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„Mein Ehrenamt ist zur Berufung geworden“

Mit ihrem Team der Helmstedter Tafel versorgt Nadine Kummert (vierte von links) mehr als 1000 Bedürftige mit Lebensmitteln. Foto: Privat

Ehrenamt bei der Helmstedter Tafel – Nadine Kummert und Team setzen sich für sozial schwächere Menschen ein.

Von Maria Lüer, 23.06.2017.


Helmstedt. Ob in Vereinen oder den verschiedensten Organisationen: Ehrenamtliche Mitarbeiter sind überall und ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Und das obwohl ihr wahrer Wert manchmal gar nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist.

Für bedürftige Menschen setzt sich Nadine Kummert schon länger ein. Für ihre Tätigkeit in der Tafel hat die Vorsitzende der Helmstedter Tafel zusammen mit ihrem Team den Gemeinsampreis für Verdienste im Ehrenamt gewonnen (wir berichteten). Im Interview erzählt Kummert, was es bedeutet, sich für andere einzusetzen.


?Wie sind Sie zum Ehrenamt gekommen?

!Ich bin Postbeamtin und aus gesundheitlichen Gründen in den Vorruhestand versetzt worden. Somit hatte ich viel Zeit, die ich sinnvoll nutzen wollte. Der Mensch braucht schließlich eine Aufgabe. Als vor etwa neun Jahren in Helmstedt die Tafel eröffnet hat – ich habe schon immer mit Menschen gearbeitet und das Konzept hat mir gefallen – habe ich erst stundenweise geholfen und mit der Zeit immer mehr Aufgaben übernommen.
Für mich ist mein Ehrenamt mittlerweile zu einer Berufung geworden, Lebensmittel vor dem Müll zu retten. Und wenn man damit sozial schwächere Menschen unterstützen kann, umso besser.

?Was sind Ihre Gründe und Ihre Motivation für ein Ehrenamt?

!Für mich ist mein Ehrenamt mein Hobby. Ich bin finanziell abgesichert. Einige meiner Kollegen sind zum Beispiel motiviert, weil sie Zeit haben, da sie keine andere Arbeit bekommen.

?Warum sollten sich alle Menschen engagieren?

!Es ist nicht immer möglich, sich zu engagieren. Die Arbeit bei der Tafel ist sehr zeitintensiv. Das können also nur Menschen machen, die nicht im Berufsleben stehen.

?Wie würde unsere Gesellschaft ohne Ehrenamt aussehen?

!Wenn es in Deutschland das Ehrenamt nicht gäbe, wäre das System schon zusammengebrochen. Mittlerweile ist es nicht nur der Fußballtrainer, der nachmittags mit seinen Kindern auf dem Platz steht – Engagement zieht sich durch alle Berufe. Ich finde Ehrenamt gut, solange es ein Hobby bleibt. Meiner Meinung nach sollten Berufe nicht durch das Ehrenamt ersetzt werden.

?Die Helmstedter Tafel hat mehrere Helfer. Gibt es Fähigkeiten, die man braucht, um bei Ihnen mitzuarbeiten?

!Für die Arbeit bei der Tafel braucht man vor allem viel Zeit. Außerdem ist die Arbeit körperlich sehr anstrengend. Die Hemmschwelle, verdorbene Lebensmitte anzufassen, sollte nicht zu groß sein. Manche Lebensmittel müssen probiert werden, ob sie noch genießbar sind. Denn das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nur eine Richtlinie. Die meisten Lebensmittel sind auch noch lange danach einwandfrei. Das kann man übrigens auch im privaten Haushalt berücksichtigen.
Wenn man sich bei uns einsetzten möchte, dann wäre vielleicht ebenfalls ein Führerschein von Vorteil. Denn wir müssen die gespendeten Lebensmittel von den Supermärkten abholen. Im Laden sortieren wir sie dann. Anschließend wird die Ware an die Kunden ausgegeben.

?Viele fragen: „Was bringt mir das Ehrenamt?“ und „Schaffe ich das überhaupt bei meiner knappen Zeit?“. Wie viel Aufwand macht denn die Arbeit bei der Helmstedter Tafel?

!Auf sich achten, das muss jeder selbst. Mit der Tafel könnte man sich 24 Stunden lang beschäftigen. Manchmal muss man da einfach auch klare Grenzen setzen.

?Welchen persönlichen Gewinn ziehen Sie aus Ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit?

!Ob jemand ein Ehrenamt ausübt, das muss jeder selbst entscheiden. Für meine Kollegen und mich ist es nicht nur die Hilfe für andere Menschen. Wir kommen von zu Hause raus, können uns untereinander austauschen und haben eine Aufgabe.


Kennen auch Sie jemanden, der ein besonderes Ehrenamt ausübt? Oder sind Sie selbst in einer Einrichtung oder einem Verein besonders engagiert? Dann melden Sie sich gerne per E-Mail an redaktion@neue-helmstedter.de.
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