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„Die Terrorgefahr ist latent da“

Ken Duken kommt zu Filmpremiere und anschließender Gesprächsrunde nach Braunschweig. NFP/Warner

„Berlin Falling“: Ken Duken kommt zu Premiere und Gesprächsrunde mit Kripo-Chef Küch ins C1.

Von Marion Korth, 18.07.2017.

Braunschweig. „Erschreckend real“, so wird der erste Langfilm „Berlin Falling“ von Schauspieler und Regisseur Ken Duken angekündigt. Am Freitag hat er – präsentiert von der BZ – Premiere.

Tatsächlich hat die Wirklichkeit das schon vor zwei Jahren im Drehbuch gezeichnete Szenario eingeholt. Vor dem Berliner Attentat am Breitscheidplatz war ein Lastwagen vom späteren Täter gekapert worden.

In „Berlin Falling“ sitzt nun Ken Duken als traumatisierter ehemaliger Armeesoldat neben einem potenziellen Attentäter, dabei hatte er nur einen Anhalter auf der Fahrt nach Berlin mitgenommen. Wie real ist die Terrorgefahr in Deutschland, darüber soll nach der Filmpremiere unter anderen mit dem Chef der Braunschweiger Kripo, Ulf Küch, gesprochen werden. Wir stellten ihm dazu vorab ein paar Fragen.

„Natürlich ist eine Terrorgefahr latent da“, sagt Ulf Küch. Ansbach, Würzburg, Berlin – Beispiele dafür gebe es genug, „aber die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas in Braunschweig passiert, ist eher gering“, meint er.
Eine andere Sache ist allerdings die in der Bevölkerung gefühlte Gefahr. „Angst ist etwas sehr Persönliches“, sagt Küch. Auf anderen Gebieten weiß er um den Einfluss der Medien und das seien anders als früher eben nicht mehr nur Zeitungen und Fernsehen. So sei die Zahl der Sexualmorde „massiv rückläufig“, doch bestimmte Delikte würden in den Medien nach Ansicht des Kripochefs regelrecht zelebriert. Damit einher gehe eine veränderte Wahrnehmung. In einigen Bereichen gebe es dagegen tatsächlich gestiegene Fallzahlen, zum Beispiel was Gewalt und Zerstörungswut alkoholisierter Diskobesucher angeht, die morgens durch die Stadt nach Hause ziehen.
Ulf Küch mahnt zur Besonnenheit, jedes Ereignis müsse differenziert angegangen und bewertet werden, Antworten darauf, was genau passiert ist und was dagegen zu tun ist, gefunden werden. Nach den Krawallen während des G-20-Gipfels seien Worte wie „Abschaum“, „Schweine“, „die muss man aufhängen“ gefallen, auch davor warnt Küch, denn Worte bereiten den Taten den Weg. Gegen Gewalt und Terror vorzugehen, sei Sache der Polizei und dann der Justiz. „Die Gerichte urteilen und nur die“, betont Küch. Und überhaupt: „Diese Gewalt ist nicht neu“, sagt Küch und erinnert an die gewalttätigen Proteste der Atomkraftgegner, gegen die Startbahn West, später die Chaostage und die Ausschreitungen am 1. Mai in Berlin. Neu sei allerdings der „Eventkrawall“, Menschen, die zum Zeitvertreib und ohne erkennbaren ideologischen Hintergrund randalieren.

Wenn Küch sich aus Sicht der Polizei etwas wünschen dürfte, dann denkt er an Kollegen, die im Dienst beleidigt oder gar verletzt werden. „Ein paar Gänge herunterschalten, nicht einfach auf die Beamten einschlagen, sondern erst einmal zuhören, was die Staatsmacht zu sagen hat“, das wäre gut.
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