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Regionalligaspiel Braunschweig gegen Hannover: "Kein Polizist zuviel" - Stellungnahme von Eintracht - Reaktion von Oberbürgermeister Ulrich Markurth

Ein massives Polizeiaufgebot auch im Stadion. (Foto: Thomas Ammerpohl)

Polizei zieht ernüchternde Bilanz nach dem Spiel am Dienstag im Eintrachtstadion an der Hamburger Straße

Von Ingeborg Obi-Preuß, 25. September 2014,

"Wir haben die Krawalle erwartet und wir waren gut vorbereitet", zieht Polizeisprecher Joachim Grande zwei Tage nach dem Krawallderby zwischen den zweiten Mannschaften von Eintracht Braunschweig und Hannover 96 Bilanz.


"Nach der so friedvollen Begegnung in der 1.Liga in der vergangenen Spielzeit, war uns klar, dass es einen gewissen Nachholbedarf für die Chaoten geben könnten", erklärt Grande den gewählten hohen Personalaufwand. 800 Beamte waren im Einsatz.
Jetzt wird ermittelt, Fakten zusammengetragen und Videos ausgewertet. Grande rechnet mit 121 Anzeigen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruch, Beleidigung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz, zu denen es schließlich kommen könnte.
Auf jeden Fall werde ermittelt. "Schon am Bahnhof wurden die Beamten mit Böllern aus einem Bus beworfen", sagt Grande.
Dieser Bus mit einem ortsunkundigen Fahrer ist schließlich auf der A 392 in Höhe Ölper Kreuz in einen Stau gefahren. "Die Insassen haben die Türen aufgestemmt und sind auf der Fahrbahn rumgelaufen", erklärt Grande. "Und sie wollten nicht wieder einsteigen", erzählt er von dem Chaos.
Fast parallel waren rund 250 Hannoverfans mit 60 Autos angreist und parkten auf dem Real-Parkplatz an der Hamburger Straße. "Die wollten auf der Hamburger Straße zum Stadion marschieren", berichtet Grande. Das galt es zu verhindern, "denn spätestens in Höhe der Shell-Tankstelle wären sie auf die Eintrachtfans gestoßen." Auch hier wurden wieder Flaschen und Böller auf die Beamten geworfen. Nachdem wieder Ruhe hergestellt war, mussten die Fahrer mühsam aus dem Pulk heraus gebeten werden, in ihre Autos verfrachtet, dann wurden die jeweiligen Mitfahrer den Autos zugeordnet und schließlich ging es mit Polizeibegleitung zum Stadion.
"Das alles führte zu einem kompletter Verkehrsinfarkt", sagt Grande. "Ich kann den Ärger der Pendler, die einfach nur nach Hause fahren wollten, gut verstehen", sagt er, "das ganze Viertel war ja lahmgelegt."

Stellungnahme von Eintracht Braunschweig

"Das Spiel wird weitreichende Konsequenzen haben"
Stellungnahme von Soeren Oliver Voigt zur U23-Begegnung:


Soeren Oliver Voigt, Geschäftsführer der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA, äußert sich zu den Vorfällen rund um die Regionalliga-Partie zwischen der U23 von Eintracht Braunschweig und Hannover 96 :
„Wir distanzieren uns an dieser Stelle von den Begleiterscheinungen des U23-Heimspiels – sie sind für uns nicht zu tolerieren. Deshalb werden wir in enger Abstimmung mit der Polizei in den kommenden Tagen und Wochen alle Vorgänge auf dem Stadiongelände prüfen und unsere rechtlichen Möglichkeiten im Anschluss vollumfänglich ausschöpfen. Es sind seitens der Polizei bereits 121 Strafanzeigen gestellt worden.
Darüber hinaus wird das Spiel weitreichendere Konsequenzen haben. Diesbezüglich werden wir in Absprache mit Hannover 96 das Niedersächsische Innenministerium kontaktieren. Es ist nicht hinzunehmen, dass eine Viertligabegegnung unter derartigen, völlig unverhältnismäßigen Bedingungen und den hiermit verbundenen immensen Kosten durchgeführt wird, nur weil Gewaltsuchende und Kriminelle ein solches Spiel als Plattform suchen.
Normalerweise sehen die Spiele unserer U23 in der Regionalliga durchschnittlich 150 Besucher, dafür sind 18 Ordner eingeteilt. Zu Vorfällen ist es in den vergangenen Jahren nicht gekommen. Bei der gestrigen Begegnung waren 170 Ordner auf dem Stadiongelände im Einsatz. Zu Spielen der Zweitliga-Mannschaft sind bei mehr als 22.000 Zuschauern insgesamt durchschnittlich 330 Ordner tätig.“
Eintracht Braunschweig gibt an dieser Stelle weiterhin bekannt, dass vom Goslarer SC insgesamt 27 bundesweite Stadionverbote ausgesprochen wurden, nachdem es im Anschluss an das NFV-Pokalspiel des Goslarer SC gegen den VfL Osnabrück am 9. August 2014 zu Übergriffen durch so genannte Braunschweiger Anhänger auf Fans des VfL Osnabrück gekommen war.

Reaktion von Oberbürgermeister Ulrich Markurth:

Markurth: Forderung nach Konsequenzen ist richtig
Als erschreckend und völlig inakzeptabel hat Oberbürgermeister Ulrich Markurth die Ereignisse rund um das Spiel der zweiten Mannschaften von Eintracht Braunschweig und Hannover 96 am Dienstag bezeichnet. „Ich finde es unerträglich, was der Öffentlichkeit hier zugemutet wird“, sagte Markurth. „Es ist doch einfach nicht vermittelbar, dass ein Fussballspiel solche Begleiterscheinungen hat, die das öffentliche Leben beeinträchtigen und zu hohen Kosten führen.“ Auch der Polizei, der er für ihren Einsatz danke, sei es nicht zumutbar, regelmäßig den Belastungen solcher Einsätze ausgesetzt zu sein.
Es sei richtig, jetzt genau aufzuklären, die Unruhestifter konsequent zur Verantwortung zu ziehen, und nach weiteren Möglichkeiten zu suchen, den Zugang für Krawallmacher in die Stadien noch besser zu kontrollieren. Er unterstütze aber auch ausdrücklich Überlegungen des Niedersächsischen Innenministers, solche Spiele zur Not auch vor leeren Rängen stattfinden zu lassen. Das wäre bitter für die Vereine und die vielen echten Fans, die einfach ein schönes Sporterlebnis genießen wollten, so Markurth, aber wenn Ereignisse wie am Dienstag anders nicht verhindert werden könnten, müsse das überlegt werden. Für Vereine, Faninitiativen und die Polizei sei es bei aller guter Vorbereitung und Präventionsarbeit nur sehr schwer möglich, so etwas ganz auszuschließen, wenn einzelne, denen es ja gar nicht um den Sport gehe, alles darauf anlegten, bewusst für Unfrieden zu sorgen.
Markurth sagte, dass Ereignisse wie am Dienstag dem Ansehen der Vereine, ihrer Fans, der beteiligten Städte und des Sports allgemein großen Schaden zufügten. „Das finde ich ausgesprochen traurig.“
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