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„Klar zur Q-Wende“

 

Eine Woche Segelkurs auf der Ostsee – Der Wind bläst den Kopf und das Herz frei.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 27.05.2017.

Maasholm. „Ingeborg, wir wollen genau daaaa hin“, ruft Thorsten. Er steht lässig vorn am Bug der Segeljolle und gibt Kommandos. Diesmal zeigt er genau entgegengesetzt zur Fahrtrichtung. „Was machst du also?“, fragt der Segellehrer und schaut mich durchdringend an. In meinem Kopf rattern die gelernten Begriffe, „Q-Wende“ platze ich schließlich erleichtert heraus. „Genau“, sagt Thorsten, „dann mal los.“

Ja, dann mal los – aber wie denn genau? „Klar zur Q-Wende“, ist das Signal an meine Mitseglerin, ich habe die rechte Hand an die Pinne und in der linken Hand die Großschot, jetzt die Pinne anluven, den Kopf vor dem Baum retten, mit dem Hintern zum Heck rüber, die Großschot anluven, aber nicht zu fest … Mein Herz pocht. „Das war gut“, sagt Thorsten. Ich strahle.

Wir sind in Maasholm an der Schleimündung. Wir, das sind mein Enkel Niko (13) und ich. Eine Woche Segelgrundkurs für Anfänger. Neun Leute gehören zu unserer Gruppe, immer drei in einem Boot. Ich bin auf der „Frauenjolle“: Christiane, Yuko und ich. Nach der ersten Einweisung geht es direkt los. Schon der Schritt vom Steg auf das Segelboot ist eine Herausforderung, Rettungsweste an, und dann die richtigen Knoten an den richtigen Haken und Ösen lösen beziehungsweise befestigen. Kopfschlag, Achtknoten, Palsteg, Rundtörn mit zwei halben Schlägen oder Webeleinstek – Thorsten übt immer wieder mit uns. „Die müssen einfach sitzen“, schärft er uns ein.

Fertig für das „Töff-Töff“

Wir „verholen“ das Boot von Poller zu Poller oder besser, wir versuchen es – wackelnd und hochkonzentriert: Ich (Vorschoter) stehe auf dem Seitendeck, halte mich an Want und Mast fest und stoße mich kräftig mit dem Fuß ab, meine Mitseglerinnen stehen im Boot ziehen uns an den Poldern entlang, so dass die drei Boote schließlich hintereinander hängen. Chef Thomas Friße kommt mit seinem motorisierten „Töff-Töff“ und zieht uns aus dem Hafen.
Auf der Ostsee setzen wir die Segel. Segellehrer Thorsten springt dazu, hilft und verhindert Schlimmeres, es muss schnell gehen. Sowie die Segel hoch gehen, ist die Kraft des Windes zu spüren, wir müssen weg vom „Töff-Töff“. Thorsten gibt die Kommandos. An Bord herrscht eine klare Hierarchie – es kann nur einen Skipper geben. Nachfragen, womöglich Diskussionen, sollten besser direkt unterbleiben – sonst gibt es Ärger. Denn es geht um Sekunden, sonst ist so eine Jolle auch schnell mal gekentert.

Wir werden besser.

„Jede Richtungsänderung wird mit Ruder und Schoten gleichermaßen durchgeführt. Anluven heißt: Schoten dichter holen und Pinne wegdrücken, zum Großsegel hin. Abfallen heißt: Schoten auffieren und Pinne vom Großsegel wegziehen“, sagt Thomas. Halber Wind und raumer Wind, am Wind, Wende und Aufschießer - die Segelfachbegriffe fliegen uns nur so um die Ohren, wir verstehen nur die Hälfte.

Aber – es wird von Stunde zu Stunde besser. Schon am zweiten Tag gehen wir sicherer aufs Boot, am dritten Tag sieht das „Verholen" schon aus wie ein Profi-Ballett. Wir sind ganz stolz.

Die Jugendlichen auf ihrer Scholle allerdings sind uns seemeilenweit voraus. Sie lernen offensichtlich schneller, sind flinker und mutiger. Auf dem Männerboot geht es deutlich sachlicher und konzentrierter zu. Aber wir haben eindeutig den meisten Spaß, auch wenn Thomas über unser Gekicher und Gegluckse schon mal das Gesicht verzieht - es gefällt ihm mit uns.

Jeden Tag üben wir drei Stunden, einmal ist der Wind zu stark, wir bleiben an Land und bekommen theoretischen Unterricht. Das hilft enorm, um die komplizierten Fachbegriffe und Wendemanöver noch einmal von Grund auf zu verstehen. Wir kaufen uns Seile und üben abends auf dem Sofa die verschiedenen Knoten.
Nach einer Woche heißt es Abschied nehmen. Das fällt schwer, unsere Crew und auch Maasholm sind uns ans Herz gewachsen. Einige von uns hängen gleich noch einen Kurs an, Niko und ich müssen nach Hause.

Es hat uns beiden sehr gefallen, eine gute Möglichkeit, gerade auch für einen Urlaub mit Kindern oder Jugendlichen, eine schöne Kombination von sportlichem Einsatz an frischer Luft, Gemeinschaft und dazu auch noch etwas für den Kopf. Na dann, Mast- und Schotbruch – wir kommen sicher wieder.
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