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Wege zurück ins (Berufs-)Leben

Verein Aktion Brückenbau bietet Arbeitslosen Beratung und Hilfe in schwierigen Lebenslagen an.

Von Marion Korth, 03.07.2013.


Braunschweig. „Arbeit ist das halbe Leben“ steht auf dem Poster an der Wand. Die Buchstaben aber haben die Schwindsucht, vom Wort „Leben“ ist kaum noch etwas übrig. Gut, dass der Sinnspruch sich auch so zusammenreimen lässt.

Die „Brückenbauerinnen“ Marietta Hankers und Antje Kuhrt leisten im Auftrag der evangelischen Kirche Aufbauarbeit mit Menschen, die ein bisschen das Leben verlernt haben. „Das sind vor allem Langzeitarbeitslose“, sagt Marietta Hankers. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto negativer werde das Bild, das die Menschen von sich selbst haben. Erreichbare Ziele festzulegen und gemeinsam die Schritte zu gehen, um sie zu erreichen, das ist das Ziel der auf ein halbes Jahr angelegten Aktivierungsmaßnahme. Die ist für Menschen gedacht, die in einem üblichen Bewerbungstraining oder einer Qualifizierungsmaßnahme (noch) nicht richtig aufgehoben wären und eine maßgeschneiderte Lösung sowie Motivation brauchen. Da ist der Unternehmer, der in der beruflichen Selbstständigkeit gescheitert ist und mit der Abwicklung seiner Firma noch immer viel um die Ohren hat. Da ist die über Vierzigjährige, deren Kinder das Haus verlassen haben, und die jetzt wieder nach einem Neuanfang sucht. Die Brückenbauerinnen wollen ihnen in Gesprächen und in Arbeitserprobungsphasen wieder Erfolgserlebnisse im geschützten Rahmen bieten. Hankers: „Nur wenn man sich sicher fühlt, kann man sich bewerben.“
Die Beratungsstelle ist mittlerweile auch zertifizierter Bildungsträger, im Vordergrund steht aber wie in den Gründungstagen der soziale Gedanke. Die Aktion Brückenbau – der Verein feierte im vergangenen Jahr 20-jähriges Bestehen – ist unter dem Dach der Propstei angesiedelt, deshalb besteht ein dichtes Netz zu Kirchengemeinden überall in der Stadt und darüber hinaus. Dort gibt es immer etwas zu tun, und dort würden die Teilnehmer das Verständnis und die Wertschätzung finden, das sie brauchen. Und den Kontakt zu ganz unterschiedlichen Menschen, der oft fehlt. Welche Aufgabe für wen die richtige ist, wird in Gesprächen herausgefunden. Bis zu 20 Stunden in der Woche sind für die Arbeitserprobung, Gespräche und die eigenständige Erledigung selbst gesetzter Aufgaben vorgesehen.
Es sind oft nur kleine, aber irgendwie peinliche Schwächen, die die Rückkehr ins Berufsleben so schwer machen. Menschen, die Scheu haben zu telefonieren, Menschen, die einfach nicht wissen, wie sie mit Bus und Bahn ans andere Ende der Stadt kommen sollen, weil sie früher immer nur Auto gefahren sind. Es trotzdem zu versuchen, dazu machen die beiden Frauen Mut. „Wir möchten, dass die Menschen den Kopf freibekommen und wieder mehr Möglichkeiten im Blick haben“, sagt Marietta Hankers. Wenn es gelingt, dass die Teilnehmer neue Erfahrungen gewonnen, alte Vorlieben wieder entdeckt, Probleme überwunden und Zukunftspläne geschmiedet haben, dann ist es gut gelaufen.
Arbeitslose können über das Jobcenter an einen Gutschein für die Aktivierungsmaßnahme gelangen. „Ein Rechtsanspruch darauf besteht allerdings nicht, die Arbeitslosen müssen ihren Ansprechpartner davon überzeugen, warum die maßgeschneiderte Maßnahme für sie die richtige ist“, erläutert Marietta Hankers. Diese Vorgabe sei gesetzlich neu und stellt offensichtlich auch eine Hürde da, was sich in sinkenden Zahlen der Beratungssuchenden widerspiegelt.
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