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Die Geschichte als Teil des Porträts

Motiv aus der Serie „Waiting“ (2009-2012) Foto: oh
Braunschweig: Museum für Photographie |

„The Alphabet of Shared Words“ von Jana Romanova ist im Museum für Photographie zu sehen.

Von André Pause, 21.03.2015.

Braunschweig. Irgendwie, dieser Eindruck vermittelt sich mit ihren Arbeiten, die bis zum 3. Mai in den Torhäusern des Museums für Photographie zu sehen sind, landet die St. Petersburgerin Jana Romanova (Jahrgang 1984) immer wieder beim Menschen.

Gut, sie arbeitet im Format Porträt, da bleibt das nicht aus, könnte man meinen. Was die Fotografin jedoch im Bild mitliefert, ist eine – mitunter recht aufwendige – Art der Hinführung zum Motiv. Sie gibt den Begleitumständen Raum. So sind die abgebildeten Personen zwar immer Menschen, zugleich aber auch Protagonisten einer Geschichte, die erzählt werden will. Das braucht und bedingt sich hier.
Die Fotografien der Serie „Waiting“ beispielsweise zeigen in der Sowjetunion geborene Paare, die nun ihrerseits Eltern werden – im Schlaf. Drei Jahre lang, von 2009 bis 2012 hat Romanova aus der Vogelperspektive die zwischenmenschliche Beziehung im postsozialistischen Traum dokumentiert. 40 Paare insgesamt. „Alle um mich herum waren im Begriff, Eltern zu werden. Sämtliche Gespräche drehten sich plötzlich nur noch um Wohnungen und Dinge, die für das Kind angeschafft werden müssen“, erzählt die Künstlerin, „vorher ging es nur um Biertrinken und Trampen.“ Sie beschreibt die Arbeit als Therapie, um selbst mit diesem Wandel klarzukommen. Die Draufsicht in erhabener Position mit Sicherheitsabstand zur Situation spiegelt zum einen die Erweiterung des Sichtfeldes und die Ausweitung des Erfahrungshorizontes der werdenden Eltern wieder. Zugleich dokumentiert sie aber auch einen Schwebezustand sowie das klar eingegrenzte Feld gesellschaftlicher Perspektiven, was auch die eher spärlich eingerichteten Wohnungen der Paare belegen.
In der titelgebenden Arbeit „The Alphabet of Shared Words“ hat Romanova auf dem Maidan Beteiligte unterschiedlicher politischer Couleur nach Begriffen gefragt, die in der russischen und ukrainischen Sprache gleich lauten und ihren Akteuren die Aufgabe gegeben, die Worte in einem Porträt als Sprachbild vorzustellen. Obwohl Romanova betont, dass sie Politik auf einem höheren Level für ihre Arbeit nicht sonderlich interessiere, gelingt es ihr, mit den fünfzehn Bildern dieser Serie Politik im Kleinen zu machen, indem sie Kontrahenten die Gemeinsamkeiten der Sprache und der Kultur hervorheben lässt.
Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 3. Mai dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro, ermäßigt einen Euro. Regelmäßige Führungen gibt es sonntags um 16 Uhr. Ein Künstlergespräch mit Jana Romanova ist derzeit für den 9. April um 19 Uhr terminiert.
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