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Jede Frau ist eine Göttin

Immer beunruhigender wird für die Damen das unerklärliche Verschwinden ihrer Mitbewohnerinnen. Foto: Brunsviga
Braunschweig: Brunsviga |

Brunsviga-Produktion „Die Hälfte des Himmels“ heute Abend zum letzten Mal.

Von Sigrid Schonlau, 21.11.2015.

Braunschweig. Wer erinnert sich noch an Gesche Meiburg, die bei den Angriffen auf Braunschweig 1615 selbst zum Schwert griff und amazonenhaft die Stadt verteidigte? Oder gar an Markgräfin Gertrud, die 1115 das Ägidienkloster gründete? An die geistig zurückgebliebene, aber musikalische „Harfen-Agnes“ oder die bisher einzige weibliche Oberbürgermeisterin Martha Fuchs, die bis heute als die Hauptverantwortliche für den Abriss der Schlossruine gilt?

Das Musical „Die Hälfte des Himmels“ nimmt sich mit ihnen ein paar der wichtigen Damen der Braunschweiger Stadtgeschichte vor und setzt ihnen einen musikalischen Gedenkstein (Buch und Regie: Uwe Flake). Auf der Braunschweiger Wolke geht es in der Jahrhunderte übergreifenden Wohngemeinschaft nicht ganz so harmonisch und souverän zu, wie es an der individuellen Lebensleistung gemessen erwartbar wäre. Im Himmel herrscht Zickenterror.
Die auf Etikette bedachte Victoria Luise (Stefanie Reisberg) beispielsweise fühlt sich nicht standesgemäß unter den Damen der Bourgeoisie platziert und wünscht sich zu ihren Hohenzollern zurück, und das bitte sofort. Ihre Beschwerde bei Petrus (Thomas Brasser) bringt aber nur einen Teilerfolg. Er schickt sie mit ihrer Gesellschafterin Dolores (amüsant selbstironisch: Alya Al Kanani) auf den Weg, denn irgendwas ist ohnehin faul im Himmel.
Andauernd verschwinden irgendwelche Gestalten. Dolores wüsste sicherlich mehr. Sie hat schon eine höhere Bewusstseinsstufe erreicht. Aber dummerweise spricht sie nicht mehr, sondern tanzt nur noch. Ihre Bewegungen könnten deshalb zwar Licht in das inhaltliche Dunkel bringen – wenn man sie nur dechiffrieren könnte. Victoria Luise jedenfalls gelingt das nicht. Stattdessen beißt sie sich an ihren Mitbewohnerinnen, etwa der burschikosen und stimmgewaltigen Gesche Meiburg (Aida Göhnert) und der präzisen und zungenfertigen Mathematikerin Agnes Pockels (Britta Rex) die Zähne aus, höhere Mathematik eben, nicht jeder Frau Sache, auch nicht die adliger Damen. Zu dämlich. Sowohl stimmlich wie darstellerisch treffsicher, typgerecht und passend besetzt werden die Auseinandersetzung und die langsame Auflösung des Rätsels abwechslungsreich und unterhaltsam entwickelt, mit zum größten Teil selbst komponierten und einigen gecoverten Songs (Musikalische Leitung: Geza Gal).
Die letzte Gelegenheit, das Musical zu sehen, gibt es am heutigen Samstag (21. November) um 20 Uhr in der Brunsviga.
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