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200 Teilnehmer aus 14 europäischen Ländern in Kreisau/Polen

Die 200 Teilnehmer aus 14 Ländern bei der Europakonferenz in Kreisau/Polen vor der Tagungsstätte. Foto: Mechthild vom Büchel (Pressereferentin des IBB Dortmund) (Foto: Mechthild vom Büchel)
 
Paul Koch (links) mit einem spanischen Aktivisten am Rande der Europakopngferenz inm Kreisau/Polen
Kiel: Bildungsstätte | Die derzeitige Tragödie in der Ukraine beschäftigt das Tschernobyl-Netzwerk - Atomenergie-Experte Mycle Schneider zu Gast auf der IBB-Partnerschaftskonferenz in Polen

"Geplante AKW-Neubauten sind Luftschlösser", so Mycle Schneider

Kreisau/ Krzyzowa. "Projekte für neue Atomkraftwerke in Belarus, Großbritannien, Polen und in der Türkei haben kaum realistische Chancen auf Umsetzung. Luftschlösser haben noch nie Strom produziert. Und die Erneuerbaren sind weltweit zu unerbittlichen Konkurrenten geworden", sagte Mycle Schneider. Der in Paris lebende Energie- und Atomexperte ist Herausgeber des jährlichen World Nuclear Industry Status Reports und Träger des Alternativen Nobelpreises. Er diskutierte am Samstag, 25. Oktober 2014, mit rund 200 Zuhörern aus 14 Ländern im polnischen Kreisau/Krzyzowa.

An der Partnerschaftstagung - organisiert vom IBB Dortmund – nahm auch Paul Koch, als IBB-Projektreferent der „Europäischen Aktionswochen für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima/ Region Braunschweig“ teil. Die Konferenz thematisierte neben der Erinnerung an die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima auch die Erhaltung des Friedens in Europa.

Das IBB arbeitet seit vielen Jahren eng mit den Liquidatoren von Tschernobyl zusammen. Als Zeitzeugen halten sie in Aktionswochen die Erinnerung wach an die bis heute spürbaren Folgen der Reaktorkatastrophen. „Viele unserer Mitmenschen erleben eine Tragödie“, berichtete Anatolij Gubarev, Sprecher des Staatlichen Charkiwer Tschernobyl-Verbandes Sojus. „Wir haben mehr als 10 000 Tote, mehr als 60 000 Verletzte und schätzungsweise 440 000 Menschen, die durch die bitteren Erfahrungen des Konfliktes traumatisiert sind“, ergänzte Ivan Volchansky. Zudem seien an die 500 000 Umsiedler auf der Suche nach einer neuen Heimat. In den umkämpften Gebieten der Ostukraine seien viele Schulen und Krankenhäuser zerstört. Viele Rentner erhielten seit Monaten kein Geld. Die Versorgung mit lebenswichtigen Medikamenten sei unterbrochen. Und Anatolij Gubarev ergänzte: „Wir machen uns große Sorgen, dass in naher Zukunft auf die menschliche auch eine ökologische Tragödie folgt.“

„Diese gewaltsamen Auseinandersetzungen haben mit unserer Vorstellung von einem gemeinsamen Haus Europa nichts zu tun“, sagte Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB Dortmund, auf der Zusammenkunft. Ein Friedensappell und eine gemeinsame Gedenkreise von Menschen aus West- und Osteuropa zum Vernichtungsort Trostenez in Belarus im Mai 2015 setzen ein Zeichen der Versöhnung „gegen die destruktive Logik des Krieges“.

Rund 200 Vertreter von Tschernobyl-Initiativen aus 14 Ländern hatten zuvor eine überaus positive Bilanz gezogen nach den Europäischen Aktionswochen “Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ im Frühjahr 2014. In der Türkei (Vereinigung Yeşil Düşünce Derneği) und in Japan (Friends of the Earth) haben sich lokale Bürgermeister-Netzwerke gegen Atomenergie und eine japanisch-türkische Brücke der Solidarität gegründet. Die Aktiven von der Organisation EkoRozwoju in Polen begrüßten den japanischen Ex-Premierminister Naoto Kan bei einer Aktion als Unterstützer. Doch bei aller positiven Resonanz äußerten viele Partnerorganisationen auch große Sorge über aktuelle Pläne zum Neubau von Atomkraftwerken am Atlantik in Großbritan-nien, an der Ostsee in Polen und am Schwarzen Meer in der Türkei.

„Wir möchten diese Welt besser machen und wir wollen mit einer Stimme sprechen“, sagte Linda Walker, Sprecherin des Internationalen Netzwerks. Mit Zeitzeugengesprächen und Kerzenak-tionen erinnert die Mitglieder im Netzwerk jedes Jahr an die Reaktorkatastrophen in Tschernobyl und Fukushima. Im Mittelpunkt der Konferenz standen Vorbereitungen auf den 30. bzw. fünften Jahrestag der Reaktorkatastrophen im Jahr 2016.

Die Partnerschaftskonferenz wurde gefördert durch das Auswärtige Amt und die Stiftung West-Östliche Begegnungen.

Über die Europäischen Aktionswochen
„Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“

Die Europäischen Aktionswochen „Für eine Zukunft nach Tschernobyl und Fukushima“ sind ein Projekt des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks in Dortmund (IBB Dortmund) und zahlreicher Partner aus der Tschernobyl- und Umweltbewegung in Europa und der Türkei. Im Mittelpunkt stehen Gespräche mit Zeitzeugen aus der Ukraine, Belarus und Japan. Rund um die Jahrestage der Reaktorkatastrophe von Fukushima (11. März 2011) und von Tschernobyl (26. April 1986) planen die Partner Zeitzeugengespräche, Informationsveranstaltungen und Kerzenaktionen zum Gedenken an alle Menschen, die von der Verstrahlung betroffen sind. Gefördert werden die Europäischen Aktionswochen unter anderem von der Evangelischen Kirche von Westfalen und weiteren Unterstützern. Weitere Informationen unter www.ibb-d.de.

Über das IBB Dortmund:

Grenzen überwinden – das ist der Leitgedanke des Internationalen Bildungs- und Begegnungs-werks in Dortmund seit seiner Gründung in 1986. Dabei geht es nicht nur um Ländergrenzen, sondern auch um die Grenzen im eigenen Wissen und Verstehen. In jährlich mehr als 100 Studienfahrten, Trainings und Jugendbegegnungen ist das „Lernen aus der Vergangenheit für eine gemeinsame Zukunft in Europa“ zentral. Belarus bildet dabei einen besonderen Schwer-punkt. In Minsk baute das IBB Dortmund zusammen mit belarussischen Partnern die Interna-tionale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“, in der heute regelmäßig etwa 1000 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden.

(Eine Presseinformation des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks in Dortmund; Mechthild vom Büchel -Pressereferentin des IBB Dortmund)
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1 Kommentar
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Paul Koch aus Schöppenstedt | 02.11.2014 | 13:30  
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