lärmentwicklung im Bereich des Ringes ist u.a. durch kluge Verkehrsmaßnahmen zu vermindern. Mein Wunsch ist auch, dass die Menschen von dem bisherigen Nebeneinander zu einem guten Miteinander finden.

Wir am Ringgleis: Frau Johannes, welche Ziele verfolgen Sie als Bezirksbürgermeisterkandidatin der SPD?

Eine meiner Zielvorstellungen ist es, dass vor Ort jede/r Bürger*Innen sich den Wohnraum leisten kann, den er/sie braucht und der zu bezahlen ist. Ich halte es für dringend erforderlich, dass es ein Kontingent an preiswertem Wohnungsbau in Neubaugebieten geben muss. Hierzu gehört aber auch eine zeitgemäße/innovative Verkehrsplanung.

Wir am Ringgleis: Was ist Ihnen, Frau Johannes, außerdem noch wichtig?

Wir sind ein sehr lebendiger, kreativer Stadtteil. Es ist ein großer Wunsch von mir, dass man den , die zu uns kommen werden, freundlich begegnet, mitnimmt in unsere Kultur und ihnen unsere Grundwerte erklärt. Gegenseitiger Respekt und Verständnis macht ein gemeinsames miteinander aus.
Ganz wichtig ist vor allem, dass auch nach 2017 weiterhin Förderprogramme für unseren Stadtteil geben muss – vergleichbar mit dem Förderprogramm „Soziale Stadt“. Wir dürfen nicht zusehen, wie aufgebaute Strukturen/Netzwerke durch fehlende Finanzierungskonzepte auseinanderbrechen.

Die Fragen stellte Stefan Hillger für die SPD-Fraktion im Stadtbezirksrat 310/Westliches Ringgebiet.

Hier finden Sie weitere Informationen:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.