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Leben in die Ödnis bringen

Engagieren sich mit ihrem Verein fürs Friedrich-Wilhelm-Viertel (v.l.): Die Fotografin Bärbel Mäkeler, die Diplom-Designerin Astrid Brandt und der Musiker Rainer Hauffe-Bornemann. Derzeit sind in den Schaufenstern an der Friedrich-Wilhelm-Straße Werke der Diplom-Modedesignerin Ann-Kathrin Tansina zu sehen, ab 12. April Objekte von Dagmar Senz. Fotos: leu
 
Hingucker: Seit Kurzem finden in den Schaufenstern an der Friedrich-Wilhelm-Straße regelmäßig Ausstellungen statt. Statt wie früher vorbeizueilen, bleibt der eine oder andere Passant inzwischen stehen. Die Bilder ziehen die Blicke auf sich.

Ein junger Verein will Leerstände für Kunst nutzen – Chance für Viertel abseits der besten Lage.

Von Birgit Leute, 08.04.2017.

Braunschweig. „Hinter der Post ist Schluss“, sagt Astrid Brandt und bringt damit das ganze Dilemma des Viertels auf den Punkt. Die dunkelhaarige Diplom-Designerin sitzt in einem Café und blickt auf die Friedrich-Wilhelm-Straße. Der östliche Teil der Straße sei noch belebt. Im westlichen Teil, Richtung Wallstraße und Bruchtorwall käme der Strom der Passanten dagegen nur noch als Rinnsal an. „Schuld ist der Leerstand“, ist sich die Diplomdesignerin sicher. Mit Kunst wollen sie und ihr Verein die Gegend wieder aufmöbeln – und nicht nur diese.

Vorbild Berlin


„Es ist ein Teufelskreis. Dort, wo Leerstand herrscht, verirrt sich niemand mehr hin. Weniger Passanten heißt aber auch: Geschäfte können sich nicht mehr halten, die Besitzer wechseln häufig, das Viertel sinkt endgültig ab“, sagt Brandt.

Die 54-Jährige will sich mit dieser Entwicklung nicht zufriedengeben. Im vergangene Jahr gründete sie mit dem Musiker Rainer Hauffe-Bornemann den Verein Bskunst.de, der genau diesen Leerstand nutzen will, um Leute wieder anzuziehen. „In Berlin läuft das schon mit Erfolg“, erzählt Brandt.

Bei einem Gang durch Wedding war der Designerin aufgefallen, dass die leeren Schaufenster dort keine Ödnis verbreiten sondern für Kunst genutzt wurden. Ein Konzept, das auch für Braunschweig funktionieren müsste, sagte sich Brandt und nahm kurzerhand Kontakt zum Verein Friedrich-Wilhelm-Viertel auf, der sich ebenfalls schon für das Quartier engagiert. Erstes Ergebnis: In den Schaufenstern zwischen Post und Sportsbar an der Friedrich-Wilhelm-Straße werden mittlerweile Werke von regionalen Künstlern ausgestellt, die im vierwöchigen Turnus wechseln, außerdem finden in regelmäßigen Abständen Performances statt.

„Die Wirkung ist frappierend“, freut sich Hauffe-Bornemann. Statt vorbeizueilen, blieben die Passant tatsächlich interessiert stehen, andere kämen inzwischen ganz gezielt, um sich die neuesten Bilder anzusehen.

„Die Kultfenster sind eine echte Win-Win-Situation: Sie geben dem Viertel Charme und den Künstlern die Möglichkeit, abseits der großen Galerien und trotzdem vor einem breiten Publikum auszustellen“, ist Fotokünstlerin Bärbel Mäkeler, die bereits selbst in den Vitrinen vertreten war, überzeugt.

Fenster und Korridor


Bei den Kultfenstern soll es nicht bleiben. In einem „Corridoio di arte“ („Kunstkorridor“) plant der Verein, weitere Orte zu verbinden und einen städtischen Kunstring zu schaffen, der über Führungen entdeckt werden kann und in Orte auch mal abseits der Pfade führt. „Das Kulturinstitut unterstützt uns bereits. Doch wir suchen noch Sponsoren und würden uns über weitere leere Räume oder Fenster zur Zwischennutzung freuen“, sagt Brandt.

Kontakt


Wer Kontakt zu dem Verein BSkunst.de aufnehmen möchte: Astrid Brandt und Rainer Hauffe-Bornemann sind unter Telefon 05307/95 16 32 oder unter bskunst@t-online.de erreichbar.
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