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„Kinder zunehmend agressiver“

Braunschweiger Verein bietet schulisches Training für Selbstbewusstsein und Sozialkompetenz.

Von Sebastian Walther, 19.05.10


Braunschweig. Mit Aufklärung und Praxisarbeit gegen Aggressionen unter Schülern: In Braunschweig startete der gemeinnützige Verein „Gewaltlos Starksein“ ein mehrwöchiges Modellprojekt.

Nur drei von acht Schülern sind heute erschienen, vielleicht auch, weil die Teilnahme freiwillig ist. Mit lautem Getöse drehen sie ihre Runden in der Turnhalle der Hauptschule Sophienstraße. Rektor Wolfgang Pein beobachtet das Aufwärmen der Teilnehmer vom Rand aus. Es ist der vierte Tag im Braunschweiger Pilotprojekt, initiiert vom Verein „Gewaltlos Starksein“.
Noch neun Einzelstunden liegen vor den Jugendlichen, sie werden lernen, Schläge und Tritte abzuwehren, besuchen eine Gerichtsverhandlung und ergründen in Gruppengesprächen die Ursachen von Hass und Wut.
„Jeder vermiedene Streit oder Kampf“, sagt Wolfgang Pein, „ist ein großer Sieg für alle Beteiligten.“ Die Anzahl „schulmüder Kinder“ nähme immer weiter zu, „zunehmend aggressiver“ seien sie. „Hier reicht die Gewalt vom verbalen Mobbing bis hin zu körperlicher Gewalt. Und das zieht sich quer durch alle Gesellschaftsschichten“, ordnet Pein ein.
Der Verein „Gewaltlos Starksein“ existiert seit 2004. Pein ist erster Vorsitzender und wirbt für das von ihm miterarbeitete Programm. Finanziert aus Spenden und Zuschüssen, laufen einzelne Aktionen bereits an sieben Braunschweiger Schulen. Es wird gerappt oder getrommelt, gesungen oder geschauspielert.
Die Schüler sollen dadurch neue Freizeitmöglichkeiten kennenlernen. „Oder besser: Alternativen zu ihren bisherigen“, sagt Pein und meint damit vor allem Frustration und Unverständnis, die sich oftmals gewaltsam entladen. „Letztlich geht es hierbei immer auch um Integration, denn die Kinder lernen dabei, Rücksicht zu nehmen, miteinander zu arbeiten, gemeinsam zu agieren und Lösungen zu finden.“
An vier Wochentagen steht ein Projekt der Aktion in der Hauptschule Sophienstraße bereits auf dem Speiseplan. „Wir kochen für andere“ versorgt 40 Schüler mit einem günstigen und selbst gekochten Mittagessen. Hier bereiten Schüler und freiwillige Helfer den Mittagstisch gemeinsam zu, Tiefkühlkost oder Fertiggerichte sind tabu. „Mit am Tisch sitzen dann das zwei Monate alte Mäxchen und die einjährige Lilli. So entsteht eine typisch familiäre und sehr positive Atmosphäre. Die Erfahrung zeigt, dass sich selbst als schwierig geltende Schüler verantwortungsbewusst benehmen und sich sogar lieb und fürsorglich um die Kleinkinder kümmern“, hat Pein beobachtet.
Den Kurs haben am Ende vier seiner Schützlinge absolviert, eine Quote mit der Initiator Pein durchaus leben kann, „auch wenn unser Erfolg kaum messbar ist.“ Erste Anfragen von anderen Schulen habe es aber bereits gegeben.
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