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Der Schock sitzt bei den Narren tief - doch der Frohsinn siegt

Ernste Gesichter beim Rosenmontagsempfang in der Dornse. Oberbürgermeister Ulrich Markurth machte Mut und appellierte an die Braunschweiger, nicht vor dem Terror zu kuschen.
Braunschweig: Altstadtrathaus |

Rosenmontagsempfang in der Dornse – Die Närrinnen und Narren machen sich gegenseitig Mut.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 17.02.2015.

Braunschweig. „Koordinator Zugdurchlauf“ steht auf seiner Visitenkarte. Seit genau 20 Jahren ist Helmut Reilemann zuständig für den reibungslosen Ablauf des „Schoduvel“, und nun – zu seinem Jubiläum – so etwas: Absage wegen Terrorgefahr! „Mein Jubiläum habe ich mir auch anders vorgestellt“, sagt er noch immer berührt von den Ereignissen.

„Ich war kurz vor 11 Uhr am Sonntagmorgen im Altstadtrathaus und habe dort das Team vom NDR in Empfang genommen“, erzählt Reilemann. Wie jedes Jahr. „Dann hörten wir die Durchsagen der Polizei“, berichtet er. Beamte erklärten ihm den Ernst der Lage, für zwei Stunden war auch das Altstadtrathaus abgeriegelt. „Keiner kam rein, keiner raus“, sagt Reilemann.
„Von Haus aus bin ich eigentlich gar kein Karnevalist“, blickt der Mann mit der Narrenkappe auf den Anfang. Als Chef des damaligen Verkehrsvereins ist ihm das Karnevalsamt „dienstlich“ übertragen worden. Allerdings – der Bazillus hat ihn dann doch erfasst. „Aber in zwei Jahren ist definitiv Schluss“, ist er sicher. Am meisten berührt hat ihn am vergangenen Sonntag die Nachricht, dass seine Enkelkinder Angst um ihren Opa hatten. „Die Mädchen haben geweint“, sagt Reilemann, „das hat mich sehr bewegt.“
Auch für Zeremonienmeister Werner Dornack hat es eine Zugabsage wegen Terrorgefahr noch nie vorher gegeben. „Ich bin seit 33 Jahren dabei“, sagt er, „der erste Zug ging 20 Minuten durch die Innenstadt“, blickt er zurück. Damals war Gerhard Glogowski ehrenamtlicher Oberbürgermeister der Stadt. „Der Umzug war seine Idee“, weiß Dornack.
Zwei Jahre später gründete sich das Komitee. „Aus allen drei Vereinen wurde eine Abordnung gestellt, die sich um den Zug kümmern sollte“, erzählt Dornack. „Wir waren völlig unerfahren, hatten anfangs nur Fußgruppen, die kosteten nicht so viel“, erzählt der Zeremonienmeister und Zugleiter KVR. Die ersten Wagen seien schließlich in Lagerhallen an der Luisenstraße gebaut worden. „Doch die Tore waren zu klein“, erinnert er sich, „die Wagen wurden auseinander gesägt, auf die Straße gebracht und wieder zusammengebaut.“
Auch Zugmarschall Gerhard Baller steckt der Schock über die Terrorgefahr in „seinem“ Karneval tief in den Knochen. „Ich bin so traurig“, wiederholt er immer wieder. Schon als Präsident der Hochschule für Bildende Künste (HBK) feierte er rauschende Karnevalspartys an „seiner“ Hochschule, seit langem gehört er zur Seele des Schoduvels. „Nächstes Jahr starten wir neu“, machte er sich und allen Narren Mut.
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