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Nachrechnen ist angesagt

Neue Richtlinie: Verbraucherschützer warnen

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Seit gestern haben wir eine Freiheit mehr: Die Europäische Union hat die Standardverpackungen bei Milch, Saft und Schokolade abgeschafft. „Weniger Inhalt zum gleichen Preis“, befürchten Verbraucherschützer.

Aus Sicht der EU ist die neue Verordnung ein Schritt hin zu weniger Bürokratie. Marketingexperten erklären, dass sich die neuen Verpackungen an bestimmte Zielgruppen richten werden: Mit kleineren Portionen ließen sich gerade Single- oder Seniorenhaushalte besser erreichen.
Die Kritiker sehen das ganz anders: „Mit der neuen Verordnung entfallen weitere verbindliche Mengenvorgaben für Lebensmittel“, sagt Hedi Grunewald, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Die Hersteller hätten nun die Möglichkeit, mit geringeren Füllmengen und gleichen Preisen zu mogeln. Sie fordert deshalb die Lebensmittelindustrie auf, veränderte Füllmengen deutlich größer als bisher aufzudrucken.
Bestimmte Erzeugnisse in Fertigpackungen konnten bisher nur in festgelegten Füllmengen in den Handel gebracht werden. Für Milch gab es vierzehn feste Mengen: Beispielsweise mit 0,5 Liter, 0,75 Liter und 1 Liter.
Diese verbindlichen Einheiten sind nun für Milch und weitere Lebensmittel wie Wasser, Limonade, Zucker oder Schokolade weggefallen. Von der 152-Gramm-Schokoladentafel bis zur 345-Milliliter-Milchtüte ist ab sofort alles möglich. Bei den meisten anderen Produkten hatte die EU bereits im Jahr 2000 die Verpackungsvorschriften gekippt. Jetzt gelten nur noch für Wein, Sekt und Spirituosen gesetzliche Normen.
Neben dem Bürokratieabbau sieht die EU in dem Wegfall der Verpackungsrichtlinie auch Vorteile für viele kleine Haushalte. Denn die bisher handelsüblichen Packungen waren häufig zu groß, schimmelnde Reste im Kühlschrank die Folge.
Aus Sicht der Verbraucherschützer aber ist der Schritt hin zu weniger Bürokratie ein Instrument zum Kundenbetrug. „Erste Stichproben bestätigen unsere Befürchtungen“, sagt Ernährungsexpertin Grunewald. So entdeckte die Verbraucherzentrale Niederachsen zum Beispiel:
Joghurtbecher von Danone mit 460 Gramm, statt bisher 500 Gramm; durcheinandergewürfelte Schokoladentafeln von Rapunzel mit 80 und 100 Gramm, üblich hier 100 Gramm; Müllermilch-Milchgetränke in 400-Milliliter-Flaschen, statt der ursprünglichen 500 Milliliter.
Tipp der Verbraucherberatung: Beim Preisvergleich auf den klein gedruckten 100-Gramm, Kilo- oder Liter-Preis achten. Beratung am Verbrauchertelefon: 0 90 01/ 79 79-05, montags von 10 bis 16 Uhr, 1,50 Euro/Minute aus dem Festnetz.
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