Anzeige

Damit alle Kinder stark ins Leben gehen können

50 Jahre Verein zur Förderung körperbehinderter Kinder – Viele Therapieangebote – Großes Fest zum Jubiläum.

Von Michael Michalzik, 02.09.2017.

Braunschweig. Ein Kind kommt auf die Welt – und hat eine schwere körperliche Behinderung. Mit einem Schlag ändert sich das Leben der ganzen Familie: Der Nachwuchs braucht besonders viel Zuwendung. Das belastet Eltern und Geschwister. Und für das Kind selbst beginnt eine entscheidende Phase seines gerade erst begonnenen Lebens: Es muss möglichst früh intensiv gefördert werden, damit es lernt, später trotz seiner Einschränkungen offen ins Leben zu gehen – gestärkt von seinem Umfeld, mutig gemacht durch immer neue Erfolge.

Der Braunschweiger Verein zur Förderung körperbehinderter Kinder – KöKi e.V. – leistet seit nunmehr 50 Jahren diesen besonderen Beitrag, unterstützt Familien, therapiert, bringt Gleichgesinnte zusammen und macht sich in vielen städtischen Netzwerken für das Miteinander von Menschen mit und ohne Einschränkungen stark. Gefeiert wird das Jubiläum am 9. September mit einem großen Fest.

„In den 60er-Jahren wurden behinderte oder auffällige Kinder mehr oder minder versteckt“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins, Heidi Bitterberg. Betroffene Eltern führten damals Einzelgespräche, baten Schulen inständig, ihre Kinder aufzunehmen. Ein Zustand, den sich beherzte Braunschweiger nicht länger ansehen wollten: Am 4. September 1967 wurde KöKi gegründet. Zunächst in privaten Räumen und Büros. Erst einmal ging es um Therapien, um Krankengymnastik. „Dann hörten die Mitglieder von einer neuen Behandlungsmethode – dem therapeutischen Reiten“, berichtet Bitterberg. Die Skepsis war groß. Behinderte Kinder auf ein Fluchttier setzen? Doch ein Besuch auf einem Reiterhof brachte nur positive Eindrücke: Seit 1968 gehört therapeutisches Reiten zum KöKi-Angebot, unterstützt vom Lions Club sowie dem Reit- und Fahrverein. KöKi hat damit deutschlandweit eine Vorreiterposition eingenommen. Die Ergebnisse sprechen für sich. „Die Nachhaltigkeit der Behandlung ist faszinierend“, so Bitterberg.

Mehrere Umzüge des Vereins innerhalb der Stadt brachten immer größere Räumlichkeiten mit sich, der Bedarf stieg weiter. 1994 war das Jahr einer bedeutsamen Veränderung. „Wir erhielten erstmals eine Kassenzulassung“, erinnert sich Heidi Bitterberg, die seit 23 Jahren Geschäftsführerin von KöKi ist.

Das bedeutete einerseits die Möglichkeit, Angebote über die Krankenkassen abzurechnen. Andererseits stieg das kaufmännische Risiko, weil die Zahl fest angestellter Mitarbeiter zunahm: „Das war eine spannende Zeit. Aber wir sind gut damit gefahren, fest in das System eingebunden zu sein.“ Auch die Stadt unterstützt die Arbeit mit Zuschüssen. Ein wesentlicher Pfeiler aber sind und bleiben Spenden: „Ohne geht es einfach nicht. Wir haben viele Unterstützer, und das ist toll.“ So spendete die Neue Braunschweiger bereits 1992 einen Rekorderlös von 8000 Mark aus dem Event „Jazz an der Oker“.

Die Therapieangebote wurden im Laufe der Zeit immer umfangreicher. Seit dem Umzug in den Bebelhof im Jahr 2001 verfügt KöKi über fast 500 Quadratmeter Fläche für die Arbeit mit beeinträchtigten Kindern und ihren Familien. Ganz wichtig ist dabei die Frühförderung. „Wenn ein Kind merkt, dass es nicht so kann wie andere, kommt es zu Misserfolgs-Erlebnissen. Wenn es aber einen langsamen, kontinuierlichen Entwicklungsprozess erfährt, fällt das Kind gar nicht erst in eine Negativkurve“, führt Heidi Bitterberg aus.

Das kann in manchen Fällen sogar bedeuten, dass eine Behinderung erfolgreich therapiert wird. Immer wieder melden sich Familien, um zu berichten, dass ihre Kinder nach der Zeit mit KöKi selbständig ihren Weg in die Gesellschaft gefunden, eine Ausbildung gemacht haben und in Lohn und Brot stehen: „Das freut uns natürlich sehr, denn das ist ein Beitrag für alle.“ Natürlich gibt es auch Fälle, in denen Eltern wissen, dass ihr Kind aufgrund der Schwere seiner Behinderung niemals das Erwachsenenalter erreichen wird: „Wir fahren zum Teil viele Kilometer, um Palliativtherapie in den Familien zu leisten. Das erstattet keine Krankenkasse, aber wir wollen das einfach tun.“ Möglich wird auch dies durch Spenden. Ebenso wie gemeinsame Freizeiten, in denen auch die Geschwisterkinder sich austauschen und alle gemeinsam grundlegende Erfahrungen machen: „Wenn wir dann Essen gehen, und von Außenstehenden gibt es im Restaurant seltsame Blicke, dann ist man in der Gruppe stärker, sie zu erwidern. Familien können daraus lernen. Es bestärkt sie, sich zu trauen, auch allein mit ihren Kindern nach draußen zu gehen.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.