Anzeige

Es brummt: Herberge baut Zimmer aus

Zurückhaltendes Grau, frisches Grün, große Fensterfronten: Die Herberge erhielt schon einen Preis. Archiv: T.A.
 
Andreas Hansen. Der 30-Jährige leitet die Jugendherberge seit ihrer Eröffnung 2015.

Seit ihrem Start 2015 zählte die Jugendherberge knapp 50 000 Übernachtungen, jetzt verwandelte sie drei Lagerräume in Zimmer.

Von Birgit Wiefel, 31.10.2017.

Braunschweig. Küchenhilfe Lydia Wöhe rückt im Speisesaal die Stühle gerade und wischt die letzten Krümel Schokopops von der Theke. In der Jugendherberge an der Wendenstraße ist die Frühstückszeit vorbei. Es herrscht Ruhe nach dem Sturm, und bevor der nächste kommt, findet Jugendherbergsvater Andreas Hansen Zeit für ein Gespräch.

Seit der Eröffnung im April 2015 leitet er das Haus, das vom Fleck weg ein Erfolg war: 12 000 Übernachtungen im ersten Jahr, 25 000 im zweiten und schon mehr als 12 000 in der ersten Hälfte dieses Jahres. Erst kürzlich wurden drei Lagerräume in neue Zwei-Bett-Zimmer umfunktioniert. Die Waisenhaus-Stiftung unterstütze die Herberge dafür mit 10 000 Euro. „Wir haben sicher auch davon profitiert, dass die Jugendherberge Wolfenbüttel im vergangenen Jahr für die Unterbringung von Flüchtlingen umfunktioniert wurde“, sagt der 30-jährige Herbergsleiter. Verglichen mit Herbergen in ähnlich großen Städten läge Braunschweig im oberen Bereich. „Neben Schulklassen, Jugendgruppen und Sportvereinen haben unter anderem Städtereisende die Herberge für sich entdeckt“, sagt der Herbergsvater. Vor allem im Frühjahr, Herbst und der Adventszeit füllt sich das Haus. Dann muss Hansen auch mal erklären, dass Jugendherbergen keine Low-Budget-Hotels sind, sondern ganz bestimmten Regeln folgen. „Wer hier übernachten will, muss Mitglied im Jugendherbergsverband sein. Die Gebühr dafür plus die Kosten für die Übernachtung kommen dann schnell mal an die Zimmerpreise in einem ganz normalem Hotel heran“, gibt der junge Herbergsvater zu bedenken. Das gefällt nicht jedem Gast. Hansen erläutert diesem dann noch einmal schnell den Bildungsauftrag der Jugendherbergen. „Wir leisten einen Beitrag für die Kinder- und Jugendarbeit“, sagt er. Schulklassen machen deshalb auch in Braunschweig den Löwenanteil aus, weiter hinten rangieren Familien und Pärchen.

Das Gesicht der Herbergen hat sich dennoch deutlich gewandelt. Ja, Lehrer, die das wünschen, können ihre Schüler natürlich nach dem Essen den Müll trennen lassen, sagt Hansen. Aber die Zimmer fegen, das Geschirr abspülen oder die Gemeinschaftsbäder putzen – das müsse niemand mehr. Und auch die geräuschvollen Nächte in Zehn-Bett-Sälen gehören längst der Vergangenheit an. Die größten Zimmer in der Jugendherberge Braunschweig haben vier Betten, gefolgt von Drei-Bett- und Zwei-Bett-Räumen alle mit eigenem Bad. Es gibt Vollverpflegung und eine 24-Stunden-Bereitschaft für den Herbergsvater. Luxus für die Gäste, ganz schön viel Arbeit für Hansen, der von einem Stab von 17 Mitarbeitern unterstützt wird. „Die Ansprüche der Gäste steigen“, sagt er. Auf der anderen Seite dürfe er die Gäste aus Hygienegründen auch gar nicht mehr in die Küche lassen. „Ich war vorher schon in der Jugendarbeit tätig. Ich weiß worauf ich mich eingelassen habe“, sagt er lächelnd. Und: Er weiß, dass er privilegiert ist. Während andere Herbergen über einen Sanierungsstau klagen, leitet er eines der modernsten Häuser in Deutschland: Hell, freundlich, energetisch auf dem neuesten Stand und schon mit einem Architekturpreis ausgezeichnet. Kein Wunder, dass Braunschweig mit Argusaugen beobachtet wird. „Wenn in eine neun Millionen Euro teure Herberge noch einmal 80 000 Euro für drei neue Zimmer investiert wird, muss man gute Argumente haben“, weiß Hansen. Die Zahlen rechtfertigten die Investition. Jetzt hat er eigentlich nur noch einen Wunsch: „Es wäre schön, wenn in der Stadt mehr Wegweiser zu uns stehen würden.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.