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Der Arendsee – die stille Attraktion in der Altmark

Vom schwankenden Steg aus fotografiert: Der Ausflugsdampfer im Mississippi-Look
 
Gustaf Nagel: Wanderprediger, Naturheilkundler, Verfolgter; ein Unikum, das zu Lebzeiten viele Touristen angezogen hat.
Arendsee (Altmark): Arendsee |

Arendsee heißen das Gewässer und gleichnamig der Ort mit Eingemeindungen am See. Von Braunschweig aus eigentlich ein Tagesausflug. Wir wollten aber drei Tage bleiben. Nach knapp zwei Stunden Anfahrt auf den Bundesstraßen 248 und 190 erreichten wir unser Ziel im Kreis Salzwedel.

Alle vorab gesammelten Informationen deuteten auf eine ruhige, entspannte Zeit hin. Um es gleich vorweg zu sagen; wir suchten Ruhe und bekamen sie auch. Keine überlaufenen Attraktionen, kein Rummel, alles ganz beschaulich. Eine 6000-Einwohner-Gemeinde in Sachsen-Anhalt. Ein geräumiges Zimmer mit Blick auf den See, eine Terrasse, die der Pension seinen Namen geliehen hat, ein großzügiges Frühstück, Parkplatz vor dem Haus. Nebenan das sehenswerte Kloster mit einem kleinen Museum.

Das Städtchen macht auf Anhieb einen aufgeräumten Eindruck mit restaurierten Häusern und Villen, interessanten, alten Türen, teilweise auf Tempo 30 beruhigten Straßen, Lindenalleen, Wander- und Radwege. Wald der Umgebung mit Kiefern, Eichen, Pappeln, Buchen taucht die Landschaft in ein dunkles Grün. Mäßiger Autoverkehr; wer länger bleibt, kann in der Ferienfahrschule seinen Führerschein erwerben. Spezialität der Region: Maränen aus dem See, gebraten mit Bratkartoffeln oder geräuchert direkt beim Fischer.

Der 5,5 Quadratkilometer große See ist die eigentliche, stille Attraktion des Ortes und der Region. Eine Wanderweg von etwas mehr als 10 Kilometern führt um den See: Durch Wald, vorbei an Wiesen, entlang am See, Badestellen, sogar einen Zugang für Pferde an der sogenannten Pferdeschwemme gibt es. Und immer wieder der Blick über den See an das andere Ufer, auf die bunten Segel der zahlreichen Boote oder zur Queen Arendsee, einem Ausflugsdampfer im Mississippi-Look. Auch eine Schnuppertour auf einem Segelboot wird angeboten. Am Ufer stößt man auf das Areal des 1952 verstorbenen Gustaf Nagel: Wanderprediger, Naturheilkundler, gescheiterter Rechtschreibreformer, Verfolgter, überzeugter Barfußgänger und ehemaliger Touristenmagnet. Noch heute suchen viele Besucher der Stadt das Grundstück am See auf.
Im Sommer kann der Besucher für drei Euro fünfzig den ganzen Tag im Strandbad verbringen. Fünf verschiedene Speisen-/Getränke-Shops versorgen die Badegäste. Umkleideräume, Duschen, eine Rutsche für Kinder, Schatten spendende Bäume sorgen für einen entspannten Tag. Ein klassischer Liegestuhl kann für nur zwei Euro/Tag ausgeliehen werden. Unterhaltsam für den, der es bereits geschafft hat, die Liege aufzubauen: Badegäste, die am Aufbau des bespannten Gestells an der Tücke des Objektes schier verzweifeln.

Was uns auffiel: Gelegentlich hörten wir den Wunsch, dass eigentlich etwas mehr in Arendsee passieren könnte. Leerstände von Lokalen deuten darauf hin, dass Besucherzahlen möglicherweise einmal höher waren. Ferienzeit: Ein Café macht lieber selbst Urlaub. Die Bezahlung per Bank- oder Kreditkarte war mehrfach nicht gewünscht. In den Sonnenschirmen eines gut besuchten Restaurants hingen noch die Spinnweb- und Staubreste der Wintereinlagerung. Abgesehen von sehr wenigen asiatischen Männern und Frauen haben wir keine Ausländer gesehen. Im Strandbad: Insbesondere Frauen mit großformatigen Tätowierungen. Arendsee ist kein Bad sondern nennt sich Luftkurort und erhebt eine Kurtaxe von 1,20 € pro Person und Tag. Die Kurkarte „berechtigt zum unentgeltlichen Besuch der Arendseer Bibliothek sowie eine Preisermäßigung bei Kultur- und Sportveranstaltungen der Stadt Arendsee.“ Hätten wir das gewusst, hätten wir uns natürlich keinen Lesestoff mitgebracht!
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