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Spritzig, launig: Mit Heinz Erhard gegen den Winter-Blues

Das spielfreudige Ensemble des„Kleingarten-Königs“: Gaby Blum, Kai Szacknys, Elina Joers, Patrick L. Schmitz und Botond von Gaal (es fehlt Klaus Krückemyer). Foto: imagemoove

Komödie am Altstadtmarkt feiert mit „Der Kleingarten-König“ eine bejubelte Premiere

.Von Axel Emmert, 15.11.2017.

Braunschweig. Die Legende lebt: „Heinz Erhardt“, einer der beliebtesten Komiker der 50er und 60er Jahre, ist wiederauferstanden.

Zumindest auf der Bühne der Komödie am Altstadtmarkt. Dort schlüpft derzeit Patrick L. Schmitz in dem Lustspiel „Der Kleingarten-König“ in die Rolle des Komödianten aus der Zeit des Wirtschaftswunders – und das verdammt nahe am Original. Eine launige Geschichte, die im tristen November mehr als gut tut gegen den „Winterblues“.

Regisseur Andreas Werth hat pointiert und mit flotter Hand eine schwungvolle Komödie inszeniert, die sich ganz dem Kampf des „Otto Normalverbrauchers“ gegen die Übermacht der großen Bonzen widmet.

Das liegt nicht zuletzt an dem Bühnenbild, das mehr als gelungen ist. Die Zuschauer quittierten die liebevolle und originelle Dekoration mit einem spontanen Applaus als sich erstmalig der Vorhang öffnete und noch kein Schauspieler auf der Bühne zu sehen war. Zwei kleine Lauben, die eine hübsch und aufgeräumt – dort „wohnt“ Elvira Engel mit ihrer Tochter Gabi –, die andere schräg und unordentlich dort „haust“ Junggeselle Horst. Zusammen eingebettet in das typische Bild einer Kleingartenkolonie, wie es noch heute vielerorts zu sehen ist.

Dass dabei ausgerechnet eine Ikone der deutschen Nachkriegsunterhaltung eine große Rolle spielt, hätte dem damals so gefeierten Heinz Erhardt sicherlich gut gefallen. Denn das, was Patrick L. Schmitz in der Rolle des beliebten Komikers abliefert, war und ist mehr als sehens- und erlebenswert. Damit sollen die anderen Darsteller – Gaby Blum als Elvira Engel, Elina Joers als ihre Tochter Gabi, Kai Szacknys als Vorsitzender der Laubenpieper, Botond von Gaal als schwergewichtiger italienischer Nudelfabrikant und Klaus Krückemeyer in einer Doppelrolle als Gartenfreund Horst sowie als Archäologe Konstantin von Immig – nicht geschmälert werden.
Doch die Story ist ganz auf die Hauptrolle „Willy Witzmann“ zugeschnitten. Die Bühnenpräsenz des Patrick L. Schmitz ist so groß, dass selbst dann, wenn er gerade nichts zu sagen hat und quasi „nur rumsteht“, seine Gesten und seine Mimik so sehr an Heinz Erhardt erinnern, dass der Zuschauer den Blick nicht von ihm wenden kann. Auch die Gedichte im Stil von Erhardt, neu verfasst von Autor Jan Exler, die Schmitz immer wieder dazwischen streut, sind weitaus besser und origineller als in vielen anderen vermeintlich lustigen Komödien, in denen Autoren oftmals nur aus einem Witzebuch zitieren.

Insgesamt ist die Sechziger-Jahre-Story schlüssig, kurzweilig und unterhaltsam. Der Nudelfabrikant aus Italien, der mit dem Kleingartenvereins-Vorsitzenden gemeinsame Sache macht und die Laubenpieper vertreiben will, könnte sich auch heute noch so abspielen. Bauland wird immer begehrter, das müssen derzeit ja auch einige Kleingärtner schmerzlich erfahren.
Die haben im Übrigen die Schirmherrschaft für die Produktion übernommen. Sie wissen warum: So machen sie auf spielerisch leichte Art und Weise auch auf ihre Probleme, ihre Kleingarten-Oasen zu erhalten, aufmerksam.
Und zugleich hat die Komödie auch noch eine politische Botschaft: Das Happy End der Geschichte ist der Erhaltung eines Stückchens gewachsener Natur – heute wichtiger denn je, wo die Umweltverschmutzungen Tag für Tag zunehmen.
Vielleicht eine der größten Herausforderungen der Zeit, ein lebenswertes Klima zu fördern und zu erhalten, wird derzeit auf der Bühne witzig und spielerisch umgesetzt. Das Premierenpublikum dankte dem spielfreudigen Ensemble mit herzlichem Applaus, was überaus verdient war.
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