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Kampf gegen hartnäckige Keime

Der Anfang ist gemacht: Das „Hygiene-Netzwerk Region Braunschweig“ hat sich gegründet

Von Marion Korth, 13.01.2010

Braunschweig. Die Erfindung des Penicillins machte es möglich. Antibiotika sind seither die Allzweckwaffe, aber eine, die zunehmend stumpfer wird. Die nB berichtete über die „multiresistenten Keime“ als Ursache schwerer Infektionen. Ein neues Netzwerk soll die neue Gefahr im Keim ersticken.

Das Gesundheitsamt der Stadt Braunschweig sowie das Institut für Mikrobiologie, Immunologie und Krankenhaushygiene des Städtischen Klinikums haben die Moderation übernommen, um möglichst viele Partner an einen Tisch zu bekommen. Mit Erfolg: Das „Hygiene-Netzwerk Region Braunschweig“ spannt sich auch über die Landkreise Helmstedt, Gifhorn und Wolfenbüttel, bindet Krankenhäuser, Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, zahlreiche Alten- und Pflegeheime sowie Rettungs- und Pflegedienste ein. Auch das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, die Medizinische Hochschule Hannover sowie die TU Braunschweig sind beteiligt.
Das Problem der resistenten Keime ist nicht nur eines der Krankenhäuser. Dr. Dr. Wilfried Bautsch vom Städtischen Klinikum hat Proben untersucht, um einen Hinweis auf die Verbreitung der resistenten Keime unter Pflegeheimbewohnern zu erhalten. Nach ersten Auswertungen scheint die Rate etwas höher als die bislang angenommenen fünf Prozent zu sein. Die eigentliche Botschaft aber lautet: „Es besteht Handlungsdruck für alle“, sagte Bautsch. Ein Nieser würde ausreichen, um die ansonsten ungefährlichen Bakterien von der Nasenschleimhaut, die sie besiedeln, auf eine Operationswunde zu bringen. Die Folge wäre eine schwere, kaum zu behandelnde Infektion.
Auf der Kostenseite ziehen längere Liegezeiten höhere Behandlungskosten nach sich. Die Fachleute sind sich einig: „Die Prävention kostet einen Bruchteil davon.“ Trotzdem sind die Bemühungen, in der Region Braunschweig gemeinsam mit den Krankenkassen die Finanzierung für ein Vorbeugungsprogramm zu sichern, gescheitert. Die multiresistenten Keime stellen für sich keine Krankheit dar. Ein Arzt könnte die Sanierung, zum Beispiel vor einer geplanten Operation, deshalb nicht über die Kassen abrechnen. „Wir kommen an dieser Stelle nicht weiter und wollen es jetzt über die Bundesebene versuchen“, sagte Dr. Sabine Pfingsten-Würzburg, Leiterin des städtischen Gesundheitsamts. Angestrebt wird, Modellregion, wie in Münster, zu werden, wo ein Sonderweg in der Prävention beschritten wurde und Erfolge erzielt werden (nB vom 9. September 2009).
Getan werden kann trotzdem etwas. So beschäftigen sich jetzt Arbeitsgruppen damit, wie die Erfassung der Träger multiresistenter Keime vereinheitlicht, Maßnahmen aufeinander abgestimmt, der Informationsfluss zwischen den einzelnen Beteiligten in Gang gebracht werden können. „Das wird ein langer Prozess, aber mit ersten Ergebnissen rechnen wir im Frühjahr“, sagte Pfingsten-Würzburg. Zunächst wird auf Fortbildung von Ärzten und medizinischem Personal gesetzt. Strikte Hygiene ist ein Hebel, an dem man ansetzen kann. Der andere ist eine sorgsamere Antibiotika-Therapie, so der Präsident des Niedersächsischen Gesundheitsamtes, Dr. Matthias Pulz. Ein zu schneller und undifferenzierter Einsatz ist der Nährboden, auf dem die resistenten Keime wachsen.

Hintergrund:
Infektionskrankheiten sind nach Informationen des Bundesgesundheitsministeriums weltweit die häufigste Todesursache. In Deutschland starben 2006 über 40 000 Personen an den Folgen einer Infektion, davon über 50 Prozent an den Folgen einer Lungenentzündung.
Zwischen 2002 und 2006 stieg die Zahl der Sterbefälle mit einer Infektion als Todesursache in Deutschland um 14 Prozent. Die Anzahl der Personen, bei denen eine Infektion am Tod beteiligt ist, liegt noch höher, da Infektionskrankheiten häufig als Begleiterkrankung auftreten und somit nicht als Todesursache registriert werden. Da der Anteil an resistenten Erregern gestiegen ist, soll die Vorbeugung verstärkt werden.
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