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Mineralöl in Schokolade

24 getestete Adventskalender belastet.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 28.11.2012.


Braunschweig. Belastete Schokolade in Adventskalendern. Die Mineralölrückstände stammen vermutlich aus den Verpackungen, die aus recyceltem Altpapier hergestellt wurden.

Benzin in Schokolade: Stiftung Warentest hat in Adventskalendern Rückstände von Mineralölen gefunden. An der Technischen Universität Braunschweig werden Alternativen zum Einsatz von Mineralölen erforscht. Die Schokolade in allen 24 getesteten Adventskalendern ist mit Mineralölen belastet. Oder anders gesagt: mit Benzin. „Und das gehört ganz sicher nicht in Schokolade“, sagt Professor Dr. Ali Müfit Bahadir, Institut für Ökologische und Nachhaltige Chemie an der TU.
Einer der neun besonders beanstandeten Kalender stammt von der Firma Rausch aus Peine. „Mineralöl-Bestandteile kommen überall in der Natur vor und sind deshalb allgegenwärtig“, heißt es in einer Stellungnahme der Firma Rausch.
Eine Position, die Professor Dr. Ali Müfit Bahadir so nicht teilt. „Die Begründung ist absurd. Nur weil Mineralölbestandteile in der Natur vorkommen, gehören sie noch lange nicht in Lebensmittel“, sagt der Wissenschaftler. Höchstens an Tankstellen sei eine Belastung nachvollziehbar, denn dort könne sich das Benzin aus der Luft in den Lebensmitteln in der Auslage anreichern.
Im Fall der Adventskalender vermutet Stiftung Warentest, dass die Öle über den Karton in die Schokolade kamen. Der werde häufig aus Recyclingpapier hergestellt, das mit mineralölhaltigen Farben bedruckt ist. Darüber hinaus haben die Tester bei acht Produkten Mineralöl nachgewiesen, das offenbar von Maschinen herrührt. Viele Hersteller nutzen es, um ihre Maschinen zu schmieren, zu säubern und zu pflegen.
Alternativen liegen vor
„Die meisten Kühlschmierstoffe basieren zu einem großen Teil auf Mineralöl“, erklärt Professor Bahadir, „der Jahresverbrauch in Deutschland liegt bei etwa 80 Kilotonnen.“ Die Verwendung dieser Schmierstoffe sei in mehrfacher Weise nachteilig. Es würden nicht erneuerbare Ressourcen verbraucht, es gebe Probleme hinsichtlich der Verträglichkeit für Mensch und Umwelt sowie eine Belastung durch mineralölhaltige Abfälle.
Am Institut von Professor Bahadir liegt die Lösung für die Zukunft bereits vor: „Wir haben einen Schmierstoff auf der Basis von Glyzerin und Wasser entwickelt“, sagt der Wissenschaftler, „dieses Glyzerin fällt bei der Herstellung von Biodiesel in großer Menge als Nebenprodukt an.“ Dieser glyzerinbasierte Kühlschmierstoff weise als nachhaltiges Produkt ökologische Vorteile gegenüber konventionellen Schmierstoffen auf, „und er ist technisch und ökonomisch konkurrenzfähig“, ist der Wissenschaftler überzeugt.
Industrie ist am Zug
Der Industrie wurde das Projekt bereits vorgestellt – sie ist jetzt mit der Umsetzung am Zug. „Aber so etwas dauert naturgemäß ziemlich lange“, sagt Professor Bahadir. In spätestens 50 Jahren allerdings sei es soweit, denn ungefähr dann seien die Erdölreserven aufgebraucht – und alternative Stoffe gefragt.
Bis dahin wird es immer wieder zu Verunreinigungen wie jetzt bei den Adventskalendern kommen. Betroffen sind namhafte Hersteller. Stiftung Warentest rät, die Schokolade aus den Kalendern von Arko, Heilemann, aber auch Rausch nicht zu verzehren, sie sei besonders hoch belastet. Gering belastet waren in den Tests Kalender von Milka, Hussel, aber auch Lidl, Netto oder Norma.
Der Anbieter Arko erklärte, aufgrund der Testergebnisse, das betroffene Produkt aus dem Verkauf genommen zu haben. In der Stellungnahme der Firma Rausch heißt es, „wir betonen, dass die von Stiftung Warentest bei unserem Adventskalender genannten Werte keine Gesundheitsgefährdung darstellen, der Kalender voll verkehrsfähig ist und den lebensmittelrechtlichen Normen entspricht.“ Unabhängig davon habe die Firma ihre Adventskalender an verschiedene wissenschaftliche Institute geschickt, um zu klären, „ob und wenn ja, wie Mineralöl-Bestandteile in die Kalenderware gekommen sein können.“
Die Firma Rausch stellt Informationen dazu ab sofort auf ihre Seite www.rausch.de/verbraucherhinweis/
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