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Woher kommen unsere Vorurteile?

Volkshochschulen Braunschweig und Gifhorn sind Demokratiezentrum – Bildungsarbeit gegen Fremdenfeindlichkeit.

Von Martina Jurk, 28.11.2012.

Braunschweig. Warum habe ich Vorurteile gegenüber einem Menschen, nur weil er anders aussieht? Wie begegnet mir Rassismus im Alltag? – Fragen, mit denen sich 30 Schüler aus Braunschweig, Gifhorn und Wolfsburg gestern Vormittag in praktischen Übungen zum Thema „Gelebte Demokratie“ auseinandergesetzt haben.

Es war der Auftakt des Demokratiezentrums der Niedersächsischen Erwachsenenbildung, das die Volkshochschule Braunschweig (VHS) und die Kreisvolkshochschule Gifhorn (KVHS) seit drei Monaten gemeinsam sind.
Nach der Aufdeckung der von der rechtsterroristischen Zelle NSU verübten Mordserie will das Land Niedersachsen zusätzliches Engagement in der politischen Bildung, insbesondere in der Bildungsarbeit gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus fördern. „In der Erwachsenenbildung gibt es für diesen Bereich einen großen Bedarf“, sagte der Geschäftsführer der VHS Braunschweig, Hans-Peter Lorenzen. Das Land Niedersachsen habe eine Initiative gestartet und sieben Demokratiezentren vergeben, darunter an Braunschweig/Gifhorn.
An der Auftaktveranstaltung nahmen Politiker aus Braunschweig, Gifhorn, Salzgitter und Peine, Schüler aus Berufsbildenden Schulen sowie aus der Jugendwerkstatt Gifhorn teil.
Bei den „praktischen“ Übungen haben sich die Schüler mit dem Basiswissen Demokratie auseinandergesetzt. Der Workshop wurde geleitet von Sozialpädagoge Karl-Heinz Emter von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt, angesiedelt bei der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben. „Was habt Ihr gedacht, als Ihr mich gesehen habt?“, fragte er die Schüler. „Punk, Penner, Assi“, so die Antworten. Andersherum würde Emter Anzugträger als Spießer einordnen. „Wir haben im zweiten Teil der Übung die Augen und die Ohren geschlossen, weil man nicht sehen und hören kann, wie man selbst mit anderen Menschen umgeht. Das trägt jeder in sich“, macht der Sozialpädagoge deutlich. Es gehe einzig und allein ums Menschsein und nicht um Äußerlichkeiten. Das erfahre Emter täglich am eigenen Leib. Er habe Bock auf den Underground-Look. „Wenn die Leute erfahren, dass ich Akademiker bin, dann bin ich für sie vielleicht ein besserer Penner.“ Ja, auch er habe Vorurteile. Wichtig sei, auf Menschen zuzugehen, den ersten Schritt zu machen, sich selbst zu fragen, woher die Vorurteile kommen, gibt Emter den Schülern mit auf den Weg. Die werden später selbst Seminare und Workshops zum Thema Demokratie gegen Fremdenfeindlichkeit und Extremismus leiten.
Das Programm wird bis zum Ende dieses Jahres gefördert. Hans-Peter Lorenzen und seine Kollegin Ricarda Riedesel, Leiterin der KVHS Gifhorn, hoffen, dass die Fördermittel auch 2013 vom Land bereitgestellt werden. Erik Weckel von der KVHS Gifhorn kann sich verschiedene Projekte des Demokratiezentrums vorstellen. „Wir sind am Anfang. Man kann Vieles machen – mit Schülern, Lehrern oder ganzen Schulen“, sagte Weckel.
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