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„Egal, was ich machte – es war falsch“

TU-Institut hilft Paaren, bei denen die Frau an Brustkrebs erkrankte – Bislang einzigartige Studie in Deutschland, bezieht den Partner mit ein.

Von Birgit Leute, 18.03.2012.


Braunschweig. Irgendwann half gar nichts mehr: keine Umarmung, keine gut gemeinte Hilfe, kein liebes Wort. „Egal, was ich machte – es war falsch“, fasst Maik Weber (Name geändert) die Zeit nach der Krebserkrankung seiner Frau zusammen. Ein Training am TU-Institut für Psychologie half ihnen, wieder zusammenzufinden.

Vier Jahre ist es her, dass Petra Weber die schockierende Neuigkeit erfuhr: „Sie haben Brustkrebs“. Für die ambitionierte Sekretärin, die fast rund um die Uhr für ein IT-Unternehmen arbeitete, veränderte die Erkrankung alles. „Früher stand ich um 5 Uhr morgens auf und kam nicht vor 9 Uhr abends nach Hause. Doch mit der Operation und den Bestrahlungen verlor ich meine ganze Energie“, erinnert sich die gebürtige Hessin.
Bald war die Konzentration im Keller, mit dem Schlafen klappte es auch nicht mehr, und das Aufstehen am Morgen fiel immer schwerer. „Das war nicht mehr meine Frau“, blickt Maik Weber auf die Zeit zurück, in der es immer schwieriger wurde, miteinander zu reden, in der das Paar plötzlich über Kleinigkeiten in Streit geriet. „15 Jahre Ehe standen auf der Kippe“, sagt Weber kopfschüttelnd. Für Miriam Müller vom Institut für Psychologie nichts Erstaunliches: „Bei Krebserkrankungen sind Partner und Kinder mit betroffen. Nicht nur ganze Lebenspläne geraten ins Wanken. Die Familie reagiert genau wie die erkrankten Frauen mit Ängsten, Zweifeln, Hilflosigkeit.“
Auf dem schwierigen Weg zurück in den Alltag würden sie allerdings meist alleingelassen. „Es gibt derzeit keine Angebote, die die Partner von Krebspatientinnen mit einbeziehen.“ Der jungen Wissenschaftlerin erscheint das nicht logisch: „Die größte Quelle der Unterstützung ist am Ende der Partner“, ist sie überzeugt.
Derzeit läuft an dem TU- Institut die Studie „Seite an Seite“, die nachweisen soll, dass ein gemeinsames Paar- und Kommunikationstraining tatsächlich Stress abbaut. „Noch stecken wir mitten in den Forschungen, doch der Erfolg zeigt sich schon jetzt: Von den knapp 30 Paaren, die bislang teilgenommen haben, hat nicht eines abgebrochen. Und: Alle haben das Training als hilfreich empfunden.“
Auch Maik und Petra Weber sind froh, den weiten Weg von Offenbach nach Braunschweig gemacht zu haben, um über ihre Probleme zu reden. „Es ist so befreiend. Ich hatte das Gefühl, mir fällt eine zentnerschwere Last von der Seele“, erinnert sich Petra Weber an die erste Sitzung. Statt immer nur dem anderen die Schuld zu geben, wissen beide jetzt, dass sie offen über ihre Wünsche und Ängste reden sollten. „Ich hatte die ganze Zeit so getan, als ob ich stark und mutig wäre. Heute ist mir klar: Dieses Versteckspiel war ganz falsch, hat alles nur noch schlimmer gemacht“, sagt Maik. Inzwischen macht das Paar sogar schon wieder vorsichtig Pläne für die Zukunft, „vielleicht eine Reise mit dem Wohnmobil durch den Schwarzwald“, überlegt Maik. „Da wären wir uns dann ganz nah.“

Service:
Das TU-Institut für Psychologie, Humboldtstraße 33, sucht noch Paare, die an der Studie „Seite an Seite“ teilnehmen möchten. Sie sollten innerhalb der vergangenen sechs Wochen die medizinische Behandlung abgeschlossen haben.
• Das Training setzt sich aus vier Sitzungen mit verschiedenen Schwerpunkten zusammen. Jedes Gespräch dauert rund zwei Stunden. Nach Abschluss des Trainings werden die Paare über ein Jahr weiter begleitet.
• Interessenten können sich bei Miriam Müller unter Telefon 391-2854 melden. Weitere Infos: www.seiteanseite.de. Die Studie wird von der Wilhelm-Sander-Stiftung gefördert.
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