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Heute „nur“ den Hausberg – Puuuh

Tatsächlich angekommen. Nach einem mehrstündigen Aufstieg lockt fast immer eine Alm mit regionaler Küche, selbst gemachtem Käse, frischen Säften. nB-Redaktionsleiterin Ingeborg Obi-Preuß und ihre Tochter Ifeoma genießen das Leben, die Luft und die unfassbar schöne Aussicht. Fotos: Obi-Preuß
 
Bei unserer ersten Wanderung können wir nicht widerstehen: Niko und ich wählen die Bergbahn, um uns sanft ins Tal schaukeln zu lassen. Spektakuläre Aussichten inklusive. Der Rest der Wandergruppe geht eisern zu Fuß.

Mein erster ernsthafter Wanderurlaub führt mich in die Dolomiten – nach anfänglicher Skepsis bin ich ein Riesenfan der Berge geworden.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 16.04.2016.

Sexten/Tirol. „Na, aber freilich geht’s da ’nauf“, brummt Herbert und reckt sein Kinn entschlossen gen Himmel.

Irgendwo da oben liegt die Alm, von der er uns zuvor in den schönsten Farben erzählt hat. Mit dem Wanderstock zeigt er die Richtung an. Steil bergauf. Wir hatten leicht panisch gefragt, ob das wirklich unser Weg sei. Antwort: siehe oben.

Es ist meine erste Wanderung. Also meine erste richtige. Irgendwie war ich immer am Meer oder in Städten unterwegs, ja, auch mal im Harz, in Österreich und Bayern, aber eher so mit dem Auto, auf Sandalen mal kurz über eine Wiese, das war’s. Und dann das hier. „Warum nicht mal Berge“, hatte ich gedacht und für uns – meine erwachsene Tochter Ifeoma, meinen zwölfjährigen Enkel Niko und mich – ein Hotel in Tirol gebucht. Genauer in Sexten/Dolomiten. Am ersten Abend war gleich Empfang für alle Gäste, inklusive Angebot, an geführten Wanderungen teilzunehmen.

„Nööö“, sagt meine Tochter, „kein Programm, wir wollen erst ausschlafen, dann gehen wir für uns.“ Also, ich zum Direktor und frage nach Wanderkarten. „A so a Schmarrn“, kommentiert der Mann meinen Wunsch, „ihr gehts mit dem Herbert, das ist doch wohl kloar. Morgen früh, acht Uhr, hier an der Rezeption.“ Selbst meine Tochter findet bei dieser Ansage keine Widerworte mehr. Und so stehen wir am nächsten Morgen mit rund zehn anderen Touristen gestiefelt und gespornt an der Rezeption. Herbert begrüßt uns freundlich, verteilt Wanderstöcke für die, die keine haben (wie wir zum Beispiel) und los.

„Heute nur den Hausberg“, sagt Herbert, und es hört sich an, wie ein kleiner Ausflug. Nun, am Ende werden es sechs Stunden sein. Wenn ich nicht mehr kann, hänge ich mich hinter Herbert. Der Mann ist 74 !!! und läuft wie ein Uhrwerk. Ich gehe direkt hinter ihm und falle in den gleichen Rhythmus. Das hilft. Dennoch – Niko und ich schleichen uns kurz vor dem Abstieg aus der Gruppe und ergreifen die Gelegenheit, in einer Gondel talwärts zu fahren. Das sollte eine Ausnahme bleiben, an den folgenden Tage gibt es jede Menge Höhenmeter – aber keine einzige Seilbahn mehr.

„Familienwanderung“ heißt das Angebot des Hotels, sie haben auch noch „anspruchsvolle Touren“ im Programm – ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie die aussehen. Wir jedenfalls kommen jetzt täglich von einer anderen Tour zurück, aus der Rotwand oder von den berühmten Drei Zinnen, und sind jedes Mal fix und fertig. Die Muskeln schmerzen, die Füße brennen.
Genau dafür ist unser Hotel wie geschaffen. Wir sind im Berghotel abgestiegen, ein Vier-Sterne-Haus, das mit einer Wellnesslandschaft und einer wunderbaren regionalen Küche begeistert.

Der Renner bei meiner Tochter und mir ist die Heusauna, wir genießen diesen intensiven Duft nach Gras und Wiesenkräutern. Der Renner bei Niko ist das Bad, er taucht gern nach draußen und schwimmt dann in dichten Wasserdampfwolken vor dem Dolomitenpanorama. Wir sind Ende Oktober gefahren, eine untypische Reisezeit für die Berge, dafür günstigere Preise und – richtig gut: Das Hotel ist nur zu einem Drittel belegt. Das heißt, es ist leer, ruhig, absolut entspannt.

„Im Juni ist es hier bei uns am schönsten“, macht uns Herbert Lust auf einen Sommerurlaub. „Dann ist Frühling bei uns, später gibt es zu viele Fliegen“, erklärt er seine Lieblingszeit. Das probiere ich bestimmt irgendwann aus.
Aber für den nächsten Herbst bin ich mir sicher: Wandern in den Dolomiten. Und gern wieder mit Herbert.
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