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„Das Leben ist eine gute Reise“

Hospiz Braunschweig feierte fünfjähriges Bestehen – Ausstellung „Hand aufs Herz“.

Von Martina Jurk, 25.03.2012.


Braunschweig. „Das Leben ist eine gute Reise, auch über den Tod hinaus“, sagte Pastor Friedhelm Meiners den rund 250 Gästen, die gestern zum Gottesdienst in die Martinikirche gekommen waren. Der Anlass: Das Hospiz Braunschweig feierte fünfjähriges Bestehen.

Unheilbar erkrankte Menschen verbringen ihre letzten Tage, Wochen oder Monate im Hospiz Am Hohen Tore. 22 haupt- und 44 ehrenamtliche Mitarbeiter gestalten ihnen eine würdevolle Zeit des Loslassens. Sie begreifen die Zeit des Sterbens als eine Zeit des Lebens. Wer im Hospiz wohnt, wird als Gast bezeichnet. 950 Gäste, unabhängig von Religionen, beherbergte das Haus seit Bestehen. Angehörige von Verstorbenen, Vertreter des gesellschaftlichen und politischen Lebens sowie Menschen, die sich für die Arbeit im Hospiz interessieren, füllten sämtliche Plätze in der Martinikirche.
So liebe- und würdevoll, wie der Gottesdienst von den Hospizmitarbeitern unter der Regie von Leiter Michael Knobel vorbereitet, organisiert und gestaltet wurde, so geborgen fühlen sich die Menschen auf ihrem letzten Weg. Das achte Gästebuch sei inzwischen aufgeschlagen, in das Gäste und ihre Angehörigen und Freunde etwas hineinschreiben, sagte Pflegedienstleiterin Eva Reuleke. Sie las aus dem Buch vor. Einer habe geschrieben, die Menschen, die ihn im Hospiz begleitet haben, seien an Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht zu überbieten.
„Die Sterbenden denken bewusst über ihr Leben nach. Daraus entwickeln sich interessante Gespräche“, erzählte Karin Kalsen. Die stellvertretende Hospiz-Leiterin führte Interviews mit den Gästen, zeichnete die Gespräche mit deren Einverständnis auf.
Auch Pröpstin Uta Hirschler und Pastor Friedhelm Meiners hätten gelernt, dass sich die Menschen im Hospiz auf das Wesentliche konzentrieren, dass sie den „Kleinkram“ beiseite lassen, dass sie sehen, was im Leben wichtig ist. „Das Leben ist eine gute Reise, auch über den Tod hinaus.“
So fühlte auch die Braunschweiger Fotografin Birgit Kießling. Nach der Diagnose einer unheilbaren Krankheit blühte sie im Hospiz noch einmal auf. Sie fotografierte die Hände der anderen Gäste, um so die Vielfalt des Lebens und Sterbens zu dokumentieren. Es sollte ein letztes künstlerisches Projekt sein. Ein fünfköpfiges Studententeam um Professorin Meike Watzlawik führte Interviews mit den Gästen und verfasste die Texte zu den Fotos. Bevor das Projekt beginnen konnte, starb Birgit Kießling 2010 im Alter von 63 Jahren. „Das Fotoprojekt ist nun ihr gewidmet. Es ist größer geworden, als wir geplant hatten“, sagte Psychologiestudentin Lisa-Marie Rutter.
Das Projekt ist als Ausstellung mit dem Titel „Hand aufs Herz – Menschen im Hospiz“ gestern in der Martinikirche am Eiermarkt eröffnet worden und ist bis zum 30. April zu sehen. Der Eintritt ist frei.
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