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Barrierefreiheit

  Helmstedt: Markt | Randnotiz zur Barrierefreiheit
Im Zusammenhang mit der Ausrichtung des ersten Treffens von Verkehrsexperten zum Thema „Elterntaxi“ im großen Sitzungssaal der Stadt Helmstedt war ich als Mitorganisator stark motiviert der Veranstaltung beizuwohnen. Im Vorjahr hatte ich Einladungen zu Empfängen nicht wahrgenommen, da mir bewusst war, dass es schwierig ist diesen öffentlichen Versammlungsort als Rollstuhlfahrer zu erreichen. Nachdem ich die Zusage der Polizei hatte, dass ich notfalls getragen werde, wagte ich die praktische Überprüfung der Barrierefreiheit. Auf dem Marktplatz ging es gut an, unmittelbar vor dem Zugang zum Rathaus ist ein neuer Behindertenparkplatz angelegt, der einen Plattenweg für Rollstühle / Rollatoren pp angelegt. Im Bereich des Bürgerbüros ist eine Behindertentoilette vorhanden. Dann ging es daran den Aufstieg in die dritte Etage zu realisieren. Da das Treppenhaus auch die Kraft von Begleitpersonen (ohne Rollstuhl ist ein Kampfgewicht von 110 kg zu berücksichtigen). Also wurde der Versuch gestartet, die Höhe im Fahrstuhl zu bewältigen. Dieses Gerät ist aber offensichtlich nur für einzelne Aktenträger ausgelegt. Mit dem Fahrstuhl konnte ich zwar in die Kabine einfahren, aber dann ging die Tür nicht zu. Zur Lösung musste ich den Fahrstuhl verlassen und mich in der Kabine (ohne Griffe) festkrallen. Der Rollstuhl konnte zusammengeklappt nachgeschoben werden und auch ein Helfer passte gerade noch zusätzlich in die Kabine. Ein Umfallen war so wohl nicht mehr möglich. Dennoch ist eine häufige Wiederholung dieser Aktion nicht zu empfehlen. Nun war lediglich noch eine Treppe zwischen Neu- und Altbau zu überwinden. Auch hier musste der Rollstuhl verlassen werden und ein Helfer musste mich und den Rollstuhl hinunterschaffen. Ich bin lediglich einer der 8.147 Schwerbehinderten, die es im Landkreis Helmstedt gibt. Um diesen Menschen eine Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen, ist eine Barrierefreiheit an bedeutsamen Orten erforderlich.
Als Kreisverkehrswacht Helmstedt e.V. haben wir in der Vergangenheit viele Aktionen genutzt, um Eigentümer von Geschäften und Lokalen und die Vertreter von Behörden zu motivieren, für mehr Barrierefreiheit zu sorgen. Die Fortschritte auf diesem Gebiet sind allerdings eher sehr gering. Beispielsweise hat die Kreisverkehrswacht Helmstedt bei den 6 Fahrradmessen, die sie mit Partnern auf dem Marktplatz von 1996 bis 2002 ausrichtete, immer auch einen Schwerpunkt auf Fahrzeuge für Menschen mit Behinderung und die Barrierefreiheit vorgestellt. So wurde beispielsweise den Politikern angeboten mit einem Rollstuhl Geschäfte, Gaststätten und ihre Behörden aufzusuchen, um Probleme aus erster Hand zu „erfahren“. Schade dass es nach zwanzig Jahren immer noch zu dem vorn geschilderten Erleben führte. Ein anderes negatives Beispiel ist die Kreisvolkshorchschule im Juleumskomplex; eine Einrichtung, die einfach von den Treppenhäusern dominiert wird.
Aufgrund der Berichterstattung gegenüber der Stadtverwaltung (16.01.17), gab es spontane Rückmeldungen. Der Regiosprecher der Beiräte mit Behinderung im Braunschweiger Land, Peter Gläser, bat darum von der Berichterstattung mit gegenseitigen Schuldvorwürfen abzugehen. Zeitnah sollte die Verkehrswacht den Entschluss fassen, viele Dinge gemeinsam auf den Weg zu bringen! Eine Ehefrau aus Helmstedt, die Erfahrungen mit ihrem auf den Rollstuhl angewiesenen Ehemann einbringen kann, schrieb folgenden Kommentar: „Ich finde es super, dass Sie dieses Thema immer wieder ansprechen. Und wie recht Sie haben. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass sich auch Arztpraxen mit dem „Aushängeschild“ der Barrierefreiheit schmücken. Wenn man es dann allerdings näher betrachtet, sind Räume zu eng und bieten keine Wendemöglichkeit, Liegen sind nicht höhenverstellbar oder man kommt gar nicht erst in die Eingangstür (zumindest nicht als Rollstuhlfahrer allein), denn den Rollstuhl antreiben und mit der anderen Tür den Rollstuhl antreiben und mit der anderen Hand die Tür aufhalten, ist nicht möglich.
Gott sei Dank haben wir da aber die Erfahrung gemacht, dass Menschen sehr hilfsbereit sind, wenn man sie anspricht. Es müssen nur welche im richtigen Moment da sein“

Archivfotos der Kreisverkehrswacht : Vorführung von Fahrzeugen für außergewöhnlich Gehbehinderte während der 2. Helmstedter Fahrradmesse am 27.06.1997. Es wurde intensiv über fehlende Barrierefreiheit berichtet.
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