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Wenn Virusinfektionen den Klinikablauf stören

Patienten im Klinikum Braunschweig nach Infektion mit Norovirus isoliert – Besondere Hygienemaßnahmen – Auswirkungen auf Stationsablauf.

Von Martina Jurk, 09.05.10

Braunschweig. Das Noro-Virus ist permanent unter uns, vor allem dort, wo viele Menschen sind. In der Unfallchirurgie Holwedestraße des Klinikums Braunschweig wurden jetzt Patienten isoliert, die sich mit dem Erreger infiziert hatten. Für Ärzte, Pflegepersonal und für Besucher eine besondere Situation.

„Die Infektiosität des Virus ist sehr hoch, und es breitet sich sehr schnell aus, vor allem in Gemeinschaften wie Krankenhäusern, Altenheimen, Kindergärten“, sagt Professor Dr. Wilfried Bautsch, Krankenhaushygieniker am Klinikum Braunschweig. Für Ärzte, Pfleger und Besucher gelten in diesem Fall besondere Hygienevorschriften. Der Aufwand sei groß, aber ohne das Einhalten von Hygieneregeln würde das Virus sich in Windeseile in der ganzen Klinik ausbreiten.
Seit 2001 ist die Virusinfektion meldepflichtig und seitdem ist nach Angaben des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes eine Zunahme der gemeldeten Erkrankungen zu erkennen. Gab es laut Statistik des Robert-Koch-Institutes 2001 9223 Erkrankungen, so waren es 2004 bereits 64 973 Fälle. In den vergangenen zwei bis drei Jahren habe die Zahl der Infektionen weiter zugenommen, so Bautsch. Das Krankheitsbild: tagelange Übelkeit, heftiges Erbrechen und starke Durchfälle.
„Wir haben genaue Handlungsanweisungen. Patienten mit Verdacht auf eine Noroviruserkrankung werden 72 Stunden lang isoliert“, sagt Heike Chmela, Stationsleiterin der Chirurgie I und III in der Klinik Holwedestraße. Auch wenn der „Spuk“ nach 72 Stunden vorüber sei, müssten noch 14 Tage danach die Hände mit speziellen Mitteln desinfiziert werden.
Manche Angehörige würden die Isolierung des Patienten mit dem Wort „Quarantäne“ gleichsetzen. Die allerdings werde behördlich vom Gesundheitsamt angeordnet, klärt der Krankenhaushygieniker auf. Eine Isolierung von Patienten dagegen sei Hausrecht der Klinik zum Schutz der anderen Patienten. „Die Verhaltensregeln beginnen bereits bei der Aufnahme. Besteht bei einem Patienten der Verdacht auf eine Noroviruserkrankung, wird sofort ein Test gemacht. Bestätigt sich der Verdacht, müssen alle Berufsgruppen, also Ärzte, Pfleger und auch das Reinigungspersonal, Handschuhe, Mundschutz und Kittel tragen und die Hände desinfizieren. Das alles trifft auch für die Besucher zu“, erklärt Heike Chmela. Auch die Angehörigen würden informiert über notwendige Hygienemaßnahmen. „Da sind intensive Gespräche nötig“, meint die Stationsleiterin. Besucher würden ein besonderes Risiko darstellen, sich anzustecken und das Virus im Krankenhaus zu verbreiten.
„Bei einer Isolation muss wegen des deutlichen Mehraufwands der gesamte Stationsablauf verändert werden“, sagt Pflegedienstleiterin Petra Seibert. Allein die „Vermummung“ nehme viel Zeit in Anspruch. Kittel, Handschuhe und Mundschutz müssten bei jedem Betreten der Zimmer gewechselt werden. Es falle demzufolge mehr Wäsche an, die in einem Doppelsackverfahren „entsorgt“ wird.
Werden die Verhaltensregeln missachtet, habe das im Ansteckungsfall personelle Auswirkungen. „Wenn fünf Mitarbeiter ausfallen, dann ist das für uns ein Problem“, meint Petra Seibert. „Bisher haben wir das immer gepackt durch Überstunden und Hilfe von anderen Stationen.“
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