Anzeige

„Bauen schon, aber nicht so“

Der Bebauungsplan für die Greifswaldstraße Nord. Das Gebäude links stellt das geplante Altenheim dar, die beiden Gebäude rechts weitere Dreigeschosser. Quelle: Stadt Braunschweig
Braunschweig: Greifswaldstraße |

Die BBG plant im Heidberg ein Altenheim – Bezirksrat tagt am 1. Oktober.

Von Martina Jurk, 13.09.2014.
Braunschweig. Im Heidberg soll ein neues dreigeschossiges Altenheim entstehen. Eigentümer und Mieter der angrenzenden Häuser sind dagegen.

Der Bebauungsplan „Greifswaldstraße-Nord“ nach den Wünschen der Braunschweiger Baugenossenschaft (BBG), Eigentümerin des Grundstücks, wurde mit einem Nutzungsbeispiel am 5. August veröffentlicht. In einem Schreiben an die Mitglieder des Stadtbezirksrats begründen die Anwohner ihre Skepsis. Auf dem Grundstück, um das es geht, verfallen seit längerer Zeit Häuser im Bungalowstil.
Dass etwas passieren muss, wollen alle. „Aber nicht so“, sagt Hans-J. Giesler, der das Schreiben im Namen der Anwohner verfasste. Die vorgeschlagene Bebauung würde die städtebauliche und soziale Struktur verändern.
Die BBG will mit einem neuen Bebauungsplan das Grundstück besser nutzen und Wohnraum schaffen (wir berichteten). Dagegen sei nichts einzuwenden, meint Giesler. So wie das Grundstück jetzt verwahrlose, könne es ja nicht bleiben.
Seit zwei Jahren ist es mit einem Bauzaun abgesichert. Aber bislang ist nichts passiert. Die BBG beauftragte einen Städteplaner, einen B-Plan zu erstellen. Der noch gültige Bebauungsplan aus den 1970er Jahren sieht nur den Bau von Reihenhäusern vor, in dem vorwiegend ältere Menschen wohnten.
„Diese Bebauung hatte einen städtebaulichen Sinn, nämlich eine abfallende Bebauung von der Stettinstraße mit Viergeschossern zur ruhigeren Zone mit den Einfamilienhäusern“, sagt Giesler. Das sei mit den neuen Plänen nicht mehr gegeben, weil auf den geplanten Dreigeschosser noch Aufbauten für Aufzüge und technische Anlagen kämen. Für Giesler, selbst Architekt, wäre es de facto ein Viergeschosser. Nach den Plänen der BBG soll das Dach begrünt werden, auf das die Bewohner des gegenüberliegenden Viergeschossers an der Stettinstraße dann schauen könnten. „Das wird nicht passieren, denn mit den Aufbauten wären beide Gebäude gleich hoch“, argumentiert Hans-J. Giesler. Zweiter Kritikpunkt ist das zusätzliche Verkehrsaufkommen, das sich verdoppeln würde. Ein Lieferverkehr für das Altenheim würde die jetzt ruhige Wohnlage entwerten.
Und drittens: Der Parkcharakter wäre nicht mehr vorhanden, da die meisten der vorhandenen Bäume und Gewächse gefällt werden müssten.
Gegen eine zweigeschossige, offene Bebauung ohne Terrassengeschoss sei nichts einzuwenden. Für die Zukunft des Heidbergs sei es wichtig, dass sich auch junge Familien ansiedeln. Für sie müsse Wohnraum geschaffen werden. Die Infrastruktur mit Schulzentrum, Einkaufszentrum und Verkehrsanbindung wäre perfekt dafür geeignet.
Die angrenzenden Eigentümer und Mieter bitten den Bezirksbürgermeister und die Mitglieder des Stadtbezirksrats, dem Bebauungsplan nicht zuzustimmen. Unterschriften sollen noch gesammelt werden. „Wir warten jetzt die Entscheidung des Stadtbezirksrats am 1. Oktober ab“, sagt Hans-J. Giesler.
Für Bezirksbürgermeister Hans-Dieter Osswald stellt sich die Situation nach einer Änderung des Bebauungsplans noch verschärfter dar. „Das Verkehrsaufkommen mit Lkws würde vier- bis fünfmal höher sein als jetzt. Ein Altenheim ist ein Gewerbebetrieb, der nicht in ein Wohngebiet passt. Die Wege zu Bus und Straßenbahn an Anklamstraße und Erfurtplatz seien für ältere Menschen zu Fuß beschwerlich. Eine direkte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wäre für sie nicht gegeben“, sieht Osswald die Pläne für ein Altenheim an dieser Stelle skeptisch.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
6
Alexandra Acheampong aus Braunschweig - Innenstadt | 14.09.2014 | 16:03  
18
Cornelia Pape aus Braunschweig - Innenstadt | 14.09.2014 | 16:15  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.