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Marco: „Wir sind immer noch eine Familie, aber geschieden“

Die DRK-Beratungsstelle Beta hilft Erwachsenen und Kindern in Trennungssituationen.

Von Marion Korth, 03.08.2011

Braunschweig. Wenn es nach den Kindern geht, dann würden sich ihre Eltern niemals trennen. Die Wirklichkeit sieht anders aus: 2009 ließen sich in Braunschweig 661 Paare mit Kindern scheiden. Die Beratungsstelle für Eltern in Trennungssituationen und Alleinerziehende (kurz Beta) ist für die Erwachsenen und die Kinder da.

Wie Kinder das Auseinandergehen von Vater und Mutter erleben, das erfährt die Diplom-Sozialpädagogin Martina Walter-Frost direkt von den Jungen und Mädchen. Die Beratungsstelle des Deutschen Roten Kreuzes hat parallel zur Beratung für Mütter und Väter Gruppen speziell für „Trennungskinder“ eingerichtet. „Wenn wir ihre Wünsche und Gedanken kennen, dann können wir den Eltern die Sichtweise ihrer Kinder näherbringen“, sagt die Sozialpädagogin. Ein Wunsch werde immer wieder und auch noch nach langer Zeit geäußert. Die meisten Kinder möchten, dass die Familie wieder zusammenlebt. Das gilt sogar dann, wenn Kinder mit dem Pendeln zwischen zwei Haushalten eigentlich gut klarkommen.
Die Zeit kurz nach der Trennung sei für die Kinder am schlimmsten. „Ein sicheres Gerüst gerät ins Wanken“, sagt Martina Walter-Frost. Lisa hat zum Beispiel geschrieben: „Ich war sehr traurig und habe nicht mehr in der Schule aufgepasst.“ Andere Kinder schmerzt es, dass der Vater sich längere Zeit nicht mehr gemeldet hat, oder sie ihre Mutter nur noch jedes zweite Wochenende sehen. Manche setzen den Verlust eines Elternteils fast mit einem Tod gleich. Für die drei Mitarbeiter in der Beratungsstelle im Gespräch mit den Eltern eine Gratwanderung: „Wir wollen nichts verharmlosen, eine Trennung ist eine ganz schwierige Sache und mit weitreichenden Folgen verbunden, aber man muss auch nicht in Resignation verfallen“, sagt Martina Walter-Frost. Ihre Erkenntnis: „Kinder verfügen über Bewältigungsstrategien und können das schaffen.“
Dabei helfe der Austausch mit anderen Kindern, die gerade dasselbe oder ähnliches erleben. Denn, so die Erfahrung, die Kinder selbst sprechen nur ungern über das Thema Trennung. Das Gruppenangebot läuft über 14 Wochen, um den Kindern Zeit zu geben, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Die Acht- bis Elfjährigen werden nicht einfach ausgefragt, sie beschäftigen sich oft auf „Umwegen“ mit ihrem neuen Leben, zeichnen beide Wohnungen, erzählen aus ihrem Alltag.
Eltern, die sich gegeneinander ausspielen oder nur über das Kind miteinander kommunizieren, machen alles noch viel schlimmer. Die Kinder geraten zwischen die Fronten. „Sie wollen beiden Elternteilen treu bleiben, zu beiden Kontakt halten“, sagt Martina Walter-Frost. Eine Entscheidung für Mutter oder Vater, für einen künftigen Aufenthaltsort, würden Kinder nur „aus der Not heraus“ treffen, nicht freiwillig. Im Sinne der Kinder wünscht sie die Sozialpädagogin, dass sie den Kontakt zu Vater und Mutter möglichst auch nach der Trennung halten dürfen, sofern nicht ernsthafte Gründe wie Gewalt in der Familie dagegen sprechen. Eltern sollten die Paar- und Elternebene klar trennen. Das bedeutet: Wenn Mann und Frau nicht mehr gemeinsam leben möchten, so müssten sie dennoch als Vater und Mutter weiterhin zusammenarbeiten. „Eltern, die diese Trennung hinbekommen, deren Kindern geht es viel besser“, sagt Martina Walter-Frost.
Im besten Fall können die Kinder der neuen Situation sogar etwas Gutes abgewinnen. „Sie freuen sich, dass ihr Papa mehr Zeit für sie hat, sie zweimal Geburtstag feiern oder endlich ein Meerschweinchen halten dürfen“, zählt die Sozialpädagogin auf. Marco hat einen Satz aufgeschrieben, der zu denken gibt: „Wir sind immer noch eine Familie, aber geschieden.“

BETA
Die Beratungsstelle für Eltern in Trennungssituationen und Alleinerziehende (Beta) ist eine Einrichtung des DRK und besteht seit 26 Jahren. Drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen beraten Familien in Trennungssituationen im psychosozialen und rechtlichen Bereich. 2010 wurden fast 1000 Gespräche mit 370 Personen geführt. Zu den betroffenen Familien gehörten 486 minderjährige Kinder. Für acht- bis elfjährige Kinder gibt es ein spezielles Gruppenangebot.
Weitere Infos im Internet unter www.drk-beta.de sowie unter 2 20 31 41.
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