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Meine kleine vegane Welt

Mein Leben teile ich mit vielen Tieren. Foto: Korth

Ein Schritt, der vieles bewirkt, vieles verändert und mich persönlich weitergebracht hat.

Von Marion Korth, 26.01.2014.

Trend hin oder her, für manche Dinge muss die Zeit eben reif sein. Es ist jetzt fast 25 Jahre her, dass ich zum letzten Mal ein Schnitzel oder eine Boulette gegessen habe, aber den Frischkäse aufs Brot gab es weiterhin. Damit ist jetzt Schluss. Seit knapp drei Monaten ernähre ich mich vegan – eine Entscheidung, die in alle Lebensbereiche greift.

Wie alle Menschen bin auch ich eine Meisterin der Verdrängung, Tiere essen – wie barbarisch, wie eklig. Aber Milch habe ich weiterhin getrunken, irgendwie unlogisch und auch nicht konsequent. Nicht, dass mir das Schicksal der Kälbchen, die gleich von ihren Müttern getrennt werden, egal wäre, aber irgendwie dachte ich, „das bisschen Milch macht den Kohl eigentlich auch nicht fett“.

Ich habe das Problem unterschätzt. Seitdem ich wieder jede Inhaltsstoffdeklaration lesen muss, entdecke ich fast überall „versteckte“ tierische Bestandteile. Kaum ein Produkt ist ohne Haken und Ösen. Wer vegan lebt, braucht (bislang noch) einen Internetanschluss und einen Bio-Bauern um die Ecke, will er nicht verhungern. Tiefkühlpizza ist tabu, dafür wird jetzt Gemüse geputzt und werden Nüsse zerkleinert. Ich vermisse nichts. Aber mein Leben ist komplizierter geworden. Letztendlich muss jedes Produkt mehr noch als früher hinterfragt werden. Es geht mir um Inhaltsstoffe, um die Herstellung, um die soziale und ökologische Bilanz.

Der gesundheitliche Aspekt bei der ganzen „Vegan-Geschichte“ ist für mich völlig nebensächlich. Ich möchte einfach nichts mit Mastställen, nichts mit moderner Massentierhaltung zu tun haben, dieses ausbeuterische System, in dem Fleisch und Milch „produziert“ werden, ist mir zuwider. Für mich braucht es nicht immer neue Skandale oder verwackelte, heimlich gemachte Aufnahmen aus Ställen, in denen Puten vor sich hinvegetieren, der normale Wahnsinn reicht mir völlig, um zu wissen, dass es keine Entschuldigung gibt, für das, was wir Menschen da tun. Persönlich habe ich Konsequenzen gezogen und kein Fleisch oder Fisch mehr angerührt.

Vegan zu leben, bedeutet allerdings, noch einen Schritt weiter zu gehen. Das Schönste dabei ist, wie eine einzige Verhaltensänderung so viel Gutes bewirken kann. Da muss man nur einmal an den Regenwald denken, der abgeholzt wird, um neuen Platz für Rinderweiden und den Anbau von genmanipuliertem Soja als Tierfutter zu schaffen. Romantikerin werden mich die einen nennen, naiv die anderen. Fakt ist, dass ich mir schon als Kind den Kopf darüber zerbrochen habe, warum Menschen sich so hemmungslos an der Natur, an Pflanzen und Tieren bedienen, als sei das ihr gutes Recht. Ich sehe das anders und möchte sorgsam mit der Welt und allen Geschöpfen umgehen und nicht mehr Schaden und Leid verursachen, als allein meine Existenz es zwangsläufig mit sich bringt.

Als Gegenentwurf zu der Welt, wie sie nun einmal ist, habe ich eine kleine „Arche Noah“ voller Tiere, die im wirtschaftlichen Sinn zu nichts nütze sind, am Bio-Selbstversorger-Garten bastele ich derzeit noch, im vergangenen Sommer bin ich brav mit Fahrrad und Bahn gefahren und jetzt will ich dem Klimakollaps noch ein bisschen mehr entgegensetzen. Und irgendwie hoffe ich, dass der „Vegan-Trend“ eine „Vegan-Bewegung„ wird …

• Über unser Mitmachportal www.unser38.de finden sich vielleicht noch andere Gleichgesinnte, die ihre Ernährung und/oder ihren Lebensstil verändert haben, weil sie die Massentierhaltung und deren globale Folgen satt haben. Über einen Erfahrungsaustausch, Anregungen und Argumente freue ich mich und habe daher die Gruppe „BesserEsser“ gegründet – Mitglieder sind willkommen, je mehr desto besser.
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