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Der Rutschen-Tüv in der Wasserwelt

Benjamin Sperlich vom Tüv Thüringen überprüft im Inneren der Wasserrutsche, ob sich Verunreinigungen oder Rückstände der Bauarbeiten darin befinden. Foto: Thomas Ammerpohl
 
Mit einem Pendelschlagversuch weist die Materialprüfanstalt der TU Braunschweig nach, ob die Verglasung an der Treppe absturzsicher ist. Foto: T.A.
Braunschweig: Wasserwelt |

Bis zur Eröffnung des neuen Freizeit- und Erlebnisbades im Juli wird überall letzte Hand angelegt – 30 Prüfexperten testen vor Ort.

Von Martina Jurk, 28.05.2014.
Braunschweig. Bevor die Wasserwelt im Juli ihre Türen öffnet, wird in allen Bereichen des neuen Freizeit- und Erlebnisbades an der Hamburger Straße noch Hand angelegt. Sachverständige haben das Terrain übernommen. 30 Prüfexperten sind vor Ort. Ohne ihr Okay wird nicht geplanscht, geschwommen oder sauniert.

Heute werden die beiden Riesenrutschen auf Herz und Nieren geprüft. Benjamin Sperlich vom auf Wasserrutschen spezialisierten Tüv Thüringen hat schon mal die Badeshorts angezogen. Doch bevor der Sachverständige die Turborutsche mit drei Schwierigkeitsgraden abwärts rauscht, muss er 63 Meter trocken ablaufen. Angeseilt und mit Stirnlampe ausgerüstet sieht er aus wie ein Bergsteiger. Auf allen Vieren sucht er Zentimeter für Zentimeter den Tunnel nach Verunreinigungen und Fremdkörpern ab. Er kontrolliert die Fugen. „Hier ist eine Stelle, die müsste nachpoliert werden“, fordert Benjamin Sperlich Norbert Morawietz von der Hartwigsen Freizeitanlagen GmbH, die die Wasserrutschen gebaut hat, auf. Es wäre verheerend, wenn sich jemand beim Rutschen verletzen würde, weil ein hartgewordenes Stück Fugenmasse am Boden klebt, erklärt der Sachverständige.
Jürgen Scharna, Geschäftsführer der betreibenden Stadtbad Braunschweig Sport und Freizeit GmbH, schaut derweil nach dem Fortschritt anderer Arbeiten. Die Außenanlagen sind zu zwei Dritteln fertig, bis zu 25 Elektrotechniker sind noch im Haus, Tischler sind mit letzten Einbauten beschäftigt, Trockenbauer schließen letzte Decken, im Saunabereich werden noch Fliesen in einem Wasserbecken verlegt, Wassertechniker stellen im Keller Maschinen ein. Insgesamt sind 30 Gewerke – die gesetzlich vorgeschrieben europaweit ausgeschrieben wurden – in der Wasserwelt beschäftigt. Beim Anblick des Außensaunabereichs leuchten die Augen von Jürgen Scharna. „Die Jungs haben hier richtig gute Arbeit geleistet“, lobt er die saubere und akkurate Verarbeitung des Holzes. Anlage und Ausstattung des Bades sind beeindruckend. An jedes noch so kleine Detail wurde gedacht, wie zum Beispiel die Nummerierung der Umkleidespinde auch in Blindenschrift. Ein großer Wellnessbereich lässt keine Wünsche offen. „Das Bad ist attraktiv und zeitgemäß“, meint Scharna, der in der ganzen Republik umhergereist ist und sich viele Bäder angeschaut hat. „Ein Schwimmbad ist heute nicht mehr das, was es vor 20 Jahren war. Die Ansprüche der Menschen an Freizeiteinrichtungen sind gestiegen. Wenn sie hierher kommen, erleben sie Kurzurlaub“, ist der Geschäftsführer überzeugt.
Nach einer halben Stunde ist Benjamin Sperlich die erste Rutsche abgelaufen. Die Zweite ist 100 Meter lang. Das gleiche Prozedere, diesmal ohne Seil, denn die Rutsche ist weniger steil. Dann endlich heißt es „Wasser marsch!“. Sperlich rutscht hinab. Alles geht gut. Wie beim Auto gibt‘s auch hier die Prüfplakette vom Tüv.
Im Eingangsbereich wird gerade eine andere Prüfung vorbereitet. Mit einem Pendelschlagversuch soll nachgewiesen werden, dass die Verglasung an einer Treppe absturzsicher ist. Das heißt, wenn jemand auf der Treppe stürzt, muss die sichernde Verglasung am Geländer standhalten. Metallbau Klauenberg, eine der wenigen Braunschweiger Firmen, die an der Wasserwelt mitarbeiten, hat die Treppe samt Verglasung gebaut und ist jetzt gespannt, wie der Versuch ausgeht. Seit anderthalb Stunden sind Dr. Peter Bodendiek und sein Team vom TU-Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz und Materialprüfanstalt für das Bauwesen, mit dem Versuchsaufbau beschäftigt. An einem mobilen Pendelrahmen werden Gummireifen mit einem Gewicht von 50 Kilogramm aus einer Fallhöhe von 70 Zentimetern, das sind 350 Newtonmeter, gegen die Verglasung gedonnert. Das Ganze wird kritisch verfolgt von Eric Sellmann von der Bauaufsichtsbehörde. Der erste Versuch gelingt, und auch beim zweiten Mal hält die Verglasung. Ullrich Klauenberg ist zufrieden.
Jürgen Scharna auch. Fünf Jahre, nachdem die Gründungspfähle in den Boden gerammt wurden, wo einst die Eishalle stand, nach einem Rechtsstreit mit einem Baukonzern und einer Verzögerung des Baubeginns um fast zwei Jahre sowie nach weiteren nervenzehrenden Problemen werden sich die Wogen spätestens Mitte Juli (das Fitnesscenter öffnet bereits Anfang Juni) geglättet haben.
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1 Kommentar
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Frank Gebauer aus Braunschweig - Nordstadt | 20.06.2014 | 12:28  
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