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Wasserwelt macht Verlust

Schöne Wasserwelt, und keiner geht baden: So sah es am Montagmittag im Freizeit- und Erlebnisbad an der Hamburger Straße aus. Foto: Verena Meier
 
Auch die schöne Außensaunalandschaft wurde bis jetzt zu wenig genutzt. Foto: Meier
Braunschweig: Wasserwelt |

Weniger Besucher als erwartet – Preise ab sofort gesenkt.

Von Martina Jurk, 10.03.2015.

Braunschweig. Gestiegene Baukosten und zu wenige Besucher – die Bilanz der Wasserwelt nach sieben Monaten seit der Eröffnung fällt ernüchternd aus. Jetzt soll das Ruder herumgerissen werden. Die Eintrittspreise werden gesenkt, Parkgebühren entfallen. „Das Bad hat eine schlechte Resonanz und ein großes Imageproblem“, gibt Geschäftsführer Jürgen Scharna unumwunden zu. Die Ratsfraktion der Linken spricht gar von einem Desaster. Dennoch, der Stadtbadchef ist überzeugt, dass es sich bei der Wasserwelt um ein schönes Bad handelt mit einer Saunalandschaft, die ihresgleichen suche.

Zum Baukostenproblem kommt hinzu, dass auch die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurückliegen. Statt der kalkulierten (Mai bis Dezember 2014) 150 000 Badbesucher kamen nur 95 000 (Juli bis Dezember 2014). Statt 45 000 Saunabesuche waren es nur 14 500. Ein Drittel der von Schulen gebuchten Stunden wurde gar nicht genutzt. Auch die Kurse sind von erschreckend wenigen Teilnehmern besucht worden: 3200 statt der erwarteten 25 000. Grund: Das Aktivbecken sei häufig von Schulen und Vereinen belegt gewesen.
Waren es im vergangenen Jahr 32 Millionen Euro, steigen die Baukosten nach Vorlage aller Schlussrechnungen auf 35,37 Millionen Euro. Bei der Planung 2007 waren 20 Millionen Euro veranschlagt. Lassen sich die Forderungen der Stadtbad GmbH von 650 000 Euro durchsetzen, würden die Kosten am Ende 34,72 Millionen Euro betragen. Für Geschäftsführer Jürgen Scharna der „maximal mögliche Betrag“.

Die Mehrkosten erklärten sich aus Nachträgen und Ersatzvornahmen – angefangen von Mehrkosten, die auf Rechenfehler in Leistungsverzeichnissen beruhen, aber nicht schadenersatzfähig sind bis zu unumgänglichen Mehrfachbeauftragungen (zum Beispiel Putzerfirmen) wegen Firmeninsolvenzen und nicht vorhersehbarer Kosten wegen Bauzeitverschiebung und Bauzeitverlängerung. „Regress wird noch lange ein Thema sein“, sagte Michael Stern, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht.
Mit Bedauern habe der Aufsichtsrat der Stadtbad GmbH die Kostensteigerung zur Kenntnis genommen, so dessen Vorsitzender Frank Graffstedt. „Die hohen Erwartungen, die wir an das Freizeitbad gerichtet haben, haben sich bisher nicht erfüllt.“ Der Aufsichtsrat stehe fest hinter Geschäftsführer Jürgen Scharna. „Die Frage nach dem Schuldigen hat sich nie gestellt“, so Graffstedt. Es habe viele Unvorhersehbarkeiten gegeben. „Und“, so gibt der Anwalt zu bedenken, „eine Toleranzschwelle von 30 Prozent muss ein Bauherr bei solchen Projekten einplanen.“ Jetzt ginge es darum zu prüfen, welche Forderungen durchsetzbar seien und welche nicht.

Die Liste der Unvorhersehbarkeiten ist lang. Schon vor der Grundsteinlegung sei das Bad mit schweren Hypotheken belastet gewesen, wie gerichtliche Auseinandersetzungen, schlecht arbeitende Baufirmen, die Großbaustelle Hamburger Straße, die das Bad fast abgeriegelt habe, laufende Baukostenerhöhungen, Verzögerung von Bauzeiten, zählt Jürgen Scharna auf.
Die schlechte Besucherresonanz spiegele sich auch in der Bilanz des Bades wider. Während der Aufwand im erwarteten Rahmen geblieben sei, fielen die Erträge mit rund 1,2 Millionen Euro um rund 1,9 Millionen Euro geringer aus als vor Betriebsaufnahme erwartet. Für Frank Graffstedt ist es dennoch ein „gutes Produkt“. „Viele Leute reden schlecht, waren aber noch nie in der Wasserwelt. Das Bad ist besser als sein Ruf.“

Ein „Maßnahmebündel an Veränderungen“ kündigte Jürgen Scharna an. Dazu zählen gebührenfreies Parken, billigere Tageskarte und Einführung einer Familienkarte – ab sofort. Großen Nachholbedarf gäbe es im Marketingbereich. Deshalb wurde ein Marketingexperte eingestellt. Einige Kritiken der Besucher seien bereits umgesetzt worden, wie Duschablagen und mehr Uhren.

Die neuen Tarife:
• Parkplatzentgelt entfällt für Sauna- und Badegäste; Fremdparker zahlen weiterhin fünf Euro pro Stunde.
• Ein-Stundentarif mit 30-minütiger Karenzzeit 2,70 Euro, Karenzzeit um 15 Minuten verlängert.
• Tagestarif 5,90 Euro für Erwachsene, 4,50 ermäßigt, bisher 8,20 bzw. sechs Euro.
• Einführung einer Familientageskarte: zwei Erwachsene und zwei Kinder oder ein Erwachsener und drei Kinder 17 Euro (statt 20,80 bzw. 19,40 Euro im Vergleich zum neuen Tarif).
Jedes weitere Kind zahlt vier Euro (statt 4,50).
• Ermäßigtentarif für die Sauna: zehn Euro€ für Kinder vom dritten bis 16. Lebensjahr, zwölf Euro für Studenten.
• Zwei-Stundentarif (bisher fünf Euro) entfällt.
Die Gäste des Freizeitbades, die bisher diesen Tarif nutzen und mit dem Auto kommen, sparen künftig mit der Tageskarte 1,20 Euro.
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