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Werbekampagne: Der ferne Osten ruft

Hochschulen werben für ein Studium in den neuen Bundesländern – „Fernost-Express“ kommt am Sonnabend.

Von Marion Korth, 15.06.2011

Braunschweig. Yasmin Tawalbeh verteilt bei ihrem Redaktionsbesuch Glückskekse. „Studieren in Fernost“ steht darauf. Yasmin Tawalbeh ist Sprecherin der gleichnamigen Kampagne. Fernost, damit ist in diesem Fall nicht China gemeint. Fernost beginnt gleich nebenan. „Für viele ist der Osten gefühlt ganz fern“, sagt sie. Das soll sich ändern.

Die Hochschulinitiative Neue Bundesländer macht am Sonnabend (18. Juni) von 10.30 bis 18 Uhr mit dem „Fernost-Express“ am Ritterbrunnen am Schloss Station, will für die 44 staatlichen Hochschulen, die sie vertritt, werben und mit Abiturienten, Eltern und Studierenden auf Augenhöhe ins Gespräch kommen. Es geht darum, eine Schieflage auszugleichen: Überfüllte Hörsäle im Westen, freie Studienplätze im Osten.
„Wahl nicht bereut“
Norbert Doktor ist Maschinenbauer und Pressesprecher der Hochschule Magdeburg-Stendal. Äußerungen wie, „bei ihnen möchte ich nicht tot über dem Zaun hängen“, hat er nicht so schnell vergessen. „Aber der Osten ist mehr als nur Platte“, sagt er. Mittlerweile macht er einen „sachten Stimmungswandel“ aus. „Die Vorurteile relativieren sich zum Guten.“ Zumindest bei denjenigen, die kommen, um sich selbst ein Bild zu machen.
Katharina Große-Schwiep stammt aus Nordrhein-Westfalen, von der niederländischen Grenze zog sie nach Ilmenau, wo sie an der Technischen Universität Medienwirtschaft studiert. „Ich musste erst nachschauen, wo Ilmenau überhaupt liegt“, sagt sie. Vorurteile habe sie eigentlich nicht gehabt, allein ihr Studienfach brachte sie in den Osten. Nach dem Bachelor macht sie nun auch ihren Master in Thüringen – eine bewusste Entscheidung. Eine Hürde habe es allerdings gegeben: „Der Dialekt, ich habe am Anfang gar nichts verstanden“, sagt sie. Ansonsten habe sie ihre Wahl keinen Tag bereut, versichert sie. Mit vier, fünf Leuten für ein paar Wochen die Medienlabore zu nutzen – kein Problem. Mal eben bei ihrem Professor vorbeischauen, das gehe auch ohne Termin. Die Begeisterung der 23-Jährigen für Ilmenau ist so groß, dass sie erst ehrenamtlich und mittlerweile – weil es so viel geworden ist – gegen Aufwandsentschädigung als „Botschafterin“ für die Hochschulen im Osten unterwegs ist.
Argumente für „Fernost“
Für die ostdeutschen Hochschulen spreche, dass sie keine Studiengebühren erheben. Aber Yasmin Tawalbeh zählt noch mehr auf: Die meisten Studierenden machen ihren Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit. Geringe Lebenshaltungskosten und Mieten seien weitere Pluspunkte. Dazu kommt, dass alle Hochschulen „durchsaniert“ seien und über moderne Labore verfügen würden. Eine Umfrage habe ergeben, dass Personalverantwortliche die Qualität der Ausbildung als sehr gut einschätzen. Trotzdem hält sich die Wanderungsfreudigkeit der Westdeutschen in Grenzen.
Norbert Doktor spricht von einem „starken Wettbewerb“ zwischen den Hochschulen, der nicht nur Magdeburg betreffe. Wenn sich die Prognosen bewahrheiten, wird im Jahr 2020, was die Zahl der Studierenden betrifft, nur noch 40 Prozent des heutigen Standes erreicht. „Dann kann es auch zu Schließungen einzelner Fächer kommen“, befürchtet er. Aber noch ist es nicht so weit, und deshalb lädt er junge Leute ein, die „Uni im Grünen“ mit der Elbe in Schrittweite kennenzulernen.
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