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„Der Büssing kommt nach Hause“

Die Geschäftsführer Philipp Cantauw (l.) und Wilhelm Schmidt nehmen den ersten Büssing in Empfang. Foto: Walburga Schmidt
 
Bei Dunkelheit leuchtet an der Decke der Sternenhimmel über Braunschweig. Die Sitze im Büssing stellen eine vollkommen neue Generation dar und sind in sehr großen Abständen verbaut. Foto: Walburga Schmidt

Das Wolfenbütteler Touristikunternehmen „Der Schmidt“ hat die Braunschweiger Traditionsmarke wiederbelebt – Montag Bustaufe.

Von Andreas Konrad, 06.05.2017.

Braunschweig/Wolfenbüttel. Das letzte Kapitel der stolzen Braunschweiger Firma Büssing ist eigentlich längst geschrieben. Wirtschaftliche Probleme Mitte der 1960er-Jahre, Verkauf an die Salzgitter AG, schließlich Übernahme durch MAN und am Ende Volkswagen. Einzig der Löwe, das Symbol der Bus- und LKW-Schmiede, fährt weiterhin auf allen Kühlergrills der MAN-Fahrzeuge quasi als Hommage an den genialen Konstrukteur und Firmengründer Heinrich Büssing mit. Da kann man es schon fast einen Geniestreich nennen, der jetzt dem Wolfenbütteler Touristikunternehmen „Der Schmidt“ gelungen ist: Ab dem 9. Mai fahren wieder Büssing-Busse durch ganz Europa. Einen Tag zuvor werden sie der Öffentlichkeit präsentiert.

Die Augen von Philipp Cantauw, neben Inhaber Wilhelm Schmidt zweiter Geschäftsführer von „Der Schmidt“, strahlen noch mehr als sonst, wenn er die Geschichte der neuen Büssing-Busse erzählt. „Als Anbieter von hochwertigen Busrundreisen ist es uns ein großes Anliegen, dem Passagier ein unvergessenes Erlebnis zu bieten. Auf der anderen Seite müssen wir auch wirtschaftlich arbeiten. Auf dieser Basis entstand die Idee, selbst einen besonderen Bus zu entwickeln“, beschreibt Cantauw die Anfänge. Da Schmidt auch über ein großes Know-how im Bereich Flugreisen verfügt, flossen in das neue Innendesign auch Elemente aus dem Bereich der großen Jumbos ein.

Nun galt es für die Idee einen Produktionspartner zu gewinnen. „Wir haben uns von allen großen Herstellern zunächst Absagen abgeholt“, erinnert sich Cantauw. Zu klein sei die Serie, einzig MAN hat in Plauen ein Werk, in dem hochwertige Einzelstücke gefertigt werden, etwa Mannschaftsbusse für die Fußball-Bundesligisten. Man wurde sich einig, Schmidt bestellte 25 Busse – darunter 12 Büssing – für einen Listenpreis von insgesamt 10 Millionen Euro, die innerhalb der zunächst nächsten zwei Jahre exklusiv an die Wolfenbütteler geliefert werden, vier Büssing davon in dieser Woche. Ein weiterer wird eigens für den Zweck gebaut, ihn seitens MAN für eine spätere Vermarktung Kunden zu präsentieren.

„Da der Bus in seiner Ausstattung der Zeit um fünf Jahre voraus ist, passt er nicht in die Produktlinien von MAN. Aus diesem Grund sollte er auch nicht das MAN-Logo bekommen“, sagt Cantauw. „Ein neuer Name musste her, da fiel unser Blick auf den Hof. Dort steht ein 1961er Büssing, so wie wir ihn nach Unternehmensgründung 1956 einsetzten. Da war es klar: Der Büssing kommt nach Hause.“

Was macht den neuen Büssing nun so besonders? „Es ist ein in der Branche vollkommen ungewöhnlicher Vorgang, dass ein Touristikunternehmen auf die Hersteller zugeht“, so Cantauw. Die Busse verfügen über eine neue Sitzgeneration, haben 44 statt der allgemein üblichen 52 Plätze, das Bad hat eine Stehhöhe von 2,10 Metern, es gibt ein Lichtinterieur, das Rundum-Multimedia-Programm, eine große Küche und als besonderes Detail leuchtet nachts an der Decke der Sternenhimmel über Braunschweig.

Am Montag (8. Mai) um 12 Uhr auf dem Braunschweiger Burgplatz erfolgt die offizielle Taufe, zu der jeder eingeladen ist. Anlässlich dieser Veranstaltung, die von Eintracht-Stadionsprecher Stefan Lindstedt moderiert wird, hat sich auch ein anderes Braunschweiger Traditionsunternehmen etwas ganz besonderes einfallen lassen: Zu Ehren der Büssing-VIP-Edition wird es ab Juli eine Wolters-Sammeldose geben, wie man sie von der Eintracht kennt, erste Exemplare als Spardose bringt die Brauerei schon zur Taufe mit.

Schon einen Tag später sind die Busse im Einsatz. „Wir messen kontinuierlich die Zufriedenheit der Gäste mit unseren Fahrern, so dass den vier beliebtesten Fahrern die ersten Busse zugewiesen werden“, erklärt Cantauw. So brechen die Büssing bald auf, um durch Schottland, Cornwall oder zum Nordkap und Bodensee zu fahren. Kunden, die eine Reise mit den ausgewählten Fahrern gebucht haben, werden die ersten sein, die im Büssing fahren. Und wer schon einmal eine Rundfahrt im historischen Anderthalbdecker in Braunschweig gemacht hat, wird ganz sicher feststellen, dass zwischen diesen beiden Bussen sehr sehr viele ungeschriebene Kapitel liegen.
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