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Operation durchs Schlüsselloch

Methode wird im Klinikum Braunschweig bei instabilen Wirbelkörperfrakturen angewendet.

Von Martina Jurk, 21.07.10

Braunschweig. Daniela Moldehn lacht wieder. Durch einen Sturz beim Inline-Skaten hatte sich die 21-Jährige einen Wirbel gebrochen. Bereits drei Wochen nach der Operation mit einem neuen Verfahren, der OP durchs Schlüsselloch, begann ihre berufliche Wiedereingliederung.

Etwa 4000 Menschen in Deutschland verletzen sich jedes Jahr an der Wirbelsäule. Bis zu 20 Patienten werden pro Monat in die Unfallchirurgie des Braunschweiger Klinikums an der Holwedestraße eingeliefert, jeder Fünfte muss operiert werden, weil die Fraktur des Wirbelkörpers instabil ist. Neurologische Komplikationen oder gar eine Querschnittslähmung könnten die Folge sein. Oberarzt Dr. Ernst Rzesacz führt seit Februar 2010 die neue Technik der perkutanen (durch die Haut hindurch) Stabilisierung der Wirbelsäule bei frischen, instabilen Wirbelkörperfrakturen ein. Zwölf Patienten wurden seitdem mit dieser Methode in der Holwedeklinik erfolgreich operiert. Daniela Moldehn ist eine davon.
„Dass ich mich für diese OP-Methode entschieden habe, war gut. Nach der Operation hatte ich kaum Schmerzen. Ich bin sogar schon wieder Fahrrad gefahren und schwimme“, erzählt die Friseurin. Die Frage, ob sie je wieder Inline skatet, verneint Daniela Moldehn kategorisch. „Das ist eine reine Kopfsache, körperlich wäre sie dazu imstande“, meint der Oberarzt.
Dr. Ernst Rzesacz beherrscht beide Fachgebiete: die Chirurgie und die Orthopädie. Das „Eigengewächs“ des Klinikums Braunschweig absolvierte eine Zusatzausbildung an der Orthopädischen Klinik in Hannover, um die neue OP-Technik zu verfeinern. Bisher wurde die Wirbelsäule über einen offenen Schnitt am Rücken stabilisiert. Bei der neuen Methode – der „Operation durchs Schlüsselloch“ – werden über kleine Stiche Führungsdrähte in den oberhalb und unterhalb des kaputten Wirbelkörpers liegenden Wirbel eingeführt. Mit Hilfe eines speziellen Instrumentariums werden die Schrauben genauso sicher in die Wirbelkörper eingebracht wie beim offenen Verfahren. Die Schrauben werden mit zwei Längsstäben miteinander verbunden. Das alles sieht der Operateur über einen Bildschirm. „Die Methode ist weniger belastend für den Patienten, die Dauer des Krankenhausaufenthalts verkürzt sich um die Hälfte der Zeit. Die OP dauert nur 40 bis 50 Minuten. Die Heilung wird um vier Wochen beschleunigt“, erläutert Dr. Rzesacz die Vorteile des Verfahrens.
Mit der gleichen Methode werden nach einem Jahr Schrauben und Stäbe aus Daniela Moldehns Rücken wieder herausgenommen. Solange kümmert sich Dr. Rzesacz um ihr weiteres Wohlergehen. „Die Operation ist erfolgreich verlaufen. Aber mich interessiert ja ebenso, wie ihre Rehabilitation verläuft. Ich stehe auch mit dem Hausarzt in Verbindung.“
Die Methode wird seit drei bis vier Jahren angewendet. „Im Umkreis bietet keine weitere Klinik diese Technik an“, weiß der Oberarzt. Neurochirurgisch (wenn das Rückenmark betroffen ist) gäbe es dafür noch keine Anwendung, so Dr. Rzesacz. Bei Eingriffen am Rückenmark oder bei schlechter Knochensubstanz werde weiterhin die offene Methode angewandt. „Die Schlüsselloch-OP ist kein Ersatzverfahren, sondern eine Ergänzung“, betont der Chirurg. Um die Anwendungsmöglichkeiten in Zukunft zu erweitern, arbeiten seit zwei Jahren Dr. Rzesacz und der Oberarzt der Neurochirurgischen Klinik, Dr. Martin Willmann, eng zusammen. So werden komplexe Wirbelsäulenoperationen von beiden Chirurgen zusammen durchgeführt.
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