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Pfingsten: In Räbke klappert die Mühle

Klaus Röhr und Simone Köpnick vom Räbker Förderverein Mühle Liesebach sowie Marcus Wagner und Kai Großheim vom Geschäftsbereich Bauaufsicht, Denkmal- und Immissionsschutz Landkreis Helmstedt (von links) setzen sich für den Erhalt der Räbker Mühle Liesebach ein. Fotos (4): Lüer
 
Die hiesige Mühle Liesebach wurde im Jahre 1236 als Erbzinsmühle des St. Ludgeri-Klosters in Betrieb genommen.

Die Mühle Liesebach öffnet zum Deutschen Mühlentag (5. Juni) ihre Pforten und gibt Einblick in die Historie.

Von Maria Lüer, 02.06.2017.

Räbke. Klappernde Räder am rauschenden Bach – ebenso romantisch wie es die Fantasie suggeriert präsentiert sich die Mühle Liesebach in Räbke. Nur eines fehlt: Der Geruch von frischem Mehl. Denn der Mühlenbetrieb wurde schon Ende 1954 eingestellt. Das historische Gebäude an der einst so wasserreichen, vom Elm kommenden Schunter bietet aber auch heute noch viele andere Nutzungsmöglichkeiten.

„Eine ganz besondere Bedeutung nimmt der Ort Räbke am Elm in der Mühlengeschichte des Braunschweiger Raumes ein: Im Laufe der Jahrhunderte haben in der Samtgemeinde im Landkreis Helmstedt zeitweise acht Mühlen mit unterschiedlichen Funktionen zugleich gearbeitet“, erklärt Klaus Röhr, Vorsitzender des Räbker Fördervereins Mühle Liesebach. Die Mühle Liesebach selbst wurde im September 1236 als Erbzinsmühle des St.-Ludgeri-Klosters Helmstedt in Betrieb genommen. Als Getreidemühle diente sie über lange Zeit mit nur einem Mahlgang.

In alten Urkunden taucht zuerst im Jahre 1864 der Müller Ernst Ludwig Raddecke als Besitzer auf. Als dessen Tochter den Müller Dormann aus der Mühle Heinsen bei Hameln heiratete, ließ dieser erste Modernisierungen an der Mühlentechnik vornehmen. Vierzig Jahre später kaufte schließlich der heutige Namensgeber Franz Liesebach die Mühle und ließ sie durch den Einbau von zwei Walzenstühlen erweitern. Weitere Umbauten folgten nach dem Zweiten Weltkrieg, als Müllerssohn Richard Liesebach die Technik nochmals verbesserte. In unmittelbarer Umgebung belieferte Richard Liesebach tagtäglich mit Pferd und Wagen seine Großkunden. Vor allem in den umliegenden Bäckereien war sein Weizen-Auszugsmehl „Elmgold“ sehr beliebt. An den Baugruppen der Systeme zeigten sich jedoch bald Verschleißerscheinungen und im Zuge des Mühlensterbens wurde der Betrieb Ende 1954 eingestellt.

Im Jahre 1996 verstarb Richard Liesebach. Seine Frau Hermine setzte sich dennoch weiter stark für die Instandhaltung von Hof- und Mühlenanlage ein und wird dabei durch den Räbker Förderverein unterstützt. Die rund 140 Mitglieder bauten bereits ein Wasserrad und eine Wasserkraftanlage zur Stromerzeugung ein. Außerdem erneuerten sie den Maschinenraum am Radschuppen, konstruierten und errichteten die Bunklermechanik für die Königswelle und den Steinmahlgang, erweiterten die alten Stallungen im Nordgebäude mit einem Versammlungsraum, einer Teeküche und einer Toilettenanlage und gaben die Restaurierung alter Müllerwerkzeuge in Auftrag.

Als nächstes Großprojekt wird nun die Instandsetzung des Lastenfahrstuhls in Angriff genommen. Die Konzeption dazu wurde an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erarbeitet. „Der Erhalt der Mühle ist uns wichtig: Sie greift die Geschichte auf und ist ein wunderbarer Zeitzeuge“, betont Röhr. Auch Marcus Wagner, Leiter des Geschäftsbereiches Bauaufsicht, Denkmal- und Immissionsschutz im Landkreis Helmstedt ist sich der Bedeutung bewusst: „Kulturgüter müssen gepflegt werden. Dass mit der Mühle Liesebach nicht nur deren Bestand, sondern auch deren Betrieb erhalten wird, ist eine tolle Sache.“ Heute fungiert die Mühle Liesebach als offizielle Einkehrstätte des Braunschweiger Jakobsweges, der direkt am Gebäude entlang führt. Pilgergruppen legen nach Anmeldung in der Anlage eine Rast ein. Die im Sommer 2015 fertiggestellten Räume im Nordgebäude werden für Feierlichkeiten genutzt. Erst kürzlich wurde ein zehn Meter hoher Schornstein für einen Warmluftofen gebaut und eine zeitgemäße Beleuchtung, mit Eigenleitungsanteilen, installiert.

Zuletzt eignet sich die Mühle auch als ein außergewöhnlicher Ort für Andachten – während des Deutschen Mühlentages am Pfingstmontag (5. Juni) zum Beispiel predigt Pfarrer Tobias Crins um 9 Uhr in den historischen Gemäuern. „Außerdem offerieren wir für alle Besucher Experten-Führungen durch die Mühle, geben Einblicke in historische Berufe und bieten Mühlenbrot, Blechkuchen und hausgebackene Torten an“, freut sich Röhr. Klipp, klapp, klipp, klapp, klipp, klapp – der vertraute Mühlen-Betrieb in Räbke wird also auch zukünftig nicht zum Stillstand kommen.


Mühlentag

Zum Deutschen Mühlentag lädt die Mühle Liesebach am Pfingstmontag (5. Juni). Um 9 Uhr hält Pfarrer Crins eine Mühlenandacht, Führungen durch die Mühle, Präsentationen zu historischen Berufen und Kutschfahrten durch das Dorf folgen. Außerdem gibt es Mühlenbrot, Blechkuchen und hausgebackene Torten sowie Verkaufsstände mit Holzartikeln, Likören oder Betondeko.
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