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Auf Fotopirsch durch Staub und Dreck

2012 kam das endgültige aus für die Mühle in Sickte. Kurz vor dem Abriss entstand dieses Foto einer Sackrutsche.
 
Das Kontorhaus am Jödebrunnen. Bis 2011 war es vermietet. Eine Arbeitsgruppe setzt sich für den Erhalt ein.
Braunschweig: Torhaus-Galerie |

Die Fotografin Angelika Stück hat ein Faible für alte Industriegebäude – Ausstellung ab 12. Juli im Torhaus des Botanischen Gartens.

Von Birgit Leute, 11.07.2015.

Braunschweig. Vorsichtig bahnt sich Angelika Stück ihren Weg durch kniehohes Gras. Mücken umschwirren ihre Beine, als sie sich der Ruine der ehemaligen Polizeireiterstaffel am Leonhardplatz nähert. Die Fotografin hat ein Faible für das verfallene Gebäude – und nicht nur für dieses. Die Ruinen einst wichtiger und jetzt vom Abriss bedrohter Industrieanlagen ziehen die
51-Jährige einfach magisch an.

„Die Räume sind wie eine Bühne für mich“, erzählt Stück von der eigenartigen Faszination. Mit ihrem Thema liegt sie im Trend: Viele Graffitikünstler und Aktfotografen haben die Industrie als Hintergrund oder „Leinwand“ für ihre Arbeiten entdeckt. „Andere machen einen Wettlauf daraus, wer die meisten Ruinen besucht und im Web dokumentiert hat“, erzählt Stück. Und dann gäbe es noch Leute, die sich einfach nur zerstörerisch in den leer stehenden Gebäuden austobten.
Für Stück, die im Hauptberuf als Sozialarbeiterin unterwegs ist, sind die Gebäude allerdings nicht einfach nur Kulisse. Sie interessiert sich für die Menschen, die dort gearbeitet haben, und für die Geschichte der Gebäude. „Oft kleben noch Bilder in den Spinden, ein Stuhl ist in die Ecke gerückt, oder es hängen handgemalte Schilder an den Wänden – so als wären die, die hier gearbeitet haben, gerade erst gegangen.“
In den 25 Jahren ihrer Fotografentätigkeit ist die Liste der besuchten Orte lang geworden: Die alten Markthallen in Braunschweig stehen darauf, der Luftschutzbunker in Kralenriede und – die Ruine am Leonhardplatz. „Im 13. Jahrhundert stand hier einmal ein altes Siechenhaus, später wurde das herzogliche Landgestüt untergebracht, nach dem Krieg die Polizeireiterstaffel“, weiß Stück.
Was die Mutter zweier Kinder am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass viele historische Gebäude immer wieder im Zuge der Stadtplanung weichen müssen und damit für die nachfolgende Generation ausgelöscht werden. Auch die Tage der Stallungen am Leonhardplatz sind gezählt; geplant ist dort ein Hotelneubau. Inzwischen verhindern Absperrgitter den Zugang. „Ich bin froh, dass ich vor zehn Jahren noch einmal durchstreunen und fotografieren konnte“, sagt Stück, die nach Rücksprache mit den Behörden oder Besitzern meistens keine Probleme hat, in die Ruinen zu kommen.
„Die baulichen Reste ließen sich in moderne Gebäude integrieren, oder man könnte sie als Beispiel für unsere Industriegeschichte stehen lassen“, schlägt Stück vor. „In Baddeckensteck-Rhene bei Salzgitter gibt es zum Beispiel eine 700 Jahre alte Graupenmühle, in der jedes Rad und jeder Zahnriemen noch funktionieren. Leider ist der Müller, der sie bedienen konnte, in den Ruhestand gegangen, und so ist ihr Schicksal ungewiss.“
Schon oft hat Stück mit ihren Fotografien und ihrer Internetseite dafür gesorgt, dass Industriedenkmäler wieder das Interesse der Öffentlichkeit erregten, und Vereine, die für deren Unterhaltung kämpften, unterstützt wurden.
Wer mehr über Angelika Stück und ihre Arbeiten erfahren möchte: Beispiele sind vom
12. Juli bis 2. August in der Ausstellung „Blickfänge“ im Torhaus des Botanischen Gartens, Humboldtstraße 1, zu sehen. Dort stellt sie gemeinsam mit Fotografen der Gruppe Die Licht-Bildner aus.
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