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„Der Meisterbrief muss erhalten bleiben“ - Kreishandwerkerschaft SON traf sich zur Jahresversammlung

Die beiden Geschäftsführer Michael Wolff (rechts) und Uwe Zinkler (von links) mit den Kreishandwerksmeistern Maik Bartels, Gerhard Kunze und Jürgen Wolf bei der Jahresversammlung der Kreishandwerkerschaft Süd-Ost-Niedersachsen.
Salzgitter: Hotel am See |

Der Zuwachs an Kleinstbetrieben bereitet der Kreishandwerkerschaft Süd-Ost-Niedersachsen Sorgen. Die Zahl dieser „zulassungsfreien Vollhandwerke“, die meist nur Ein-Mann-Betriebe seien, stieg im Bereich der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade um knapp 6 Prozent auf 653. Überproportional war der Zuwachs in Salzgitter mit 21 Prozent auf jetzt 189 Betriebe.
„Sie bilden nicht aus und verschwinden oft schnell wieder vom Markt – das Nachsehen hat dann der Kunde“, berichtete Geschäftsführer Uwe Zinkler in der Jahresversammlung der Kreishandwerkerschaft. Zu der begrüßte Kreishandwerksmeister Gerhard Kunze (Salzgitter) im Namen seiner Kollegen Jürgen Wolf (Goslar) und Maik Bartels (Wolfenbüttel) die Obermeister von 21 Innungen im Hotel am See in Salzgitter-Lebenstedt.
Erfreut erwähnte Zinkler in seinem Jahresbericht, dass sich der Bundestag (bei Enthaltung der Linken) einmütig für eine Stärkung des Systems der Berufe mit Meister-Qualifikation ausgesprochen habe. Der Meisterbrief, den die Europäische Kommission als Wettbewerbshemmnis ansieht, gehöre zu den rechtlichen Gestaltungsmitteln, die jedes Mitglied der Europäischen Union allein erlassen solle.
Der Bundestag sehe den deutschen Meisterbrief als „erfolgreiche Unternehmerqualifizierung, Basis für handwerkliche Qualität“ und dessen besondere Bedeutung für die duale Berufsausbildung. Zinkler könne die Politik allerdings nicht nur loben. Er erwähnte beispielsweise die bürokratischen Regelungen, mit denen jeder Handwerker die Einhaltung des Mindestlohnes dokumentieren muss. „Der Zoll wird auch bei Ihnen früher oder später anklopfen, und diese Dokumentation überprüfen“, mahnte Zinkler die Handwerksmeister.
Zudem befürchtet die Kreishandwerkerschaft, dass die in Goslar geplante Tourismus-Abgabe zu einer zweiten Gewerbesteuer werden könnte. Und das, so Zinkler, nicht nur in Städten und Gemeinden mit Angeboten im Kurbetrieb und Fremdenverkehr wie im Harz. Immerhin habe der Ministerpräsident zugesagt, dass vor einer Erhebung der Abgabe geprüft werden müsse, inwieweit die Betriebe vom Tourismus überhaupt profitieren.
Mit dem Internetportal „www.ausbildungsnetz38.de“ beschäftigte sich der Geschäftsführer Michael Wolff in seinem Teil des Jahresberichts. „Unter dem Motto ,Experten für die Schulen' haben dabei auch unsere Meister und Ausbilder die Möglichkeit, in den Klassen über die Ausbildungsinhalte im Handwerk zu informieren“, erklärte Wolff. Diese Form der Nachwuchswerbung sei in Wolfenbüttel und Goslar sehr erfolgreich.
Wolff wie Kreishandwerksmeister Kunze bedauerten, dass dies in Salzgitter nicht möglich sei. Hier konzentriere sich auch die Berufsinformation der Schulen schwerpunktmäßig auf die Ausbildungsangebote bei den „Big Five“, den fünf großen Industriebetrieben der Stadt.
Mit Sorge blickte Michael Wolff auf die Entwicklung in den Berufsbildenden Schulen (BBS). Vielerorts seien diese gezwungen, verschiedene Ausbildungs-Jahrgänge eines Berufs in einer Klasse zusammenzufassen. „Wir nehmen das aber eher hin als die Ausbildung in auswärtigen Schulen“, so Wolff. Die Innungen werden künftig mit ihren Prüfungsausschüssen auch auswärtig beschulte Auszubildende prüfen.
Derzeit sei die finanzielle Lage indes in Ordnung, führte Geschäftsführer Michael Wolff weiter aus. Auch für 2015 legte die Geschäftsführung einen ausgeglichenen Haushalts-Entwurf ohne Beitragserhöhungen vor, der einstimmig genehmigt wurde.
Erstmals als Hauptgeschäftsführer überbrachte Eckhard Sudmeyer die Grüße der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. „Für uns bleibt der kurze Draht zu den Innungen wichtig“, betonte Sudmeyer. Er lehnte unter anderem die Fremdenverkehrsabgabe ab. Mit Blick auf den erwarteten Fachkräftemangel berichtete er von diversen Aktivitäten der Landesregierung. Ein Ansatz:Die Berufsabschlüsse der Flüchtlinge sollten auf ihre Vergleichbarkeit mit deutschen Vorgaben geprüft werden.

Fakten:
Die Kreishandwerkerschaft Süd-Ost-Niedersachsen vertrat 2014 insgesamt 29 Innungen in den Landkreisen Goslar (229 Mitgliedsbetriebe) und Wolfenbüttel (278) sowie der Stadt Salzgitter (130). Dazu kommen 92 Betriebe in drei kreisübergreifenden Innungen, so dass die Kreishandwerkerschaft 729 Mitglieder hat.
In der Jahresrechnung standen 2014 Einnahmen in Höhe von etwa 670000 Euro Ausgaben von etwa 606 000 Euro gegenüber.
In der Lehrstellenbilanz verzeichnet die Kreishandwerkerschaft 606 neue Lehrverträge, 29 weniger als 2013. Bei den Freisprechungsfeiern der Innungen erhielten 387 erfolgreiche Prüflinge den Gesellenbrief.
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