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Rechnung geht (noch) nicht auf

Berufe: Jugendliche halten an Favoriten fest.

Von Marion Korth, 13.07.2011

Braunschweig. Eigentlich gibt es genügend Ausbildungsplätze, sogar mehr als Bewerber. Trotzdem werden viele Jugendliche bei der Suche leer ausgehen. Das soll sich ändern.

„Die Jugendlichen fassen bei der Berufswahl nur ein sehr beschränktes Feld ins Auge“, sagt Harald Eitge, Leiter der Agentur für Arbeit in Braunschweig. Jugendliche wollen bevorzugt Einzelhandelskaufmann, Kfz-Mechatroniker oder Koch werden. „Die zehn beliebtesten Berufe haben sich in den vergangenen 30 Jahren kaum verändert“, sagt Eitge. Im August beginnt nicht nur das neue Ausbildungsjahr, sondern auch das Projekt „Berufsorientierung Braunschweig“, kurz „Bobs“ genannt. Schülern ab der achten Klasse soll der Blick auf die Vielfalt der Berufsmöglichkeiten eröffnet werden.
Unabhängig davon stellt die nB in der Serie „Auf die Plätze…“ eine Auswahl interessanter Ausbildungsberufe vor, für die noch Bewerber gesucht werden.
Rein statistisch gesehen geht die Rechnung fast auf: Ein Ausbildungsplatz kommt auf 0,9 Bewerber. Die Zahlen zeichnen aber nur ein ungenaues Bild der Wirklichkeit. Für manche Ausbildungsangebote stapeln sich die Bewerbungen, für andere scheint sich niemand zu interessieren. „Die Massenmedien lenken den Fokus auf bestimmte Berufe“, sagt Harald Eitge, Leiter der Agentur für Arbeit in Braunschweig, „und wir haben es bis heute nicht geschafft, den Blick der Jugendlichen zu verändern.“ Das Projekt „Bobs“ soll die Trendwende bringen. Nach den Sommerferien soll das Projekt in den ersten Schulen beginnen.
In Salzgitter seien mit einem ähnlichen Ansatz erste Erfolge erzielt worden. „Da ist es gelungen, einen technischen Beruf unter die Hitliste der ersten zehn zu mogeln“, sagt Eitge. In Braunschweig soll beginnend ab Klasse acht ein Berufseignungstest, bei dem die besonderen Fähigkeiten der Schüler herausgearbeitet werden, Praktika und die Information der Eltern, deren Vorstellungen ebenfalls die Berufswahl beeinflussen, in den Schulunterricht eingebaut werden. Das Interesse der Schulleiter, an dem Projekt teilzunehmen, sei groß.
„Unser Ziel ist es, das Fachkräftepotenzial in der Region sicherzustellen und dafür zu sorgen, dass möglichst viele hier eine Stelle finden“, sagt Eitge. In den Bereichen Elektro, Metall und Logistik bestünden derzeit echte Schwierigkeiten, die Nachfrage nach Mitarbeitern zu decken. Auf der anderen Seite aber möchten rund 30 Prozent der Mädchen, die Abitur machen, Tierarzthelferinnen werden. Welche Berufe regional gesehen besonders gute Zukunftsaussichten versprechen, werde kaum beachtet. Außerdem hätten viele ein verklärtes Bild des Berufsalltags. Sie möchten Fernsehkoch wie Tim Mälzer werden, aber vergessen, dass vor dem Kochen das Gemüse geputzt werden muss. Auch deshalb seien Praktika so wichtig.
Die Kontakte zur Wirtschaft sollen auch die Chancen derjenigen verbessern, die schlechte Noten haben. „Ein Zeugnis sagt nicht alles“, meint Eitge. Direkt im Betrieb können die Jugendlichen vielleicht mit handwerklichem Geschick oder besonderem Eifer punkten.
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