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Festas de fim do ano auf der Blumeninsel

Palmen und Schneemann: Übergroße Figuren schmücken die Straßen in Funchal.
 
Am Hafen in Funchal treffen sich Tausende Menschen, um das Feuerwerk zu erleben.
 
Der Blick auf Madeiras Hauptstadt Funchal. Fotos (3): Jurk

Wer eines der größten Silvesterfeuerwerke der Welt erleben will, muss Anfang des Jahres buchen.

Von Martina Jurk, 02.01.2015.

Mal ganz anders das neue Jahr begrüßen, das war mein Plan seit längerer Zeit. Auf der Atlantikinsel Madeira wird jedes Jahr eines der größten Silvesterfeuerwerke weltweit gezündet. Also sollte es das portugiesische Eiland sein.

Es ist ja schon irre, an Silvester ins Flugzeug zu steigen und 3000 Kilometer hinter sich zu bringen, während daheim alle damit beschäftigt sind, sich auf kleinere oder größere Feiern vorzubereiten, Papierschlangen aufzuhängen, Berliner beim Bäcker zu besorgen, Fonduefleisch in mundgerechte Happen zu schneiden, die Böller zu positionieren und die Partymucke im Fernsehen aufzudrehen. Das alles machen die Madeirenser nicht! Aber das bleibt uns bei unserer Ankunft am Mittag in Funchal noch verborgen.
Das Hauptstadtleben pulsiert wie immer (wir waren zuvor schon zu anderen Jahreszeiten auf der Insel). Nichts deutet darauf hin, dass ein besonderer Tag ist. Schon gar nicht in den Geschäften. Keine Angebote, die wie bei uns als typische „Silvesterknaller“ beworben werden.
Im Laufe des Nachmittags bevölkern sowohl Einheimische als auch Touristen zunehmend Cafés und Restaurants. Ganze Familien oder Freundeskreise sitzen draußen beim Essen und reden – und haben viel Zeit. Indes pilgern immer mehr Menschen zum festlich geschmückten Hafen – die einen im feinen Outfit mit Glitzerkleid und Highheels, die anderen in legerer Freizeitkleidung. Manche kommen gerade von der Arbeit, Frauen direkt vom Einkaufen. Sie alle versammeln sich auf der Hafenmole. Menschen vom Kind bis zum Opa, aus verschiedenen sozialen Schichten, Kulturen und Religionen haben nur ein Ziel: einen guten Platz zu ergattern, um das Feuerwerk zu sehen. Doch bis dahin dauert es noch ein paar Stunden. Vor allem Touristen lassen sich vor den auf Straßen und Plätzen aufgestellten riesigen leuchtenden Weihnachtsfiguren fotografieren.
Wir entdecken Schlangen vor im Hafen anliegenden Katamaranen. Clevere Schiffseigner haben Plätze auf den Booten verkauft. Mit den Fahrgästen schippern sie ein Stück hinaus aufs Meer, denn von dort aus hat man den besten Blick auf die Insel, die bald ein spektakuläres Bild abgibt. Eine schöne Idee, doch leider musste man die Karten im Vorverkauf erwerben. So bleiben wir also an Land.
Die Cafés und Restaurants am Hafen sind inzwischen gnadenlos überfüllt. Die Aussicht auf einen freien Platz schwindet minütlich, denn wer sitzt, der bleibt sitzen. Sektflaschen und Plastikgläser kann man an jeder Ecke für fünf Euro kaufen. Aber den mittlerweile warm gewordenen Sekt wollen wir uns nicht antun. Wagemutig drängle ich mich an den Stand eines Cafés, um eine Flasche Maracujabrause, die auf Madeira spektakulär gut schmeckt, zu ergattern. Nach etwa einer halben Stunde halte ich sie freudestrahlend in den Händen. Mit irgendwas muss man ja anstoßen. Nur noch ein paar Minuten bis zum großen Spektakel. Insgesamt neun Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen und weiter draußen auf Reede. Sie alle haben das Feuerwerk im Unterhaltungsprogramm. Es wird an mehr als 50 Stellen der Stadt und Umgebung gezündet, so dass die ganze Bucht in Lichtern erstrahlt.
Und plötzlich ein lautes Tuten. Die Schiffe eröffnen die „Symphonie“ des Silvesterspektakels. Alle Kirchenglocken läuten. Stille. Und dann bricht sie los – die Feuerchoreografie. Immer mehr Bilder kommen hinzu, bis die gesamte Insel ein einziges Feuerwerk ist. Unsere Fotokameras sind überfordert, und das gesamte Panorama lässt sich gar nicht erfassen. Der Mund bleibt uns offen stehen, die Ohren müssen wir uns beim Finale zuhalten. Gänsehaut pur.
Wir wollen durch die Altstadt ziehen, wo sich ein Restaurant an das andere reiht. Etwas trinken, noch eine Kleinigkeit essen und einfach das Treiben beobachten. Unserem Vorhaben wird ein jähes Ende gesetzt. Die vielen tausend Menschen, die eben noch am Hafen standen, gehen nach Hause. Die Lokalitäten schließen. Um 1 Uhr sind die Straßen leer.
Zu dieser Zeit geht es in unseren Breiten erst richtig los mit dem Feiern. Auf Madeira beginnt die Nachtruhe, ausgenommen in den großen Hotels, die für ihre Urlaubsgäste Silvesterfeiern organisieren. Unser Hotel mitten in der Stadt ist klein und familiär. Mit einem Glas Wein (den haben wir vorher im Supermarkt gekauft) stoßen wir an. Ein paar Leute laufen noch auf der Straße schnellen Schrittes nach Hause. Dann ist Ruhe.
Neujahr ist bei uns ein Tag, der wie ausgestorben wirkt. Ganz anders auf Madeira. Schon am Mittag ist die Hauptstadt wieder voller Leben. Die Menschen stürzen sich in den Weihnachtstrubel (das ist kein Schreibfehler). Festas de natal wird hier bis Mitte Januar gefeiert. Die Einheimischen sind in der Mehrzahl katholisch. Überall ertönt noch Weihnachtsmusik, die Straßen sind mit übergroßen Figuren und Krippen geschmückt, der Weihnachtsmarkt ist ein Besuchermagnet.

INFORMATIONEN:

• Wer eine Reise nach Madeira über den Jahreswechsel plant, sollte sich rechtzeitig um Flug und Unterkunft kümmern. Bereits im Februar sind in der Hauptstadt Funchal die Hotels für diese Zeit ausgebucht.

• Madeira hat das ganze Jahr über ein gemäßigtes Klima. Von Ende Dezember und Januar an kann es allerdings sehr stürmisch werden und regnen. Das Landen und Starten kann dann für Flugzeuge schwierig oder unmöglich werden. Das Landen auf der Insel ist wegen der steilen Felsen und einer kurzen Landebahn generell nicht einfach und erfordert erfahrene Piloten.

• Madeira ist eine autonome Region Portugals, 794 Quadratkilometer groß und liegt mitten im Atlantik vor der westafrikanischen Küste. Mit 580 Metern hat Madeira die höchste Steilküste Europas und die zweithöchste der Erde.

• Typisch für Madeira sind die Levadas. Sie wurden einst angelegt, um das Wasser aus den Bergen zu kanalisieren und auch an entlegene Orte der Insel zu bringen. Entlang der Levadas werden geführte Wanderungen angeboten. Typische Urlaubsmitbringsel sind Korbwaren, Stickereien, Madeira-Wein und natürlich Blumen.

• Vor allem für Taucher und Wanderer ist Madeira ein Paradies. Die Insel hat eine Bergwelt, die man nicht vermuten würde. Mit 1862 Metern ist der Pico Ruivo der höchste Berg. Bei Urlaubern ebenfalls beliebt sind Walbeobachtungstouren.

• Madeira ist wegen der felsigen Küsten kein Badeparadies. Lange Sandstrände gibt es dagegen auf der kleineren Schwesterinsel Porto Santo. Zum Archipel gehören weiterhin die unbewohnten Inseln Ilhas Desertas und Ilhas Selvagens.

• Die typische madeirensische Küche besteht aus Fisch und Meeresfrüchten. Der Espada (schwarzer Degenfisch) wird in großen Tiefen vor Madeira gefangen.

• Informationen unter: www.madeira-net.de
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