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Impfen: Für und wider

nB widmet sich dem Thema Impfen.

Von Martina Jurk, 27.10.2010.

Braunschweig. Das Thema Impfen ist seit dem Ausbruch der sogenannten Schweinegrippe im vorigen Jahr brisanter denn je. Die nB geht der Frage nach: Impfen ja oder nein?

Selbst Forscher und Ärzte können die Frage nicht eindeutig beantworten. „Wenn es um die Übertragung von Krankheiten geht, hat jeder Mensch eine Verantwortung der Gesellschaft gegenüber, seiner Familie, seinen Freunden, seinen Kollegen. Er hat eine Verpflichtung, sein Umfeld zu schützen“, ist Dr. Thomas Ebensen von der Abteilung Vakzinologie und angewandte Mikrobiologie im Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung überzeugt. „Man muss auf der einen Seite Nutzen und Risiko aller ärztlichen Maßnahmen und so auch der Impfungen abschätzen, und zwar aller einzelnen Maßnahmen und der jeweiligen Situation des Menschen, seiner Lebenssituation, seiner Gesundheit und der Gefährdung durch Krankheiten“, sagt Dr. Karl-Reinhard Kummer von der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte. Letztlich liege die Entscheidung in einer freien Gesellschaft bei jedem Menschen selbst, meinen beide Experten.
Dr. Thomas Ebensen sieht den Menschen nicht als Einzelperson an, die für sich allein entscheidet, sondern als Teil einer Gemeinschaft. Der Immunologe forscht an Impfstoffen, die praktisch keine Nebenwirkungen haben, die nicht mehr über eine Injektion verabreicht werden, sondern über die Schleimhäute, zum Beispiel als Nasenspray. „Die Ausbreitung von Krankheitserregern hängt nicht nur vom Individuum ab, weil andere Menschen in Mitleidenschaft gezogen werden“, sagt er. Ein Impfstoff sei nichts Böses, sondern er helfe dem Immunsystem zu reagieren, er helfe, eine Erkrankung zu verhindern. Das sei in jedem Fall besser als eine Therapie, bei der gegen die Erkrankung angekämpft werden müsse. Für Dr. Ebensen überwiegen bei Schutzimpfungen klar die Vorteile. „Im Vergleich zu einer Erkrankung sind die Nebenwirkungen der Impfung gering. Erkrankt man trotz Impfung, ist der Verlauf gemildert“, erklärt der Wissenschaftler.
In einer freien Gesellschaft wie der unseren müsse letztlich jeder Mensch selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt oder nicht. „Bei einer Pandemie kann die Gesellschaft allerdings wegen der Entscheidungsfreiheit schnell in Schwierigkeiten geraten“, gibt Ebensen zu bedenken. Eine Grundimmunisierung wie gegen Masern, Tetanus, Tuberkulose sollte man immer haben. Viele Menschen seien in dem Glauben, dass diese Krankheiten so gut wie ausgerottet oder sehr eingegrenzt seien. „Bei Masern sind wir auf einem guten Weg, allerdings sind andere Nationen weiter als Deutschland“, meint Dr. Ebensen. Es gebe nur eine Krankheit weltweit, die ausgelöscht wurde, das sind die Pocken, bei Tieren die Rinderpest – durch Immunisierung.
Was die Virusgrippe angeht, empfiehlt Ebensen die Schutzimpfung Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben oder die mit vielen anderen Menschen in Kontakt kommen. Ein grundsätzlicher Rat: den Hausarzt fragen und den gesunden Menschenverstand walten lassen. „Mut zur Lücke – das kann gutgehen aber auch nicht. Jährlich sterben mehrere tausend Menschen an Grippe.“
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