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Seit 15 Monaten wird „fairkauft“

Sozialkaufhaus der Lebenshilfe hat die Startschwierigkeiten gemeistert und zieht positive Bilanz.

Von Jens Radulovic, 27.03.2011

Braunschweig. Eike Walf zeigt auf ein Regal mit Tafelservice-Teilen, Backformen und Geschirr. Der 45-Jährige ist in seinem Element, die Abteilung mit Hausratsgegenständen ist einer seiner Arbeitsschwerpunkte im Fairkauf. Das Kaufhaus bietet ein großes Sortiment, von Bekleidung und Schuhen über Bücher und CDs bis hin zu Möbeln.

Walf ist ein „Mann der ersten Stunde“, er hat im November 2009 geholfen, das Sozialkaufhaus der Lebenshilfe in der Stecherstraße einzuräumen. Er zieht für sich eine positive Bilanz: „Mir gefällt es hier, weil ich mit vielen Leuten in Kontakt komme. So habe ich nicht nur den Warenumgang gelernt, sondern auch, mit den unterschiedlichsten Kunden umzugehen und jeden nach seinen speziellen Bedürfnissen zu beraten“, erzählt er.
Walf ist einer von über zehn Menschen mit Behinderung, die durch das Kaufhaus eine arbeitsmarktnahe Beschäftigung als Einzelhandelsverkäufer im Herzen der Stadt erhalten haben. „Die Arbeiten sind die, die auch im übrigen Einzelhandel anfallen, nur dass hier noch Fachkräfte unterstützend zur Seite stehen“, sagt Elke Franzen, Pressesprecherin der Lebenshilfe.
Die Lebenshilfe zieht als Träger ebenfalls ein positives Fazit der ersten 15 Monate. „Nicht nur, dass wir den Menschen mit Behinderung eine herausfordernde Beschäftigung bieten können, das Kaufhaus trägt sich mittlerweile auch selbst“, sagt Ulrich Semmler, Lebenshilfe-Bereichsleiter Arbeit.
Davon habe man im Voraus nicht sicher ausgehen können. „Das Konzept ist zwar andernorts schon erfolgreich umgesetzt worden, aber wir waren uns nicht sicher, ob die Braunschweiger das Kaufhaus auch annehmen würden“, sagt Semmler. Dass sie es tun, freut den Bereichsleiter sichtlich. „Sie spenden nicht nur fleißig, sie kaufen auch hier ein.“
Manchmal auch beides gleichzeitig. „Ich habe es schon erlebt, dass Spender hier vorbeikamen, um sich mal anzusehen, wo ihre Spenden gelandet sind, beim Rundgang dann selber fündig wurden und am Ende mit vollem Warenkorb an der Kasse standen“, erzählt Verkäufer Walf.
Mittlerweile hat sich sogar eine Stammkundschaft gebildet. „Viele kommen hierher, um soziale Kontakte zu pflegen, unser Kaufhaus hat sich zu einem Ort der Kommunikation entwickelt“, hat Semmler beobachtet.
Das Angebot entsprechend der Nachfrage vorrätig zu haben, sei nicht ganz einfach, wenn man auf Spenden angewiesen ist. „Insbesondere Herrenbekleidung, Herrenschuhe und Geschirr sind meist knapp“, sagt Semmler. Und vermutet: „Wahrscheinlich kommen da weniger Spenden, weil die Herren der Schöpfung dazu neigen, ihre Sachen bis zum bitteren Ende zu tragen.“
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