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Für mehr Bewegung in der Stadt

Professorin Vanessa Miriam Carlow erläutert Besuchern der Ausstellung „The Good City“ die wichtigsten Punkte. Foto: André Pause

Die Ausstellung „The Good City“ zeigt, was in Sachen urbaner Fahrradkultur möglich ist.

Von André Pause, 29.12.2015.

Braunschweig. Professorin Vanessa Miriam Carlow fährt mit der rechten Hand über eine Luftaufnahme der Stadt Kopenhagen: „Die radialen Straßen hier sind allesamt Fahrradautobahnen. Da gibt es auf ganzer Strecke grüne Welle, und man steht nicht einmal an der Ampel“, schwärmt die Leiterin des Institute for Sustainable Urbanism (Institut für nachhaltige Stadtplanung) an der TU Braunschweig.

Was im Bereich der urbanen Fahrradkultur noch so alles möglich ist, zeigt vom 4. bis zum 14. Januar die Wanderausstellung „The Good City“ des Kopenhagener Bicycle Innovation Lab im Architekturpavillon der TU Braunschweig.

Die vom TU-Institut präsentierte Schau stellt die Herausforderungen der dänischen Hauptstadt in den Mittelpunkt und untersucht, wie Rad fahren zur Entwicklung einer lebenswerten Stadt mit weniger Verkehrsproblemen beitragen kann. Dabei wird der Blick auch auf das Zusammenspiel zwischen Nachhaltigkeit und Radkultur gerichtet.
Wie viele Städte weltweit stehe Kopenhagen vor Problemen wie Luftverschmutzung, Stau, Lärm und steigenden Einwohnerzahlen, so Carlow. Auch wenn die Realität nicht mit den Ambitionen der dänischen Metropole, beste Fahrradstadt der Welt zu werden, habe mithalten können, die Anzahl der Radfahrer derzeit stagniere, so sei diese am Ende doch eine Inspiration für Studenten und Interessierte – ein positives Beispiel dafür, wie Mobilität im Straßenraum funktioniert.

Wenn Vanessa Miriam Carlow, die aus Berlin kommt und auch in Kopenhagen gelebt hat, den Status Quo im internationalen Vergleich betrachtet, sieht sie die ihr bekannten deutschen Städte eher im Hintertreffen. „Berlin ist eine reine Fußgängerstadt. Für die Radfahrer gilt: No Mercy!“, sagt die Professorin, die auch in Braunschweig reichlich Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Situation für Radfahrer ausgemacht hat. „Grundsätzlich sollte dem Fahrrad mehr Raum gegeben werden. Fahre ich beispielsweise vom Hauptbahnhof zur Uni, sind die Radwege so schmal, dass nicht überholt werden kann. Rechtsabbiegende Autos sind ein weiteres Problem“, skizziert Carlow und wundert sich ein wenig, warum die umweltfreundlichste Form der Fortbewegung in unserer Stadt so wenig gefördert wird. „Auch wenn man sich die Stellplatzsituation am Bahnhof oder hier am Campus anschaut, denke ich: Es müsste einem einfach leichter gemacht werden, hier sicher Rad zu fahren.“ So wünscht sich die Expertin unter anderem eine durchgehend blaue Markierung der Fahrradstreifen oder grüne Welle für Fahrradfahrer bei realistischer Radfahrgeschwindigkeit. Aber auch Fahrradschlangen und Aktionen, die das Radfahren zum Erlebnis machten, seien wünschenswert.

Einer, der vor Ort ideale Voraussetzungen sieht, um Braunschweig zur Vorbildstadt in Sachen Fahrradkultur zu machen, ist Detlev Bussenius. „Wir haben das Institut für Transportation Design der HBK in der Stadt und auch topographisch beste Voraussetzungen: alles ist einigermaßen flach“, sagt der jetzige Agenturinhaber und langjährige Fahrradkurier, einer von etwa interessierten 20 Besuchern bei der Eröffnung der Ausstellung. „Die Stadt ist ja offenbar dabei, zu begreifen, dass es hier Riesenchancen gibt, zumindest ist die Situation nach Baumaßnahmen jetzt meist besser als davor. Ich hätte noch einige Visionen“, lacht Bussenius, der am Ringgleis und entlang des westlichen Walls ansetzen würde. Insgesamt mache er sich jedoch keine Illusionen: Den Takt in Braunschweig und der gesamten Region würde – Gewerbesteuer sei Dank – wohl oder übel die Autoindustrie vorgeben.
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