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Erinnerungsbilder einer Generation

Nele Brökelmann und Davor Subaric kamen zur Eröffnung ihrer Gemeinschaftsausstellung nach Braunschweig. Foto: André Pause
Braunschweig: Gedenkstätte Schillstraße |

Junge Künstler zeigen bis zum 15. Mai Arbeiten in der Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße.

Von André Pause, 05.05.2015.
Braunschweig. Erster Schritt: Die in den Niederlanden lebenden bildenden Künstler Nele Brökelmann, Davor Subaric und Naama Zusman interessieren sich für das Werk der jeweils anderen. Zweiter Schritt: Für die Gemeinschaftsausstellung „Wir sind unschuldig!“ fügen sie ausgewählte Arbeiten, die sich auf sehr unterschiedliche Weise den Formen des Erinnerns widmen, zu einem möglichen generationsspezifischen Gesamtbild.

Die bis zum 15. Mai in der Gedenkstätte KZ-Außenlager Schillstraße laufende Ausstellung bildet den Rahmen zum „Gespräch der Generationen“, einem Treffen der letzten Zeitzeugen sowie deren Angehörigen anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung der nationalsozialistischen Lager.
Die künstlerischen Arbeiten befassen sich mit Machtstrukturen im weiteren Sinne. Brökelmann nähert sich der Erinnerung bevorzugt via Film und Fotografie, geht den Strukturen in der Gesellschaft, der Autoritätsgläubigkeit und den Fragen der Gruppendynamik nach. Ihr „In Perpetuum“ ist eine nachgestellte monothematische Nachrichtensendung („8 Uhr Report“) zur Siedlungspolitik in Israel. Mit „Es ist wie es ist“ bebildert sie eine stasi-eske Verhörsituation. Eine Gruppe junger Menschen sitzt, von Klemmlampen angestrahlt, an Befragungspulten. Für Brökelmann ein durchaus desillusionierendes Szenario: „Eigentlich sind die, die alles anders machen wollten, schon im System, aus dem sie vorhatten zu flüchten.“

Wohin es führen kann, wenn die Anpassung allzu bereitwillig vollzogen wird, zeigt der aus einer kroatischen Familie stammende Davor Subaric. Seine monumentalen Kohlezeichnungen skizzieren den Status Quo einer auseinanderfallenden Welt: Kriegsfolgen, Verwüstung. Auch diese Arbeiten („The Perfect Machine“ und „The Maladroit‘s Diversion“) befragen den Menschen und seine Natur, anders als bei Brökelmann sind bei Subaric die Fakten jedoch schon geschaffen worden. Ein zurück ist nicht mehr möglich, weshalb die Lars-von-Trier-Ästhetik des Untergangs hier fast schon wieder Mut macht. Die Utopie als Wunschtraum oder fiktive Gesellschaftsordnung ist zumindest nicht ausgeschlossen. „Es ist, was es ist. Was immer die Leute darin sehen“, meint der Künstler, und schiebt nach: „Ein wenig zynisch sind die Motive wohl schon.“

Naama Zusman, die in Haifa/ Israel geborene dritte Künstlerin der Ausstellung, interessiert sich für bauliche Überreste und vorherrschende Geschichtsdeutungen. Mit „Je me Souviens“ sucht sie nach ungeschriebenen Geschichten und Mythen. Ihre Postkarten von Ehrenmalen verleihen der Erinnerung eine in diesem Zusammenhang beinahe verstörend zärtliche Note.
Weitere Infos und Öffnungszeiten unter www.schillstrasse.de.
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