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Christa Zeißig "Neuland" im Museum für Photographie in Braunschweig

  Braunschweig: Museum für Photographie |

Seit dem 14.11.2013 zeigt das Museum für Photographie eine umfangreiche Ausstellung zum Werk von Christa Zeißig.

Die Wolfenbüttler Künstlerin, zeigt in ihrer aktuellen Ausstellung "Neuland" zwei große Werkreihen, die auf den ersten Blick so unterschiedlich wirken wie Tag und Nacht, sich mit der Zeit aber immer mehr zu einem Ganzen verschränken.

"Europa: Über Dörfer" - Schwarz-Weiß, analog fotografiert, fokussiert die Menschen, subjektiver Blick.
"Neuland" - farbige Bilder, digital aufgenommen, Landschaften, neutraler geht nicht.

An dieser Stelle merkt man schon, dass diese Künstlerin permanent auf der Suche zu sein scheint und es ist ein spannendes Erlebnis ihrem Interesse im Laufe der durchweg wohl komponierten Bilder so langsam auf die Spur zu kommen.

Was die beiden Arbeiten formal zusammenhält ist die Größe ihrer Abzüge - alles 30 x 40 cm. Nichts besonders hervorgehoben - das macht der Betrachter schon selbst. Volles Vertrauen in die Bilder.

"Europa: über Dörfer" zieht sich in zwei Reihen übereinander durch die Räumlichkeiten des Museums. Sie zeigt über filmisch wirkende Einstiege das Leben der Menschen in ländlichen Regionen Europas. Dabei tauchen bestimmte Motive wie die Musiker, die Hochzeit und die Religion immer wieder auf und fügen die Arbeit zusammen.
Zeißig ist über Jahre hinweg auf zahlreiche Reisen in die Länder Europas gegangen, ist an Orte zurückgekehrt, hat gesellschaftliche und soziale Zusammenhänge kennengelernt und fotografiert, um jetzt für die Ausstellung zusammen mit der Kuratorin Gisela Parak eine Essenz ihres umfangreichen Archivs auszuwählen.
Dass die Künstlerin so einige Angaben über ihre Person zurückhält scheint programmatisch, wenn man sich "Europa: über Dörfer" anschaut - Die Bilder, auf analogem Schwarz-Weiß-Film aufgenommen, geben keinen klaren Aufschluss über die Zeit ihrer Aufnahme - was wir sehen könnten auch die 50er Jahre sein. Das technisiert-städtische Bild, mit dem viele von uns aufgewachsen sind, findet sich in diesem Blick auf Europa nicht wieder und wird überwältigt von dem Entstehungszeitraum der Arbeit: 2002 bis 2011.

Im Komplex von "Neuland", der seit 2011 entsteht und noch nicht abgeschlossen ist, zeigt uns Christa Zeißig eine andere Wahrnehmung ihres suchenden Auges. Wir sehen uns mit Landschaftsbildern konfrontiert in die sich der Mensch mit Architektur, Infrastruktur, Plantagen oder zurückgelassenen Dingen eingeschrieben hat, allerdings nie selbst in Erscheinung tritt.
Ihr nüchterner Blick zusammen mit ihrem kompositorischen Geschick verleihen den Arbeiten eine poetische Ironie. Zeißig schafft es nämlich die Irritationen die sie in den Landschaften wahrnimmt wie selbstverständlich erscheinen zu lassen und fordert den Betrachter damit heraus.
Durch das gradlinige Nacheinander der Bilder in einer Reihe kann man das Gefühl bekommen zusammen mit der Fotografin auf Reisen zu sein.
Während "Europa: über Dörfer" in jedem Raum durch jeweils ein Land repräsentiert wird, wirkt "Neuland" eher über die Bildinhalte als über Ländergrenzen komponiert, wie man dem für die Ausstellung erschienenen Katalog entnehmen kann.

Was Christa Zeißig uns mit dieser Ausstellung zeigt ist eine spannende Expedition durch Europa und da die Räume des Museums keine klare Reihenfolge durch die Ausstellung vorgeben, kann sich hier jeder noch einmal auf eine ganz eigene Expedition machen.
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