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Von Opfern und Tätern

Autor aus Passion: Victor Ast. Foto: privat

Victor Ast stellt mit „In der Schlinge“ eine Gewissensfrage.

Von Birgit Leute, 23.12.2015.

Braunschweig. Was ist schlimmer: Einen Vater zu haben, der im Dritten Reich zu den Tätern gehörte oder einen Vater zu haben, der zu den Opfern zählte? Autor Victor Ast konfrontiert in seinem Buch „In der Schlinge“ mit einer nicht ganz leicht zu beantwortende Frage.

1969: Der Physiker David Fastmann macht sich auf den Weg von New York nach Frankfurt, um den Mörder seiner Familie zu treffen: Hauptmann Heinrich Schulze, der sich inzwischen Albert von Riddagshausen nennt, hatte 1943 die Eltern und die Schwester von Fastmann erschossen. Der junge Physiker ist entschlossen, von Riddagshausen und dessen Familie mit der Vergangenheit zu konfrontieren und ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Doch die Begegnung verläuft anders als erwartet...

„Es gab mehrere Gründe, warum ich dieses Buch schreiben musste“, erzählt Victor Ast, der eigentlich Victor Lipowicz heißt und als Ingenieur in Braunschweig arbeitet. Zum einen sei da die persönliche Geschichte. „Mein Vater war Jude, der seine ganze Familie im Holocaust verloren hat. Ich habe gesehen, wie er weinte, als er mir das erzählte. Schon damals fragte ich mich, ob die Kinder der Opfer – trotz des Schicksals – nicht besser mit der Familienvergangenheit leben können, als die Kinder der Verbrecher, die an der Schuld mittragen.“

Die Last mit der Vergangenheit – das beobachtet der gebürtige Pole immer wieder in Deutschland, obwohl es doch keineswegs so gewesen sei, „dass alle Deutschen Nazis waren“. „Schauen Sie sich nur die aktuelle Flüchtlingspolitik an und wie andere europäischen Länder damit umgehen. Man hat das Gefühl, Deutschland fühlt sich ganz besonders verpflichtet, eine Willkommenskultur zu zeigen.“

Ein nachdenkliches Thema also das Ast in seinem Buch aufgreift und dennoch: Er wollte es nicht schwer, sondern leicht verpacken – als Spionage-Thriller. Gleich zwei Geheimdienste versuchen von Riddagshausen zu erpressen, damit dieser an die Ergebnisse von Fastmanns Forschungen kommt.
„Es ist immer die Frage, für wen man schreiben will. Für mich stand sofort fest, hätte sich die Geschichte nur um Fastmann und von Riddagshausen gedreht, dann hätten sich dafür zwar die Intellektuellen, aber sonst niemand interessiert. Und so habe ich ein bisschen Action drum herum gemacht, damit das Buch auch für die anderen spannend wird“, sagt Ast, der nur drei Monate an dem Buch schrieb, schmunzelnd. Das polnische und das bayrische Fernsehen waren bereits an einer Verfilmung interessiert.

Victor Ast, In der Schlinge, erschienen im Pro Business-Verlag 2014,12,90 Euro.
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