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Kein Beruf für Abenteurer

Damit der Warenverkehr rollt, werden Berufskraftfahrer dringend gesucht.

Von Marion Korth, 20.07.2011

Braunschweig. Welche wichtigste Eigenschaft muss ein angehender Kraftfahrer mitbringen? Adalbert Wandt, einer der Geschäftsführer der Spedition Wandt, denkt kurz nach. „Verlässlichkeit“, sagt er dann. Kraftfahrer, das ist ein Beruf mit Zukunft, aber keiner für Romantiker und erst recht nicht für Abenteurer.

Berufsnachwuchs wird dringend benötigt. 600 000 Menschen verdienen in Deutschland als Lkw-Fahrer ihr Geld, viele sind 55 Jahre und älter. Aus diesem Grund, aber auch, weil der Warentransport auf der Straße boomt, sind jedes Jahr 30 000 Stellen mit neuen Fahrern zu besetzen. Anders als in den 1990er Jahren sei das heute ein Problem. Damals habe es viele Umschüler gegeben: Übersiedler, ehemalige Angehörige der DDR-Armee oder auch Bundeswehrsoldaten, die oftmals die geforderten Kenntnisse mitbrachten.
Kurzfristig helfen sich die Unternehmen, indem sie sich die entsprechenden Fachkräfte gegenseitig abwerben würden. Eine Lösung sei das nicht. Wandt denkt nicht nur an Heute, sondern vor allem an Morgen und Übermorgen, wenn er in der Branche dafür wirbt, mehr Berufskraftfahrer auszubilden. 2000 Stellen gibt es, die Spedition Wandt geht mit gutem Beispiel voran. „In 30 Jahren haben wir mehr als 120 Fahrer ausgebildet“, sagt er. Die lernen im ersten Jahr die Arbeit in Werkstatt, Lager und Disposition kennen, machen im zweiten Lehrjahr mit 18 Jahren ihren Lkw-Führerschein, um im dritten Jahr an die Berufspraxis als Fahrer herangeführt zu werden.
Unter den Auszubildenden waren auch Mädchen. Die sind hinter dem Steuer genauso gut wie die Männer, trotzdem hätten sie es schwerer, in diesem Beruf glücklich zu werden, hat Wandt beobachtet. Sie bekämen privat Stress, weil der Freund eifersüchtig ist, oder weil nach langer Fahrt zu Hause noch der Haushalt wartet. Abgesehen davon müssen auch die jungen Fahrerinnen in der Lage sein, eine 100-Kilo-Palette, beladen mit Bier, zu bewegen.
Um junge Leute für eine Ausbildung zu gewinnen, ihnen aber vor allem eine Vorstellung von diesem Beruf zu geben, hat die Spedition einen Film produzieren lassen. Eric Rauer, damals im dritten Lehrjahr, heute fester Fahrer bei Wandt, kommt darin auch zu Wort. Er spricht über lange Arbeitszeiten, darüber, dass er nicht immer weiß, wann er zu Hause sein wird. „Aber das ist trotzdem mein Traumberuf“, sagt er.
Er muss sich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen. Acht Lkw rollen statistisch gesehen in jeder Minute über die A 2. Für manche ein Ärgernis, für Wandt das normale Tagesgeschäft und das Zeichen, dass die Wirtschaft läuft. „Immer, wenn wir etwas bei E-Bay oder Amazon bestellen, müssen die Waren transportiert werden“, sagt er. „Und VW kann nicht wachsen, wenn kein Nachschub kommt.“ Als Wandt 1967 in den Beruf einstieg, da habe es keine Container gegeben, die sich in Häfen und Bahnhöfen stapelten und keine Paketdienste in diesem Umfang wie heute. Zum Warentransport auf der Straße, der mehr als 80 Prozent ausmache, sieht der Speditionschef keine Alternative. „Die meisten Produkte werden nur über Kurzstrecken von 200 bis 300 Kilometer transportiert, eine Verlagerung auf Schiff oder Schiene kommt dafür nicht in Frage“, erläutert er.

Infos

Die duale Ausbildung zum Berufskraftfahrer dauert drei Jahre.
Voraussetzungen: Mindestalter 16 Jahre, Hauptschulabschluss.
Besondere Fähigkeiten: Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein, Flexibilität, Selbstständigkeit.
Vergütung: 520 Euro im ersten Lehrjahr.
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