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„Das Risiko liegt beim Sportler“

Ralf Jäger wacht darüber, dass sich die Formationstänzer an die Anti-Doping-Vorschriften halten

Von Martina Jurk

Braunschweig. Immer wieder erschüttern Dopingfälle nicht nur die Sportwelt. Ganz aktuell ist Dressurreiterin Isabell Werth in einen solchen verwickelt. Doping im Tanzsport – bislang noch undenkbar. Wie schmal aber der Grat ist, „sauber“ zu bleiben, wissen die Formationstänzer des Braunschweiger Tanz-Sport-Clubs (BTSC) nur allzu gut.

Wie alle Sportler unterliegen sie den Vorschriften der Nationalen Anti Doping Agentur (Nada). Dass die eingehalten werden, darüber wacht im Vorstand des BTSC Ralf Jäger. Die Gefahr, eine verbotene Substanz einzunehmen, ist permanent. Regelmäßig schult er die Tänzer, klärt sie auf, wie sie sich verhalten sollen. „Das Risiko liegt immer beim Sportler“, sagt der 39-Jährige. Und Unwissenheit schütze auch hier vor Strafe nicht – im schlimmsten Fall für die ganze Formation. „Die Konsequenzen reichen von der Aberkennung des letzten Titels und der damit verbundenen Zurückzahlung von Fördergeldern bis zur Sperre des Sportlers oder der Formation bis zu einem Jahr“, macht der Dopingbeauftragte das mögliche Ausmaß eines Vergehens klar. Sogar noch ein Jahr lang, nachdem Sportler aus dem aktiven Wettkampfbetrieb ausgeschieden sind, müssten sie sich an die Anti-Doping-Vorschriften halten.
Warum sollten Tänzer dopen, wo es dabei nicht um Höhen, Weiten oder Hundertstelsekunden geht, die zum Sieg fehlen? „Eine Wettkampfkür der Formation ist absoluter Hochleistungssport über fünf, sechs Minuten. Dazu braucht man Ausdauer, die mit Substanzen beeinflussbar ist. Aufputschmittel sind eine weitere Möglichkeit, die Leistung zu steigern“, klärt Jäger auf.
Die A-Standardformation, die national und international das Niveau des Tanzsports mitbestimmt, unterliegt den Meldepflichten des Allgemeinen Testpools der Nada. Der Agentur muss ein Rahmentrainingsplan vorliegen, die Sportler haben Abmeldepflichten, müssen ihre Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Hotelaufenthalte, Turnierorte mitteilen. Sie können jederzeit unangemeldet kontrolliert werden. Fünfmal im November und mehrmals im Frühjahr tauchten die Kontrolleure beim Training auf. Seit 2008 ist die Kontrolldichte auch beim Deutschen Tanzsportverband deutlich erhöht worden. Rund 60 Kontrollen will die Nada bei Tanzsportlern mit A-, B-, C- und D/C-Kaderzugehörigkeit durchführen – fast zehnmal mehr als noch 2007.
Seit dem 1. Januar dieses Jahres gilt eine neue Liste verbotener Wirkstoffe und Methoden. Neben Medikamenten, deren Wirkstoffe auf der Dopingverbotsliste stehen, warnt die Agentur vor kontaminierten Nahrungsergänzungsmitteln. Sie können dem Dopingverbot unterliegende Steroidhormone enthalten. „Unsere Tänzer werden dazu angehalten, vom Arzt verschriebene Medikamente kritisch zu hinterfragen. Die Listen der Hausärzte sind in der Regel unaktuell“, meint Ralf Jäger. Vereins- und Verbandsärzte, das Internet sowie die Nada, in deren Medikamentendatenbank knapp 2500 Medikamente und Wirkstoffe gespeichert sind, würden bei Fragen und Zweifel die Sportler informieren. „Vereins- und Verbandsärzte referieren zum Thema und sind für unsere Tänzer die medizinischen Ansprechpartner“, weiß Jäger. Es gebe selbstverständlich medizinische Ausnahmegenehmigungen. Eingenommen werden dürfe das Medikament aber erst mit Erlaubnis der Nada. „Brenzlig werden kann es bei Notfällen. Diesen Fall hatten wir. Eine Tänzerin nahm ein Mittel ein, bevor die Nada ihre Zustimmung gegeben hatte. Das bescherte uns einige schlaflose Nächte“, berichtet Ralf Jäger.
Der Dopingbeauftragte und gleichzeitige Formationsmanager findet die Anti-Doping-Regelungen richtig. „Tanzen ist ein dopingfreier Sport, und wir wollen zeigen, dass dieser Sport sauber ist.“ Der BTSC und drei weitere Erstliga-Formationen sehen sich als Vorreiter im deutschen Tanzsport. Um das zu demonstrieren, verpflichten sie sich vor jedem Wettkampf handschriftlich, dass sie die Regeln anerkennen.
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