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Nachbarn ziehen gleich mit ein

Wenn das Klinikum aus der Holwedestraße auszieht, wäre dass Gebäude ideal für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt.
 
Setzen sich für gemeinschaftliche Wohnprojekte ein: Eva Spielhaupter und Wolfgang Wiechers. Fotos: T.A.

Fünf Jahre Netzwerk „Gemeinsam Wohnen“ – In Braunschweig gibt’s noch viel zu tun.

Von Marion Korth, 16.09.2015.

Braunschweig. Der Trend ist da, nur die Häuser fehlen. Wer statt gleichgültigem Nebeneinander echte Nachbarschaft, ja Gemeinschaft sucht, muss einen langen Atem haben, so wie die Menschen, die sich unter dem Dach des Netzwerkes „Gemeinsam Wohnen“ gefunden haben. Zum fünfjährigen Bestehen wollen die Netzwerker mit einer Informationsveranstaltung Interessierte ansprechen und Denkanstöße geben – kurzum Bewegung in die Sache bringen.

„Die Leute rufen an und fragen, ob noch eine Wohnung frei ist“, sagt Wolfgang Wiechers vom Netzwerk „Gemeinsam Wohnen“. Sie wissen nicht, dass sich eine Wohnprojektgruppe nach mehr als zehn Jahren aufgelöst hat, weil sich einfach kein stadtnaher Bauernhof gefunden hat. Zuletzt schien eine andere, größere Immobilie bei Wolfenbüttel mit Grundstück geeignet, doch als sich auch dies zerschlug, war es einfach genug mit dem ständigen Warten, Hoffen, Planen.
Bei Letzterem ist Wolfgang Wiechers immer mittendrin. Er bringt nicht nur reichlich Wohngemeinschaftserfahrung mit, sondern hat in Braunschweig Architektur und Stadtplanung studiert. Er ist der Mann vom Fach, um Immobilien auf ihre Tauglichkeit für gemeinschaftliche Wohnprojekte zu prüfen, Pläne zu zeichnen, die künftigen Wohngruppen zu beraten. In der Regel muss die neue Immobilie dafür geeignet sein, mehrere kleine Wohnungen und Gemeinschaftsräume unter einem Dach zu vereinen. Die klassische WG von früher, in der zumeist Küche und auch Bad von mehreren Bewohnern geteilt wurden, ist nicht das Lieblingsmodell heutiger Tage. „Die neuen Alten möchten ihr Leben weiter selbst gestalten, so wie sie das bisher aktiv getan haben, aber sie suchen Wahlverwandtschaften“, sagt Eva Spielhaupter, ebenfalls im Netzwerk engagiert und überdies mit ihrer Gruppe auf Haussuche. „Aber es hat nicht nur mit dem Alter zu tun: Die Menschen können und wollen sich nicht nur auf staatliche Hilfe verlassen“, fügt Wiechers an.
Auf gegenseitige Unterstützung bauen, die Individualität dennoch nicht aufgeben, dieser Grundgedanke ist den meisten gemeinschaftlichen Wohnprojekten gemein. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn so unterschiedlich wie die Menschen sind die Wohnprojekte. Bei den Netzwerk-Stammtischen jeden letzten Dienstag im Monat immer ab 18 Uhr im Mehrgenerationenhaus in der Hugo-Luther-Straße haben sich die Gruppen nach Sympathie und Zielen zusammengefunden. Aktuell sind es zehn Gruppen jeweils mit zehn bis 20 Mitgliedern, die auf Haussuche sind.
In Braunschweig ist einiges in Bewegung. „Die Wohnungsbaugenossenschaften öffnen sich“, sagt Wiechers. Eine Hoffnung für die Gruppe, die am Alsterplatz mit der Nibelungen gemeinsame Sache machen will, auch im Nördlichen Ringgebiet sind gemeinschaftliche Wohnprojekte geplant. Trotz positiver Zeichen bemängelt Wiechers, dass die Stadt keine Eigenregie übernimmt, obwohl bekannt ist, dass Wohnprojekte positiv aufs Stadtquartier abfärben. „Erstmalig ist zwar ein Grundstück für ein gemeinschaftliches Projekt ausgewiesen worden, aber das wurde an einen Bauträger verkauft“, sagt Wiechers. Das Zusammenspiel von privat organisierten Gruppen und privatwirtschaftlichen Trägern sei allerdings für beide Seiten ein schwieriges Geschäft und, das habe die Erfahrung gezeigt, oft zum Scheitern verurteilt. Und auch der umgekehrte Weg, dass erst gebaut und dann die passenden Bewohner gesucht werden, die das Modell mit Leben füllen, habe sich nicht bewährt. „So etwas muss sich von unten aufbauen“, sagt Wiechers.
Geeignete Immobilien gebe es durchaus. Die Netzwerker denken an den Langen Kamp oder auch den Altbau des Klinikums in der Holwedestraße. Eine umfassende Planung, die alle Mieter und Nutzer auf einem Grundstück berücksichtigt, die wünschen sich die Netzwerker, damit es etwas wird mit den neuen Wohnformen in Braunschweig.


INFO

„Neues Wohnen findet Stadt“ - Jubiläumsveranstaltung aus Anlass des fünfjährigen Bestehens des Netzwerkes „Gemeinsam Wohnen“.

Zeit: Samstag (19. September) von 14 bis 18 Uhr.
Ort: Brunsviga, Karlstraße 35.

Programm
13.30 Uhr: Einlass.
14 Uhr: Eröffnung.
14.10 Uhr: Grußwort Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer
14.20 Uhr: Vortrag Cord Soehlke, Tübingens Baubürgermeister, über die Strategie der Stadtentwicklung mit Baugenossenschaften.
15.15 Uhr: Podiumsdiskussion.
16 Uhr: Pause.
16.30 Uhr: Vortrag Michael Beyer-Zamzow (planW, Hannover) über „Moderation und Steuerung von Wohngruppen“.
17 Uhr: Zwei Wohnprojekte stellen sich vor (Graue Haare - buntes Leben aus Wennigsen und Lebenskreise aus Oldenburg.
14 bis 18 Uhr: Infobörse mit Ausstellung.

Begleitprogramm
Buchhandlung Graff: Thementisch bis zum 19. September.
Universum Filmtheater: „Wir sind die Neuen“ am Sonntag (20. September) ab 11 Uhr.
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