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TuRa steht am Scheideweg

Vorstand sieht Reformkurs als gescheitert an und stellt sich nicht mehr zur Wahl

Von Martina Jurk, 22.03.2009

Braunschweig. Der Turn- und Rasensportverein Braunschweig (TuRa) steht an einem Scheideweg. Der gesamte Vorstand stellt sich nicht mehr zur Wahl am kommenden Freitag – Reaktion auf monatelange vereinsinterne Querelen.

„Das ist eine vereinsinterne Angelegenheit“, sagt das Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit, Dieter Doden. Dennoch sei es kein TuRa-spezifisches Problem. „Der vor vier Jahren eingeleitete Reformkurs ist gescheitert“, sagt Vorsitzender Tom Schnelle. Neue Wege zu gehen, um Sportvereine generell attraktiver und finanzierbar zu machen, sei heute das Gebot der Stunde. „Aber es ist uns nicht gelungen, die breite Mitgliedschaft für den Reformkurs zu begeistern“, so Schnelle.
Fakten: TuRa besteht seit 144 Jahren und ist damit der zweitälteste Sportverein Braunschweigs. 660 Mitglieder gehören TuRa aktuell an. Das Vereinsgrundstück ist 32 000 Quadratmeter groß. Sportliches Aushängeschild sind die Mädchen der Rhythmischen Sportgymnastik mit zahlreichen Meistertiteln.
Rückblende: Ein neuer Vorstand trat vor vier Jahren mit einem Reformkonzept an. Ein umfangreiches, neu installiertes Kursusprogramm mit Sport-AGs in Schulen, Wassergymnastik im Seniorenstift „Augustinum“ und im Stadtbad sowie Gesundheitsgymnastik in der AOK führte zur Verdoppelung der Mitgliederzahl. Trotzdem ist die finanzielle Situation weiterhin angespannt. Um das Überleben zu sichern, wurde über eine Zusammenarbeit mit Nachbarvereinen nachgedacht. Wegen der Grundstücksgröße gab es Überlegungen, einen Sportpark zu errichten.
Die Situation: Die kleinen TuRa-Abteilungen, von denen eine aus nur zwei Mitgliedern besteht, stellen sich dagegen. Es haben sich zwei Lager gebildet. Auf der einen Seite die mit 300 Mitgliedern größte Abteilung der Gymnastinnen, auf der anderen die kleineren Sparten. Eine „miese“ Schlammschlacht würde geführt, so Tom Schnelle. Er und seine Mitstreiter fühlten sich verletzt, sie fordern mindestens Respekt.
Stadtsportbund-Präsident Franz Matthies befürchtet die Spaltung des Vereins. „Das würde erhebliche wirtschaftliche Probleme mit sich bringen.“ Denn, so Matthies, nicht nur TuRa, sondern viele Vereine hätten Probleme, ihre Sportstätten aufgrund steigender Kosten unterhalten zu können. Für 96 Sportstätten schießt die Stadt Braunschweig in diesem Jahr knapp 1,1 Millionen Euro zu. 2006 waren es noch 3,1 Millionen. „Das reicht natürlich nicht. Die 96 Sportvereine müssen insgesamt zwei Millionen Euro selbst aufbringen für die laufende Unterhaltung ihrer Anlagen“, rechnet Franz Matthies vor.
Der Stadtsportbund-Präsident sieht im Zusammenschluss von Vereinen eine Chance, deren sportliche und wirtschaftliche Achsen zu stärken. Positive Beispiele seien die Zusammenschlüsse von Freie Sportfreunde Braunschweig und SV Siegfried 1992 zum SV Olympia, von BSV und SV Ölper im Jahr 2000, von BSC und Acosta 2007 und nicht zuletzt die Vereinsgemeinschaft des Welfen SC und der Braunschweig Lions, die als eigenständige Vereine gemeinsam die Sportanlage Rote Wiese nutzen. Am Bienroder Weg ergebe sich eine weitere Fusionsmöglichkeit mit SSC Germania, TuRa und Olympia, die sich alle in unmittelbarer Nachbarschaft befänden. Matthies vermutet, dass Vereine, die seit Jahrzehnten eigenständig sind, dies auch erhalten wollen.
Lösungsansatz: „TuRa darf nicht den Bach runter gehen“, bringt es Matthies auf eine knappe Formel. Dazu müssten sich die Verantwortlichen an einen Tisch setzen und ihre unterschiedlichen Auffassungen beseitigen. Dieter Doden räumt ein: „Es gibt keinen sinnvollen Grund, das Reformkonzept zu beerdigen.“ Ob sich das zerschlagene Porzellan nochmal kitten lässt, wird die Mitgliederversammlung am Freitag zeigen.
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