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„Das Image ist schlechter als die Wirklichkeit“

Ein Blick in die Wasserwelt. Fotos: Ammerpohl
 
Stadtbadchef Jürgen Scharna
Braunschweig: Wasserwelt |

Es gab Schwierigkeiten in der Bauphase, Häme und Kritik – am 14. Juli wird die Wasserwelt ein Jahr alt – Einsatz für mehr positives Erleben.

Von Ingeborg Obi-Preuß
Braunschweig, 08.07.2015. Fabian Neubert dreht am Rad – oder besser: an vielen Rädern. Seit März ist der 37-Jährige zuständig für das Marketing der Wasserwelt; jetzt, zum ersten Geburtstag des Erlebnisbades, zieht er gemeinsam mit seinem Chef Jürgen Scharna Bilanz.
„Aus unserer Sicht ist das Image der Wasserwelt schlechter als die Wirklichkeit“, da sind die beiden sich einig. Verzögerungen, Fehlplanungen, Kostensteigerungen – aus dem Traum eines Freizeitbades war zwischenzeitlich ein ungeliebtes Kind geworden.
Aber nun hat es Geburtstag, und die anfänglichen Schwächen sind weitestgehend abgestellt.

„Vor allem haben wir die Parkgebühren abgeschafft“, sagt Stadtbadchef Jürgen Scharna, „diese Gebühren waren das Beschwerdethema Nummer eins.“
Und der neue Marketingleiter Neubert hat auch gleich die Eintrittspreise gesenkt und die Struktur vereinfacht: „2,70 Euro kostet jetzt die Stunde für einen Erwachsenen (plus einer halben Stunde zum Umziehen), die Tageskarte liegt bei 5,90 Euro.

„30 000 Gäste im Schnitt besuchten 2015 pro Monat die Wasserwelt“, sagt Neubert, „damit liegen wir leicht über dem Durchschnitt des vergangenen Jahres, allerdings sind wir noch nicht da, wo wir hin wollen.“ 45 000 Besucher monatlich, das war die Planungszahl, das ist jetzt die Zielmarke für Scharna und Neubert.
Dafür haben sie die Ohren dicht am Markt, gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU wurde ein Fragebogen zur Zufriedenheitsanalyse entwickelt. „Wir versuchen, auf Beschwerden oder Vorschläge möglichst rasch zu reagieren“, erklärt Bäderchef Scharna. Ein Beispiel: „Der Saunaboden war zu warm, das haben wir sofort abgestellt.“ Auch eine Sichtachse wurde blockiert, durch die zuvor aus dem Whirlpool in die Damendusche geguckt werden konnte. Und mehr Sonnenschutz für den Sauna-Außenbereich – „auch ein Wunsch unserer Gäste, den wir zeitnah erfüllt haben“, sagt Scharna. Anregungen und Vorschläge sind also ausdrücklich erwünscht.

Fabian Neuberts Aufgabe greift noch weiter. Der studierte Sportmanager will das „Erleben“ in der Erlebniswelt stärker betonen. Und zwar fein abgestimmt und zusammengestellt für unterschiedliche Publikumsgruppen. Eine karibische Erlebniswelt in der Sauna beispielsweise oder der „Wohlfühltag für Zwei“ auf einem höherwertigen Niveau, das zunehmend nachgefragt werde.
„Wir wollen möglichst viele Menschen zu einem Besuch in der Wasserwelt ansprechen“, erklärt Neubert, „die Braunschweiger sollen kommen und sich überzeugen. Die beste Werbung ist der zufriedene Besucher, der weiter erzählt und empfiehlt.“

80 Mitarbeiter gehören zum Team, sieben Tage in der Woche ist die Gastronomie geöffnet, große Teile der Reinigungsarbeiten müssen in der Nacht durchgeführt werden.
Ein komplexes System, und – wie jedes kommunale Bad – ein Zuschussgeschäft, das mit Steuergeldern gestützt wird. „Deshalb müssen wir mit Wünschen vorsichtig sein“, erklärt Scharna. Wie mit dem Anliegen der Frühschwimmer, das Bad schon vor acht Uhr morgens zu öffnen.
Das Konzept der Stadt sehe ausdrücklich vor, nicht in allen Bädern das Gleiche anzubieten, erklärt dazu Fabian Neubert: „Raffteich und Bürgerpark stehen im Sommer den Frühschimmern offen, das Heidbergbad im Winter.“ Und die Wasserwelt sei vor allem als Erlebnisbad konzipiert. Da sei acht Uhr morgens früh genug. Und auch die Größe der Wasserfläche – ebenfalls ein Kritikpunkt vieler Besucher – sei ausreichend. Ein größeres Bad hätte halt auch ungleich mehr gekostet.

Ein Ärgernis seien allerdings von den Schulen gebuchte Bahnen, die dann nicht genutzt würden. In allen städtischen Bädern werden unter der Woche 400 Bahnstunden für das Schulschwimmen reserviert. „Von diesen gebuchten Stunden aber werden nur rund 60 bis 70 Prozent in Anspruch genommen“, ärgert sich Scharna. Häufig ohne abzusagen. Das regt ihn auf.
Und noch etwas anderes regt ihn dabei auf: „25 Prozent der Kinder unter zehn Jahre können nicht schwimmen“, zitiert er statistische Zahlen, „da muss etwas passieren.“ Er wisse, dass es für die Lehrer schwierig sei; andere Bundesländer setzten inzwischen auf eine stärkere Zusammenarbeit mit den Schwimmmeistern. Vor allem aber sei es eine Sache der Organisation und des Wollens. „Die Wilhelm-Bracke-Schule beispielsweise fährt seit Jahren gut organisiert zum Schwimmunterricht aus der Weststadt ins Heidbergbad“, berichtet er von einem positiven Beispiel, „und das klappt hervorragend.“

Argumente wie Entfernungen oder zu wenige Randstunden lässt Scharna nicht gelten. „Was sind denn das schon für Entfernungen in Braunschweig?“, fragt er leicht genervt. Gerade die Wasserwelt liege superzentral.
Auch über Optik und Innengestaltung des Bades wird mitunter gemeckert. „Reine Geschmackssache“, sagt dazu Scharna, das Haus habe architektonische Qualitäten, die sich unter anderem darin spiegelten, dass der Bau für den Peter-Joseph-Krahe-Preis nominiert ist (die Stadt vergibt in diesem Jahr zum 14. Mal den Peter-Joseph-Krahe-Preis für hervorragende Gestaltungsleistungen auf dem Gebiet der Architektur, des Ingenieurbaus oder der Garten- und Landschaftsgestaltung). Aber: „Wenn unsere Gäste mehr Deko wünschen, setzen wir auch das gern um“, sagt Scharna.

Jürgen Scharna geht im Herbst in den Ruhestand, seinen Nachfolger wird er noch einarbeiten. Er hofft, dem „Neuen“ schon zum Start bessere Besucherzahlen präsentieren zu können. Er und Kollege Fabian Neubert jedenfalls drehen dafür an allen Rädern.
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1 Kommentar
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Thomas Winkler aus Braunschweig - Nordstadt | 09.11.2015 | 18:03  
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